"Bully" Herbig sieht für Komödien schwere Zeiten anbrechen

Herbig: Würde Winnetou-Filmparodie heut nicht mehr so drehen

Samstag, 03. September 2022 | 11:49 Uhr

Comedian, Schauspieler und Regisseur Michael Herbig (54) würde die Karl-May-Verfilmungsparodie “Der Schuh des Manitu” so heute nicht mehr machen. “Den Film hab ich vor 22 Jahren gemacht und es war eine Parodie auf Filme, die vor 60 Jahren im Kino waren”, erläuterte der oft auch “Bully” Herbig genannte Komiker in der am Freitagabend ausgestrahlten Radio-Bremen-Talkshow “3 nach 9” im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo.

Das habe damals mit Leidenschaft, Spielfreude und der Verwirklichung von Träumen zu tun gehabt. Heute würde er das nicht mehr so machen, sagte Herbig. Warum? “Die Comedy-Polizei ist so streng geworden.” Das nehme ein bisschen die Unschuld und Freiheit, meinte der Comedian, der als Regisseur Ende September den Film “Tausend Zeilen” mit Elyas M’Barek und Jonas Nay ins Kino bringt, eine filmische Annäherung an den Skandal um den “Spiegel”-Reporter Claas Relotius, der hier Lars Bogenius heißt.

Herbig sagte, er finde es durchaus richtig, dass man über gewisse Dinge nicht mehr so spreche wie vor 20 Jahren. Es gebe viele laute Stimmen heutzutage und alle seien “mit der Gesamtsituation unzufrieden”, er habe darauf für sich noch keine Antwort, sagte Herbig etwas ratlos. Gefragt worden war er nach der derzeit tobenden Debatte über kulturelle Aneignung und Rassismus.

Diese entstand, nachdem der Verlag Ravensburger Mitte August ankündigte, die Auslieferung zweier Kinderbücher zum gleichnamigen Film “Der junge Häuptling Winnetou” zu stoppen und aus dem Programm zu nehmen. In einem Instagram-Post schrieb Ravensburger, Nutzer-Feedback habe gezeigt, “dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben”. Etliche Nutzer der Social-Media-Plattform bezichtigten die Firma des Einknickens vor Kritik. Es gab auch Unterstützung für die Entscheidung.

Herbig wurde in den 90ern mit der Comedyshow “Bullyparade” populär. Im Film “Der Schuh des Manitu” geht es um die beiden zu Unrecht des Mordes beschuldigten Blutsbrüder Abahachi (Herbig) und Ranger (Christian Tramitz). Die Abbilder von Winnetou und Old Shatterhand sprechen Bayerisch und suchen nach einer Schatzkarte, Gangsterboss Santa Maria (Sky du Mont) ist auf ihren Fersen.

Im Film gibt es auch den schwulen Abahachi-Zwillingsbruder Winnetouch, der auf der “Puder Rosa Ranch” eine Beautyfarm betreibt. Viele mögen die Komödie, die viele Millionen Kinozuschauer hatte, für andere ist sie nur eine Klamotte. Kritisiert wurde schon öfter auch das tuntige Schwulenklischee darin.

Herbig sagte bei “3 nach 9”, eine Komödie zu drehen sei heute viel schwieriger: “Weil man das Gefühl hat, dass man sehr schnell Leuten auf die Füße tritt.” Wenn einem jemand das Argument entgegenschleudere “Du hast meine Gefühle verletzt”, dann könne man nicht sagen “Das stimmt doch gar nicht.” Er glaube, dass es bald weniger Leute geben werde, die Komödien machten, weil viele denken “Das ist mir zu heiß”.

Herbig sagte auch, es werde sehr kompliziert, wenn eine Gruppe, die man im Film abbilde, in Lager geteilt sei. Dann gebe es Leute die sagen “Ich find das lustig, ich erkenn mich da wieder, ich fühl mich ertappt, ich kann darüber lachen” und andere, die sagen “Ich fühl mich diskriminiert oder ich fühl mich beleidigt, verletzt”. Herbig: “Dann bin ich raus, dann weiß ich nicht mehr, auf wen ich hören soll.”

Von: APA/dpa

Kommentare

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18 Kommentare auf "Herbig: Würde Winnetou-Filmparodie heut nicht mehr so drehen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Savonarola
27 Tage 1 h

die Deutschen tollerieren sich zu selber zu Tode. Erbärmliches Volk

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
26 Tage 19 h

Die Deutschen sind zum schämen!

tom
tom
Universalgelehrter
26 Tage 3 h

Deutschland,= Jammerland

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
26 Tage 1 h

Savo… und co…
Es ist erbärmlich bis geistig unternährt ein ganzes Volk in dieser Art zu bewerten!!!
Was für ein minderwertigkeits Komplex leidet ihr?

Hustinettenbaer
25 Tage 22 h

Was wirklich “zum Schämen” ist: italienischsprachige Polizisten nicht “tolerieren”, aber die eigene Sprache verhunzen.
Das gilt auch für jammernde Trolle.

Buddy
Buddy
Grünschnabel
24 Tage 1 h

Ich sag das immer schon, die spinnen doch die Deutschen

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
27 Tage 1 h

Der Schuh des Manitu ist gewiss nicht rassistisch, sondern einfach nur fad und langweilig. Da wollte man krampfhaft das Publikum zum Lachen bringen, das Gegenteil traf ein.

Hustinettenbaer
25 Tage 22 h

Der Film ist eine einzige Blödelei. Albert mit Klischees.
Aber was soll´s. Mogst an Prosecco ? 🤣

N. G.
N. G.
Kinig
26 Tage 23 h

Wenn diese Art der Zensur in der Kunst einzieht dann kann man Satire und Comedy gleich begraben.
Was für ein übertriebener Schwachsinn!
Toleranz ist, auch über sich selbst lachen zu können. Egal aus welche Hautfarbe, sexueller Orientierung, Religion usw. man stammt. Das es besser werden muss, keune Frage aber mit diesen Aktionen erweist man der Sache nen Bärendienst!

hoffnung
hoffnung
Tratscher
26 Tage 23 h

Dieses Sittenwächtergetue wird schon so langsam langweilig. Es darf ja bald keiner mehr den Mund aufmachen. Was ist los mit der vielgepriesenen Freiheit. Ja dann soll
man halt Filmchen und Lieder machen die so harmlos sind, daß sie keiner
mehr sehen und hören will!!!

tom
tom
Universalgelehrter
26 Tage 3 h

Kommen jetzt wieder Schlagertexte und Heimatfilmchen der 60er Jahre?

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
27 Tage 2 h

Heutzutage dürfte man viele Witze nicht mehr machen 😢

Doolin
Doolin
Kinig
26 Tage 21 h

…das ist so schade…
😝

inni
inni
Universalgelehrter
26 Tage 23 h

“Herbig: Würde Winnetou-Filmparodie heut nicht mehr so drehen”

… ich hingegen würde noch eins drauflegen 😜

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
27 Tage 1 h

Ja genau Winnetou ist das Problem, besonders als Kinderunterhaltung… wisst ihr wer da nur milde lächeln kann? Jeder 7Jährige der ein Smartphone bedienen kann, denn wer Internetzugang hat dem tut sich ein wahrer Kosmos menschlicher Abscheulichkeiten, Gewalt und Pornos auf, aber ja Winnetou muss weg…

Hustinettenbaer
26 Tage 20 h

Es gibt viele Dinge, die aus der heutigen Perspektive nicht mehr so gemalt, gedreht, geschrieben würden.
Gauguins Bilder sind großartig, aber er war ein kolonialer (Frauen-)Ausbeuter. Brecht, Rodin beuteten Frauen in Europa aus. Bilder von Caravaggio, Balthus… pädophil ? Wilhelm Buschs Bücher beinhalten antisemitische, sexistische Passagen. “Manche mögen´s heiß” und “Under my Thumb” sexistisch ? “Wir sind keine Engel” politisch unkorrekt. Biene Maja wurde von einem Nazi geschrieben…

Den Genuss bzw. Spaß an diesen Werken lass ich mir von Sektierern nicht austreiben.

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
27 Tage 2 h

Arme Gesellschaft!

anonymous
anonymous
Kinig
26 Tage 4 h

Selten so einen Schwachsinn gesehene,unterste Schublade

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