Der Musiker bestritt Tätlichkeit gegen Journalisten

Grönemeyer musste vor Gericht aussagen

Mittwoch, 20. Februar 2019 | 15:39 Uhr

Der deutsche Sänger Herbert Grönemeyer hat als Zeuge in einem Strafprozess die Vorwürfe zweier angeklagter Journalisten zurückgewiesen, er habe einen Übergriff auf sie begangen. Er habe angesichts des Verhaltens der Männer im Jahr 2014 am Flughafen Köln/Bonn Angst vor einem Anschlag gehabt, sagte Grönemeyer am Mittwoch vor dem Kölner Landgericht.

Außerdem habe er seine Familie, die mit ihm am Flughafen war, aus der Öffentlichkeit halten wollen. Er selbst habe das Ganze wie ein Kesseltreiben empfunden. “Ich war schwerstens geschockt, es war wie ein Anschlag.” Sein Sohn sei so traumatisiert gewesen, dass er jahrelang nicht mehr mit ihm zusammen durch einen Flughafen gegangen sei.

Die beiden Angeklagten, ein Fotograf und ein Kameramann, müssen sich wegen falscher Verdächtigung und uneidlicher Falschaussage im Zusammenhang mit dem angeblichen Zwischenfall verantworten. Sie sollen laut Anklage wahrheitswidrig behauptet haben, dass Grönemeyer sie angegriffen und verletzt habe.

Die falsche Darstellung sollen sie auch in einem Zivilprozess wiederholt haben, den Grönemeyer wegen damaliger Berichte über das Geschehen gegen einen Zeitungsverlag führte und 2017 gewann. Nach Begutachtung von Videos und Bildern sahen es die Richter dabei als erwiesen an, dass die Aussagen nicht der Wahrheit entsprachen.

“Ich bin zu meiner Mutter gefahren mit meinem Sohn und meiner damaligen Lebensgefährtin”, sagte der Popstar heute vor Gericht über jenen Dezembertag 2014. Ein gemütlicher Adventsbesuch war geplant. Aber kurz nach der Ankunft auf dem Flughafen Köln/Bonn fühlte sich Grönemeyer von jemandem verfolgt. Der Typ hätte eine große schwarze Tasche bei sich gehabt und da was rausgeholt. In dem Moment, erzählte Grönemeyer, habe er an einen Anschlag geglaubt. “Ich war wirklich extremst nervös.”

Zum Vorschein kam dann aber keine Waffe, sondern nur eine Kamera. Für den Sänger stand damit fest: Hier ging es darum, seine Familie abzulichten. Er selbst sei ja immer für ein Foto oder ein Selfie zu haben, betonte Grönemeyer. Mit der Einschränkung: “Normale Fotografen fragen, ob sie mich fotografieren dürfen.” Aber für seine Familie gelte ein rigoroses Fotoverbot.

Nach drei Stunden – davon eine Stunde Pause – wurde Grönemeyer aus dem Zeugenstand entlassen. Im Foyer des Gerichts drängten sich Fotografen und Kameraleute um ihn herum. “Geht es Ihnen um den Schutz vor Paparazzi?”, rief jemand. Seine Antwort: “Es geht um meine Familie.”

Neben einer Videosequenz führte das Gericht am Mittwoch auch Fotos des Geschehens vor, die von dem angeklagte Fotografen stammen und bereits in dem vorangegangenen Zivilverfahren eine Rolle gespielt hatten. Bei der Interpretation einiger dieser Bilder wurden unterschiedliche Sichtweisen bei den beiden Verteidigerinnen der Angeklagten auf der einen und bei Grönemeyer auf der anderen Seite deutlich.

Das Gericht will im weiteren Prozessverlauf auch die Angeklagten zu den Bildern befragen. Die Kammer habe diesbezüglich “sehr viel Rücksprachebedarf” mit den Beschuldigten, sagte der vorsitzende Richter. Ein Urteil in dem Verfahren könnte am Mittwoch kommender Woche fallen.

Von: APA/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz