Helmut Dietls "unvollendete Erinnerungen" erschienen

Helmut Dietls Memoiren: “A bissel was geht immer”

Dienstag, 13. September 2016 | 12:00 Uhr

Kurz vor seinem Tod hat Helmut Dietl begonnen, seine Memoiren aufzuschreiben. Er sei nach dem kapitalen Flop seines letzten Filmes “Zettl” überzeugt gewesen, nie wieder einen Film machen zu können. “Helmut hat aufs Schmerzlichste unter dieser Häme gelitten – als Mensch und auch als Künstler”, schreibt seine Witwe Tamara Dietl.

“Nach dem Flop von ‘Zettl’ fiel er in eine schwere Depression und eine große Schreibblockade.” Erst die Idee, seine Memoiren zu verfassen, habe diese Blockade gelöst. Doch Dietl starb, ehe er sie vollenden konnte. Jetzt hat Tamara Dietl das Buch “A bissel was geht immer – Unvollendete Erinnerungen” herausgebracht und dazu das Vorwort verfasst. “Das waren nicht die Memoiren, die ich erwartet hatte. Das war Literatur – und zwar vom Allerfeinsten”, erinnert sie sich an den Moment, als sie die Entwürfe zum ersten Mal las.

Das Buch zeigt einen Helmut Dietl, bevor er “der Dietl”, die Filmlegende wurde. Er erzählt vom Aufwachsen im Nachkriegs-München, von seinen beiden unterschiedlichen Omas (Betty-Oma und Greiner-Oma) und von der Liebe. Seine erste große Liebe, die Nachbarstochter, hieß Ruth Abendschön – ein Name wie der einer Romanfigur. Er erzählt von seinem ersten Trip nach Paris und dass er dort am Grab seines Helden Heinrich Heine geweint hat. Er schreibt auch von seiner Mutter, die ihn ohne männliche Unterstützung aufzog, und von der Verachtung, die er für seinen saufenden Vater übrig hatte. “In seinen Erinnerungen sind die berührendsten Seiten jene, auf denen er von seiner Mutter spricht”, schreibt Autor Patrick Süskind (“Das Parfum”), Dietls enger Freund, im Nachwort.

Dietl erzählt auch von der Entstehungszeit seiner Kultserie “Kir Royal” und zählt die Gründe auf, warum er Helmut Berger damals nicht als “Baby Schimmerlos” wollte: “Sein exzentrisches Benehmen, sein egozentrischer Charakter, seine Drogen und Alkoholsucht, seine Unzuverlässigkeit bei der Arbeit” zum Beispiel, “seine ständig zur Schau getragene Arroganz” und nicht zuletzt sein Aussehen. “Er war schön, wollte es auch bleiben.” Von Franz Xaver Kroetz sei dagegen zunächst der WDR nicht sonderlich begeistert gewesen. “Den Kommunisten Kroetz wird der WDR nicht akzeptieren.” Hat er dann doch, wie die Fernsehgeschichte zeigt.

Mit dem wohl bekanntesten Zitat aus der Serie “Ich scheiß dich so was von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast…” von Mario Adorf als Kleberfabrikant Heinrich Haffenloher enden Dietls Memoiren. Er hatte keine Zeit mehr, sie zu Ende zu schreiben. “Für das, was ich nicht mehr geschafft habe, können die Leute ja meine Serien und Filme schauen”, habe er kurz vor seinem Tod im März 2015 gesagt, schreibt Witwe Tamara Dietl. “In meinem Werk steckt die ganze Wahrheit über mich. Das bin ja sowieso alles ich.”

Sein Freund Süskind, mit dem er zusammen unter anderem an “Kir Royal” arbeitete, hat sein Nachwort “Erinnerungen an eine Freundschaft” genannt. Er berichtet darin von den Anfängen dieser Freundschaft, vom ersten Treffen mit Dietl in einem Münchner Café und von gemeinsamen Projekten, die nie verwirklicht wurden: Ein Horrorfilm über einen ermordeten Ehemann, eine zehnteilige Fernsehserie über Ludwig II. und ein Spielfilm über Franz Schubert. Zwölf Tage vor dessen Tod habe er Dietl zum letzten Mal gesehen, schreibt Süskind, und dass dieser damals aussah wie das große Idol seiner Jugend: “Es gibt Bilder des alten Heine mit blassem, magerem Gesicht und grauem Bart. So sah er aus.”

INFO: Helmut Dietl: “A bissel was geht immer – unvollendete Erinnerungen”, Kiepenheuer & Witsch, 352 Seiten, 23,70 Euro.

Von: APA/dpa

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