Thomas Petritsch (r.) und seine Mannen von Granada lassen grüßen

“Ge Bitte!”: Granada setzen auf die “logische Konsequenz”

Dienstag, 19. Juni 2018 | 12:33 Uhr

“Ge Bitte!”: In den Titel des neuen Granada-Albums kann man einiges hineinlesen. Vielleicht Resignation oder das viel zitierte österreichische Raunzertum? Für die Band ist es am ehesten eine Kombination. “Es spielt auf Trennung und Unzufriedenheit an”, so Sänger Thomas Petritsch. “Aber andererseits ist ‘Ge Bitte’ auch Punk-Attitüde, einfach drauflos!” Granada bringen eben vieles zusammen.

Auf der zweiten Platte der Band um Petritsch, der früher als Effi durch die Lande tingelte, treffen sich erneut Pop-Appeal und Indie-Gestus, Schrammelgitarre und Ziehharmonika. Vor allem aber ein Gespür für eingängige Melodien, unterhaltsam-zweideutige Texte und viel sommerliches Flair. “Es war die logische Konsequenz”, erzählt der Musiker über den Übergang vom 2016 erschienenen Debüt zum neuen Werk. “Die Songs sind einfach im Laufe der Zeit fertig geworden, einige haben wir schon live gespielt. Dann war der nächste Schritt nicht mehr so weit.”

Was laut Beschreibung also “ganz ohne Druck” entstanden ist, klingt über weite Strecken auch so: “Miad vom Tanzen” macht nicht müde, sondern vielmehr Lust auf die Tanzfläche, “Die Stodt” ist melancholisch angestrichener Indierock vom Feinsten und “Messer” versprüht gar französisches Flair mit einem Schuss Dunkelheit. Die Abwechslung sei der Band ein Anliegen gewesen, unterstreicht Gitarrist Lukacz Custos im Gespräch mit der APA. “Es ist einfach gut, wenn man sich ein bisschen hinauslehnt.” Das kann beim Rhythmus, der Instrumentierung oder dem Songwriting selbst passieren.

Folglich ist der Sound der Band nicht leicht einzuordnen. “Es ergibt sich aus den einzelnen Teilen”, überlegt Petritsch. “Mit der Zeit kommt raus, dass es schon speziell ist. Oft sucht man eine Schublade für Dinge, und bei uns muss man da ein paar aufmachen. Das dauert wohl noch, bis sich das etabliert – dann heißt es einfach Granada-Musik”, schmunzelt der Musiker. Einen nicht unwesentlichen Anteil am fertigen Produkt habe der Zufall. Custos umreißt das als “Qualität des Arbeitens und Magie. Diese Momente sucht man auch. Oft sind es sehr subtile Sachen, die man so direkt gar nicht wahrnimmt.”

Ähnlich verhalte es sich beim Suchen und Finden der Themen: “Die sind vorher nicht klar, das ist eher eine unterbewusste Geschichte”, meint Petritsch. “Das sprudelt heraus. Und wenn sich nichts angestaut hat, dann passiert halt nix. Dann kannst du auch keinen Song schreiben.” Sein Kollege findet dafür einen schönen Vergleich: “Das ist wie bei einem Hund, den man herlockt. Vorher kannst du nicht sagen, wie er ist – ist er freundlich oder beißt er dich? Ist das vielleicht ein Streuner?” Am Ende müsse man “einer Fährte nachgehen und im besten Fall bist du damit zufrieden, was rauskommt”.

Dass man dann immerhin so selbstbewusst ist und in “Berlin” der deutschen Hauptstadt flugs ein “Scheiß” als Zusatz attestiert, wirkt auf den ersten Blick provokanter, als es ist. “Das darf man nicht missverstehen”, lacht Petritsch. “Es stehen zwar diese zwei Wörter nebeneinander, aber wir schimpfen ja nicht auf Berlin. Es geht darum, eine Trennung zu verarbeiten. Berlin haben wir gewählt, weil es die einzige Stadt ist, die das auch nehmen kann. Eine Stadt, die austeilt, aber auch einstecken kann. Dadurch ist es mehr oder weniger wie eine Liebeserklärung. Welcher Stadt kannst du das schon zumuten?” Und kann man das Stück dann auch dort spielen? “Muss man sogar!”, nickt Petritsch. “Das Lied hatte in Berlin seine Live-Premiere.”

Viele weitere Gelegenheiten, die Konzerttauglichkeit von “Ge Bitte!” zu überprüfen, werden folgen. Zunächst spielen Granada am Sonntag auf der FM4-Bühne beim Donauinselfest sowie weitere Festivals in Deutschland, bevor im November die große Tour startet. Linz, Graz, Salzburg und Wien stehen im Dezember auf dem Programm. “Wir freuen uns auf die Festivals und die Routine, die jetzt reinkommt. Und natürlich auf die Clubshows, weil sie einfach noch intimer sind”, betont Custos. “Als Headliner hast du alle Zeit der Welt, keinen Druck oder Stress. Das ist viel gelöster.”

Also könnte man sagen, es geht um das Leben im Moment, womit man wieder beim Albumtitel angelangt wäre. Denn Petritsch sieht auch Parallelen zum Jugendbegriff YOLO, die Abkürzung für “You only live once”. “Das ist ja besonders in der Musikkultur derzeit vorherrschend, etwa im Cloudrap. Alles ist sehr kurzlebig. Das beinhaltet der YOLO-Gedanke. Und ‘Ge Bitte’ ist das resignierende YOLO.” Typisch österreichisch eben.

Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA

INFO: www.granadamusik.com

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz