Mann etablierte sich in Hollywood mit unterkühlt inszenierter Gewalt

“Heat” und “Miami Vice”: Michael Mann ist 75

Montag, 05. Februar 2018 | 10:01 Uhr

Als Hollywood-Größe ist Michael Mann ein Spätzünder. Erst mit 38 Jahren brachte er seinen ersten Spielfilm ins Kino. “Der Einzelgänger” (1981), mit James Caan als Bankräuber, trug bereits die Handschrift seiner späteren Krimi-Erfolge wie “Heat” und “Collateral”. Mann, der am 5. Februar seinen 75. Geburtstag feiert, ist ein Meister der unterkühlt inszenierten Gewalt.

Dabei fühlt er sich als Regisseur bin ins kleinste Detail für alles verantwortlich. “Meine kreativen Entscheidungen, etwa welcher Schauspieler, die Falten im Vorhang, die Mode, die Musik, der Schnitt, alles ist meine Schuld, meine Verantwortung. Deswegen ist das Filmemachen für mich immer so aufregend”, erklärte Mann im vorigen Oktober im französischen Lyon in einer Talk-Runde mit Thierry Fremaux, dem künstlerischen Leiter des Cannes-Filmfestivals, und dem mexikanischen Regisseur Guillermo del Toro, dessen Fantasyfilm “Shape of Water” heuer für 13 Oscars nominiert ist.

Del Toro outete sich bei dem Treffen als großer Bewunderer des “modernen Meisters des amerikanischen Films”, wie das Filmblatt “Variety” berichtete. In “Heat” habe Mann den besten Raubüberfall und mit Robert De Niro eine der besten Close-Up-Szenen in der Geschichte des Films inszeniert, lobte Del Toro. “Heat” (1995) ist ein fesselndes Gipfeltreffen von De Niro und Al Pacino, der erste Film, in dem sich die Leinwandgrößen gegenüberstehen. In dem fast dreistündigen Action-Krimi sind sie die Kontrahenten, der Polizist Hanna (Pacino) und der Profigangster McCauley (De Niro). In Los Angeles drehte Mann in kalten, ästhetischen Bildern eine der kugelreichsten Schießereien der Filmgeschichte und einen unvergesslichen Showdown.

Zwölf Jahre schrieb Mann an dem Drehbuch. Er beriet sich mit echten Polizisten und Gangstern. “Ich habe 19 Jahre in Los Angeles gelebt”, sagte der in Chicago aufgewachsene Regisseur damals der Deutschen Presse-Agentur. Dennoch habe es viel Zeit gekostet, die Drehorte auszukundschaften. In manche Viertel habe er die Polizei begleitet. Doch “Heat” ist kein reiner Action-Thriller. Manns Filme sind immer auch Charakterstudien. Der jagende Cop und der brutale Gangster sind Männer, deren Privatleben vor einem Desaster steht.

Mit akribischen Recherchen und Vorbereitungen packt Mann jeden seiner Filme an. Kein Wunder, dass er in seiner langen Karriere nur ein Dutzend Spielfilme inszeniert hat. In “Manhunter – Blutmond” (1986) brachte er den Serienmörder Hannibal Lecter auf die Leinwand, der später durch Jonathan Demmes “Das Schweigen der Lämmer” zur Kultfigur wurde. Er hetzte Daniel Day-Lewis als “Der letzte Mohikaner” (1992) durch die Wildnis. Mit Russell Crowe und Al Pacino drehte er “Insider” (1999), einen Thriller über die Machenschaften der Tabakindustrie. Will Smith schickte er als “Ali” (2001) in den Boxring, Tom Cruise in “Collateral” (2004) als eiskalten Auftragskiller durchs nächtliche Los Angeles.

Mit “Miami Vice” schuf er eine düstere Kinoversion der früheren TV-Hit-Serie, für die Mann in den 80er-Jahren als ausführender Produzenten verantwortlich war. In der Originalserie spielten Don Johnson und Philip Michael Thomas die Polizisten James “Sonny” Crockett und Ricardo Tubbs, die mit lockeren Sprüchen in Miami auf Gangsterjagd gingen. In der Spielfilmversion übernahmen Colin Farrell und Jamie Foxx die Hauptrollen. In dem Cyber-Thriller “Blackhat” (2015) setzte er zuletzt Chris Hemsworth als cleveren Hacker auf gefährliche Cyber-Gangster an.

Seit längerem plant Mann einen Film, der nicht im Gangstermilieu spielt. Er will das Leben des legendären Autobauers und Rennfahrers Enzo Ferrari (1898 – 1988) auf die Leinwand bringen. Die Dreharbeiten sollen in diesem Sommer beginnen, wie das Kinoportal “Deadline.com” berichtete. Und wieder steht eine Hollywoodgröße bereit – Hugh Jackman soll für die Titelrolle im Gespräch sein.

Von: APA/dpa