Berger und Rojinski fanden klare Worte

Goldene Kamera feierte Ende von “Machodiktatoren am Filmset”

Freitag, 23. Februar 2018 | 09:44 Uhr

Mit einer klaren Stellungnahme gegen Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt im Filmgeschäft ist in Hamburg der traditionsreiche deutsche Film- und Fernsehpreis Goldene Kamera verliehen worden. “Die Zeiten von autoritären sexistischen Machodiktatoren am Filmset sind vorbei”, sagten die Schauspielerinnen Senta Berger und Palina Rojinski am Donnerstagabend.

Die von Steven Gätjen moderierte 53. Vergabe der Goldenen Kameras wurde von der Drag-Künstlerin Conchita Wurst eröffnet. Es folgte der Auftritt von Berger und Rojinski: Flirten, sich verlieben und auch Albernheiten seien weiter erlaubt am Filmset, erklärten sie. “Aber die Zeit für Leute, die keine Achtung vor Frauen, keinen Respekt für das Filmteam oder für Menschen überhaupt haben, ist vorbei”, sagte Rojinski unter Applaus. Mit dem Statement nahmen die Veranstalter Stellung zur sogenannten #Metoo-Debatte.

Die 79-jährige Hörbiger bekam die Goldene Kamera für ihr Lebenswerk von ihrem Sohn Sascha Bigler überreicht. Sie dankte vor allem zwei Menschen: dem verstorbenen Schauspieler Götz George und dem Regisseur Dieter Wedel. Die Nennung des mit schwerwiegenden Anschuldigungen belasteten Regisseurs konnte als Solidaritätsadresse verstanden werden. Der 75 Jahre alte Wedel sieht sich seit Jahresbeginn Missbrauchsvorwürfen ausgesetzt, die von mehreren Schauspielerinnen erhoben werden. Wedel hat die Vorwürfe per eidesstattlicher Erklärung zurückgewiesen. Neben Hörbiger wurde auch Hollywood-Star Liam Neeson (“Schindlers Liste”, “Les Miserables”) für sein Lebenswerk gewürdigt.

Ausgerechnet eine der besten Nachrichten des noch jungen Jahres verhagelte den Machern der Goldenen Kamera den sonst wohl stärksten Moment des Abends. Der mehr als ein Jahr in der Türkei inhaftierte “Welt”-Reporter Deniz Yücel sollte aus Solidarität einen Sonderpreis erhalten. Nach seiner Freilassung bat er aber die Veranstalter, auf die Auszeichnung zu verzichten. Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe, erinnerte deshalb an 281 Journalisten, die weltweit weiter im Gefängnis sitzen. “Jeder Journalist, der zu Unrecht in Haft sitzt, weil er seine Arbeit macht, ist für uns nicht tolerierbar”, sagte Becker.

Ebenfalls ausfallen musste die Vergabe des Preises für die beste deutsche Schauspielerin an Petra Schaller-Schmidt. Die erkrankte Darstellerin ließ sich von ihrem sichtlich gerührten Vater vertreten. Auch ihr Laudator, der Schauspieler Heino Ferch, musste sich wegen einer heftigen Erkältung von Comedian Michael Kessler vertreten lassen.

Dafür erschien zumindest der als bester deutscher Schauspieler ausgezeichnete Volker Bruch auf der Bühne. Er bekam den Preis für seine Rolle als Kommissar Gereon Rath in der 1920er-Jahre-Serie “Babylon Berlin”. Die Goldene Kamera für den besten Fernsehfilm ging an “Jürgen – Heute wird gelebt” mit Heinz Strunk und Charly Hübner.

Gut gelaunt nahm der Schotte Ewan McGregor (“Trainspotting”, “Fargo”) seinen Preis als bester internationaler Schauspieler entgegen. Die Waliserin Naomi Watts (“Mulholland Drive”, King Kong”) wurde als beste Schauspielerin International geehrt.

“Sing my Song” wurde als beste TV-Show ausgezeichnet und beste Serie wurde “4Blocks”. Der Nachwuchspreis ging an Louis Hofmann. Der Zuschauer-Preis für die beste “Dokutainment”-Sendung ging an die Trödel-Show “Bares für Rares”. Deren Moderator Horst Lichter verließ die Bühne mit dem Jubelschrei: “Scheiße, ich liebe euch!”

Von: APA/ag.