Glen Matlock bringt demnächst eine Platte heraus

Glen Matlock – Unbesungener Held des Punk gastierte in Wien

Donnerstag, 01. Februar 2018 | 10:47 Uhr

Das ist Punk: Glen Matlock, immerhin für Sex Pistols-Hits wie “God Save The Queen” mitverantwortlich, ist zu seinem Konzert in Wien mit dem Auto angereist – selbst am Steuer und direkt aus London. Der Brite stand am Mittwochabend in der Wiener Stadthalle solo auf der Bühne, bevor Flogging Molly und die Dropkick Murphys für gepflegten Radau sorgten. “Ich lebe im Moment”, sagte er im Interview.

Sein Outfit, seine Höflichkeit und seine Sprache erinnert eher an einen englischen Dandy als an einen Musiker, der mit Schlachtrufen wie “Anarchy In The UK” in den 70er-Jahren die konservative Gesellschaft erschreckte. “Punk ist eine gute Grundhaltung. Aber Bondage-Hosen als Uniform waren nie meine Sache”, sagte Matlock, vor seinem Auftritt einen Cappuccino genießend. “Ich glaube, das waren sie für überhaupt niemanden in den Sex Pistols. Das kam erst später.”

Matlock hatte viele Lieder auf “Never Mind The Bullocks, Here’s The Sex Pistols” mitkomponiert, aber noch bevor die einzige Studioarbeit der Sex Pistols fertig war, diese bereits wieder verlassen – oder verlassen müssen, je nach Sichtweise. Später spielte er u.a. in den Rick Kids, mit Iggy Pop, The Damned und The Faces, die er schon als Teenager verehrte. “Ich hätte gerne mehr Shows mit den Faces gespielt”, gestand der Bassist, Gitarrist und Sänger. Aber Ron Wood hatte mit den Rolling Stones andere Verpflichtungen. “Ja, leider, ich hätte auch für den Rest meines Lebens in den Faces sein können.”

Dabei ist Matlock keiner, der vom Ruhm vergangener Tage lebt. “Am liebsten ist mir immer das, was ich gerade mache.” Und das wäre derzeit sein im Frühjahr erscheinendes, noch unbetiteltes neues Album. In Wien präsentierte der Musiker zwar quasi unplugged ein paar aktuelle Songs, eingespielt wurden diese allerdings mit einer “richtigen Band”, wie Matlock betonte. “Mit dabei ist etwa Earl Slick, der ja schon bei David Bowie Gitarre gespielt hat. Und für John Lennon!” In Richtung Rockabilly und Swing würde das Material tendieren. “Ich habe ein bisschen die Nase voll von lauten Gitarren”, schmunzelte Matlock.

Einer erneuten Wiedervereinigung der Sex Pistols (die letzte hatte die Band 2008 zum Nova Rock im Burgenland geführt), wäre Matlock dennoch nicht abgeneigt. “Ich denke beim Aufwachen aber nicht an eine mögliche Reunion”, fügte er rasch hinzu. “Wir haben etwas gemeinsam, das nur vier Menschen auf dieser Welt gemeinsam haben: Wir sind die Sex Pistols! Niemand sonst auf dieser Welt kann das von sich behaupten, niemand kann uns das nehmen. Das ist doch eine gute Sache.”

Gefragt, ob er ein unbesungener Held sei, antwortete Matlock ohne Zögern: “Ja, das bin ich.” Er ergänzte aber genauso schnell: “Ach, ich bin nur ein Typ, der Gitarre spielt.” Und dann musste der Brite grinsen und servierte eine Anekdote: “Meine Söhne haben mich vor acht Jahren zu einem Konzert von Green Day mitgenommen. Sie meinten, dass ich mich ‘wie ein Punk’ anziehen sollte. Das wollte ich eigentlich nicht, aber dann habe ich nachgegeben. Sobald wir am Veranstaltungsort angekommen waren, konnten sie kein Wort mehr mit mir wechseln, weil ständig Leute zu mir gekommen sind und um ein gemeinsames Foto gefragt haben.”

Ständig mit den Pistols konfrontiert zu werden, nimmt Matlock zumindest nach außen hin sehr locker. Er hat ja allen Grund stolz zu sein: “Die Alben der Pistols klingen genauso wenig überholt oder altmodisch wie die frühen Sachen von Elvis oder Gene Vincent”, sagte er. “Es wäre allerdings schön, wenn es mehr Songs gebe. The Clash konnten zwischen Songs von mehreren Alben wählen, bei den Konzerten der Sex Pistols waren es stets die gleichen.”

Die Pistols hätten immerhin ein paar Leute zu mehr Bewusstsein motiviert. “Ob wir etwas verändert haben, weiß ich allerdings nicht”, sagte Matlock und packte die nächste Anekdote aus: “Bei unserem ersten Besuch in Liverpool habe ich in einer lokalen Zeitung gelesen, dass man überlege, Menschen im Fluss Mersey zu beerdigen, weil alle Totengräber im Streik standen. ‘God Save The Queen’ sollte ursprünglich ‘No Future’ heißen – und genau das brachte die Zeit damals auf den Punkt.”

Von welchem Kollegen, den er über die Jahre getroffen hat, war Matlock am meisten beeindruckt? “Von Mick Ronson. Er war ein superber Musiker, lustig und ein großartiger Typ. Das Album ‘Transformer’ von Lou Reed hat er mindestens so viel produziert wie David Bowie, auch wenn er nie die richtige Anerkennung dafür bekam. Er lieferte auch den Titel für die Platte. Reed und Bowie sind in einer Mittagspause Essen gegangen, Ronson blieb im Studio. Da kam plötzlich jemand herein, der Lou Reed suchte. Als Bowie und Reed vom Essen zurückkamen, berichtete Mick, dass einer von Reeds Freunden da war. Auf Reeds Frage, wie der Typ denn ausgesehen hätte, antwortete Ronson: ‘Er war einer dieser Transformer.'” Transvestit oder Transgender seien für den Musiker aus Hull keine so geläufigen Begriffe gewesen…

Kurz bevor Glen Matlock zum Soundcheck eilte, verriet er noch seine Meinung über den politischen Zustand in seiner Heimat: “Ein Chaos. Ich glaube zwar nicht, dass der Brexit das Ende der Welt bedeutet, aber es wird bestimmt nicht leichter. Man muss aber auch sagen, dass das nicht passiert wäre, wenn die Politiker in Brüssel mehr zugehört hätten.”

Von: apa

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