Turner beschäftigt sich sehr mit der gesellschaftlichen Entwicklung

Frank Turner zeichnet auf Album kritisches Menschenbild

Mittwoch, 02. Mai 2018 | 10:08 Uhr

Egozentrisch, Social-Media-süchtig und zu bequem, sich andere Meinungen anzuhören: Das Menschenbild, das Frank Turner zeichnet, ist nicht sehr schmeichelhaft. Doch die 13 Songs auf dem siebenten Studioalbum “Be More Kind” des 36-jährigen Briten beschreiben ziemlich exakt, woran unsere Gesellschaft gerade krankt.

“Wir scheinen vergessen zu haben, wie man anständig miteinander kommuniziert”, erklärte Turner, bekannt für seinen Folk-Punk-Rock-Mix, sein zentrales Anliegen im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Smartphones und das Internet spielten dabei eine große Rolle. Er tourte mit seiner Band, den Sleeping Souls, 2016 durch die USA, als “die Welt beschloss, durchzudrehen” – was letztlich den Anstoß dazu gab, ein Album über Nächstenliebe zu schreiben.

Es dreht sich jedoch nicht allein um die Veränderungen in Amerika: Was dort passiere, seien eher Symptome als Ursachen. “Wie sind dabei, unsere Gegner zu entmenschlichen – insbesondere in politischen Auseinandersetzungen.” Dass dies schreckliche Folgen haben kann, wisse jeder noch so amateurhafte Historiker. Deswegen warnt Turner in dem drängenden “1933” zu schrammelnden Gitarren und Mundharmonika vor sich wiederholenden politischen Ideen und einer Hau-Drauf-Mentalität.

Immer wieder scheint Kritik an Selbstbezogenheit und kollektiver Isolation durch. Damit meint Turner auch sich selbst: “Ich fühle mich moralisch keinesfalls überlegen – auch ich könnte bedachter sein”, gibt er zu. Etwa, wenn er Hass-Mails bekommt. Über die Jahre habe er gelernt, dass eine freundliche, am Dialog interessierte Antwort den Konflikt am ehesten löst. “Mit einem Typen diskutierte ich in mehreren Mails über Politik. Am Ende trafen wir uns und tranken ein Bier zusammen. Es ist doch vollkommen okay, nicht mit jedem immer und bei allem gleicher Meinung zu sein.”

Die Konsequenz daraus – anderen mit mehr Wohlwollen und Verständnis zu begegnen – machte Turner zum Titelthema des Albums. “Das beschäftigt viele Menschen, die unendlich viel weiser und intelligenter sind als ich”, betonte er.

Für “Be More Kind” nahm sich der Musiker mit sieben Monaten wesentlich mehr Zeit als für seine vorigen Alben. Mit Austin Jenkins und Joshua Bock (Ex-Mitglieder der Indie-Rock-Band “White Denim”) und Charlie Hugall (Mitproduzent des Erfolgsdebüts “Lungs” von “Florence and the Machine”) tüftelte Turner in Texas an neuen Sounds. Er arbeitete viel mit Arpeggiator-Synthesizern und Loops, baute aber auch Soul-Elemente ein. Politisches mischt sich dabei mit Privatem.

(S E R V I C E – Internetseite des Künstlers: frank-turner.com)

Von: APA/dpa

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