Kloiber sieht ATV als seinen größten Fehler

Herbert Kloiber will ATV verkaufen

Mittwoch, 31. August 2016 | 14:15 Uhr

Der Filmhändler und Eigentümer der Tele-München-Gruppe, Herbert Kloiber, denkt in der deutschen Wirtschaftszeitung “Handelsblatt” laut über einen Ausstieg beim österreichischen Privatsender ATV nach. “ATV wird im Rahmen der Zukunftsplanung wohl nicht mehr Teil des Portfolios sein, das man seinem Nachfolger übergibt”, sagte er der Zeitung (Mittwochsausgabe). Der Sender soll verkauft werden.

Vor eineinhalb Jahren hatte Kloiber in der APA Spekulationen über einen möglichen Verkauf von ATV noch zurückgewiesen: “Im Moment steht nichts zur Diskussion: weder für 50, noch für 35 Millionen, weder mit RTL, noch mit ProSieben”, so Kloiber damals. Nun bereut Kloiber im “Handelsblatt” das Österreich-Engagement. “ATV war mein größter Fehler. Mit ATV habe ich bislang Verluste in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe gemacht”, so Kloiber, dem auch der deutsche Privatsender Tele 5 gehört und der außerdem an RTL 2 beteiligt ist.

Kloiber will sich nächstes Jahr aus dem operativen Geschäft zurückziehen. “Zu meinem 70. Geburtstag am 6. Dezember 2017 will ich die Geschäftsführung der Tele-München-Gruppe an meinen Sohn übergeben, der vermutlich andere Akzente setzen wird. Deshalb werde ich mich bis zur Übergabe auch um eine Bereinigung unseres Portfolios kümmern”, sagte der Medienunternehmer. “Ich will meinem Sohn mit ATV kein Danaergeschenk machen.”

ATV war 2003 der erste landesweit ausgestrahlte Privatsender in Österreich und gehört über die Tele-München Fernseh-GmbH & Co seit Anfang 2008 praktisch zur Gänze dem österreichischen Filmhändler. Davor war die damals noch der Gewerkschaft gehörende Bawag an dem Sender, der ursprünglich 1997 als regionaler Privatsender Wien 1 gestartet war, beteiligt. Von 1999 bis 2006 investierte die Bawag laut Medienberichten rund 125 Millionen Euro in den Sender, ohne je einen Euro Gewinn zu machen.

Bisherige Verkaufsgespräche Kloibers dürften dem Vernehmen nach an zu hohen Preisforderungen für ATV gescheitert sein. Beim nun endgültig anstehenden Verkauf seines Österreich-Senders setzt Kloiber auf sein Verhandlungsgeschick. “Eine meiner schönsten Geschichten war der Verkauf von Tele 5 an die Kirch-Gruppe für damals 180 Millionen Mark und die Veräußerung von TM3 an Rupert Murdoch für einen dreistelligen Millionenbetrag”, so Kloiber im “Handelsblatt”.

Beim Privatsender ATV wollte man die Verkaufspläne von Eigentümer Herbert Kloiber nicht weiter kommentieren. Auch bei einem potenziellen Käufer des Privatsenders, der ProSiebenSat.1 Puls 4-Gruppe, hielt man sich weitgehend bedeckt. Etwaiges Interesse an einer Übernahme, die auch noch einer Genehmigung durch die Medienbehörde KommAustria bedarf, bestätigte man dort nicht.

“Zu den Plänen des Eigentümers kann ich keinen Kommentar abgeben. Was ich sagen kann ist, dass wir weiterhin mit vollem Einsatz am bestmöglichen Programm für unsere Zuschauer arbeiten, um somit auch zukünftig ein wichtiger Partner für die werbetreibende Wirtschaft zu bleiben”, erklärte ATV-Geschäftsführer Martin Gastinger.

Zuletzt verdichteten sich Hinweise, dass die von Markus Breitenecker in Österreich geführte ProSiebenSat.1 Puls 4-Gruppe die Übername von ATV ausloten könnte. Auch von einer Due-Dilligence-Prüfung, bei der das Risiko eines solchen Kaufs abgeklärt werden soll, war in Branchenkreisen die Rede. Breitenecker war am Mittwoch nicht erreichbar. “Ich kann das nicht bestätigen. Alles, was bei uns derzeit im Fokus steht, ist der Ausbau von Puls 4”, sagte eine Sprecherin der Mediengruppe zur APA.

Von: apa

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