Gitarrist Peter Horton glaubt an "Philotainment"

Gitarrenvirtuose Peter Horton feiert Geburtstag

Montag, 19. September 2016 | 12:51 Uhr

“Es gibt zwei Arten von Unterhaltung: Zerstreuung und Sammlung”, sagt Peter Horton. Der österreichische Musiker, Komponist, Sänger, Autor und “Gitarrero” ist eindeutig für Letzteres. Wenn er spielt, ist Aufmerksamkeit gefragt – schon allein, um sein virtuoses, höchst farbenreiches Spiel auf der Gitarre verfolgen zu können. Horton feiert am 19. September seinen 75. Geburtstag.

Horton ist ein glaubwürdiger Werber für seine Formel einer Unterhaltung mit seelischem Nährwert. Seinem Schaffen – er hat 600 Musikwerke und Chansons geschrieben, 60 Platten und CDs veröffentlicht sowie elf Bücher verfasst – hat er ein menschenfreundliches Kunstwort gegeben: “Philotainment”.

“Ich sehe Unterhaltung als Unterhalt, etwas, das von unten nach oben drückt”, sagt der einstige Wiener Sängerknabe. Die Grundlagen für seine eigene musikalische Ausbildung wurden früh gelegt. Als Mitglied des berühmten Knabenchors stand er im Wiener Musikverein schon mit Maestro Herbert von Karajan auf der Bühne. Mit 16 Jahren gründete er seine erste Jazzband. Auf den Rat seiner Mutter hin absolvierte er die Handelsakademie, bevor er in Stuttgart Gesang studierte.

Eine Kostprobe als Sänger im Smoking gab Horton beim Eurovision Song Contest 1967 in Wien. Mit dem Titel “Warum es hunderttausend Sterne gibt” fuhr er für Österreich allerdings nur drei Punkte ein. Seinen großen Durchbruch erlebte Horton mit dem Gitarrenduo “Guitarissimo” (1980-1984). Zusammen mit Sigi Schwab füllte er große Hallen. Horton konzentrierte sich immer mehr auf die Gitarre, von denen bisher 20 Exemplare sein Leben begleiteten. Es war die Zeit, als er mit Mega-Stars wie David Bowie zusammen auf der Bühne stand.

Als Gastgeber präsentierte Horton 34 Ausgaben (1978-1984) der ARD-Musikshow “Café in Takt”. “Da stand der Künstler im Mittelpunkt und nicht der Moderator”, sagt Horton heute über die Show, die von Kritikern gelobt, aber auch als elitär bezeichnet wurde. In den Folgejahren machte der Mann, der selbst sieben Instrumente spielt, im ZDF “Horton’s kleine Nachtmusik”.

Mit der deutsch-bulgarischen Pianistin Slava Kantcheff, mit der er auch verheiratet war, bildete Horton das Duo Symphonic Fingers. In rund 2000 Konzerten präsentierten beide eine “multistilistische Klangarchitektur”.

Heute gibt Horton noch rund 20 bis 30 Konzerte im Jahr, meist auf kleineren Bühnen mit einigen Hundert Zuschauern. “Kleinkunst ist das falsche Wort. Es ist immer Feinkunst”, bricht er eine Lanze für den eher intimen Rahmen. “Diese Orte sind die wichtigste Schnittstelle zwischen Menschen und Musik.” Ans Aufhören denkt Horton nicht. “Ich plane, meine Technik noch zu verbessern.”

Von: APA/dpa

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