Beinahe jedes Jahr erscheint ein neues Hinterseer-Album

Hinterseer wird 65: Der ewige “Hansi im Glück”

Samstag, 02. Februar 2019 | 10:03 Uhr

Ein Leben auf der Ideallinie: Als Hansi Hinterseer 1978 mit 24 Jahren seine Ski-Karriere beendete, dachte er wohl nicht im Traum daran, dass ihm der berufliche Höhepunkt seines Lebens auf einer gänzlich anderen Bühne noch bevorstünde. Heute kann der Kitzbüheler auf eine 25-jährige Erfolgskarriere als Sänger, Moderator und Schauspieler zurückblicken. Am 2. Februar wird der ewige Hansi 65 Jahre alt.

Aufgewachsen bei seinen Großeltern auf der Seidlalm direkt an der Streif wurde dem Sonnyboy, Sohn von Slalom-Olympiasieger Ernst Hinterseer (1960 in Squaw Valley), das Skifahren trotz bescheidener finanzieller Mittel praktisch in die Wiege gelegt. Sechs Weltcupsiege in Slalom und Riesentorlauf, 21 Podestplätze, eine WM-Silbermedaille standen in seiner rasanten, aber relativ kurzen Weltcupkarriere schließlich zu Buche. Nach zwei Weltmeistertiteln bei der Profitour in den USA hängte Hinterseer die Bretter endgültig an den Nagel. Öffentlich präsent blieb der verheiratete Vater zweier Töchter ab Mitte der 80er-Jahre zunächst vor allem als Co-Kommentator von Skirennen im ORF.

Im Sommer 1993 dann der große Wendepunkt in seinem Leben: Ein Ziehharmonika-Ständchen zum Geburtstag des Musikproduzenten Jack White in Kitzbühel geriet zur Initialzündung für seine Musikerlaufbahn. “Drei Tage später bot er mir einen Plattenvertrag an, von dem ich zuerst nichts wissen wollte. Erst nach drei Wochen und mehrmaligem Drängen von Jack White ließ ich mich breitschlagen”, erzählte Hinterseer einmal über seine Anfänge.

Der erste TV-Auftritt als Sänger mit der Debüt-Single “Du hast mich heut noch nicht geküsst” im Jahr 1994 im “Musikantenstadl” markierte schließlich den Startschuss für eine Karriere, die von Kritikern häufig belächelt, von seinen Fans aber umso frenetischer begleitet wurde. In bisher 25 Sängerjahren heimste er Gold- und Platin-Alben sonder Zahl in Österreich, Deutschland, der Schweiz sowie in Ländern wie Belgien, den Niederlanden oder Dänemark ein.

Beinahe jedes Jahr erscheint ein neues Hinterseer-Album – und es landet fast immer zumindest in den oberen Charträngen im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus. Zu Buche stehen auch ausverkaufte Tourneen durch die vielfach größten Hallen, der mehrfache Gewinn von Auszeichnungen wie der “Goldenen Stimmgabel” oder der “Krone der Volksmusik” sowie der deutsche Musikpreis Echo im Jahr 2004.

Auch wenn vor allem in den vergangenen fünf Jahren Superstars wie Helene Fischer und Andreas Gabalier im Feld der Mainstreamunterhaltung die größten Erfolge und Schlagzeilen einheimsten, konnte sich “der Hansi” im Spitzenfeld der Schlager- und volkstümlichen Welt halten. Angesichts ständig neu auftauchender, wesentlich jüngerer Protagonisten eine beachtliche Leistung. Zupasskommt dem Medienprofi Hinterseer wohl seine Unverwechselbarkeit. Eine echter “Typ” inmitten so mancher stromlinieförmiger, austauschbarer, übercoachter “Mitbewerber”.

Über die Jahre gelang es ihm, sich vom Sänger “Hansi” zur umfassenden Entertainmentgröße “Hansi” zu entwickeln. Mit Personalityshows wie “Herzlichst Hansi Hinterseer” oder “Servus, Hansi Hinterseer” sorgte der dabei bevorzugt durch imposante Berglandschaften ziehende Entertainer lange Jahre für Millionenquoten im Samstag-Hauptabendprogramm des ORF und deutscher öffentlich-rechtlicher Sender.

Die jährlichen Fanwanderungen mit jeweils mehr als 10.000 Hansi-Fans aus aller Herren Ländern in seiner Heimat Kitzbühel erlangten Kultstatus. Die im Zuge des im Fernsehen übertragenen “Hansi Hinterseer Open Air” aus dem Kitzbüheler Tennisstadion machte die Fanwanderung die maximale Bildschirmpräsenz perfekt. Sowohl Fanwanderung als auch TV-Open Air gehören seit einigen Jahren der Vergangenheit an – die Folge eines Konflikts mit Tourismus- und Politik-Verantwortlichen seiner Heimatstadt Kitzbühel.

Auch einen weiteren Rückschlag hatte Hinterseer auf seinem Erfolgsweg wegzustecken: 2013 verlor er nach dem Ausstieg der ARD seine Fernsehsendung, die er mit wechselnder Bezeichnung 18 Jahre lang präsentierte. 2017 feierte das Format jedoch eine Wiederauferstehung. Ein auch für die Gesamtkarriere wichtiges Comeback – wenn auch die ARD vorerst noch nicht an Bord ist, sondern deren dritten Programme – und die Sendung zunächst nicht in der gewohnten Häufigkeit ausgestrahlt wird.

Parallel zur Musik und TV-Karriere entwickelte sich der passionierte Fell-Moonboots-Träger – mithilfe von Filmproduzent Norbert Blecha – auch zum Quotenbringer als Schauspieler. 1997 empfahl er sich in “Hochwürdens Ärger mit dem Paradies” mit einer Nebenrolle für höhere Aufgaben. Ab dem Jahr 2000 folgte dann eine ganze Reihe von modernen Heimatfilmen mit Hinterseer in der Hauptrolle. Die Filmtitel änderten sich marginal – “Da wo die Berge sind”, “Da wo die Heimat ist”, “Da wo die Herzen schlagen” – “der Hansi” blieb jedoch immer gleich. Der bis dato letzte Film mit ihm in der Hauptrolle lief rund um seinen 60. Geburtstag im Jahr 2014 – es bleibt abzuwarten, ob auch in diesem Feld ein Comeback folgt.

Der Fels in der Brandung für Hinterseer bleibt jedenfalls seine Familie: Frau Romana und die Töchter Jessica und Laura. Eine langjährige Ehe ohne Skandale, auch im Privatleben ist Hansi ein Ausbund an Beständigkeit. Homestories bleiben Fehlanzeige, auf Social-Media übt er sich in Zurückhaltung, der ansonsten Omnipräsente hegt und pflegt seine private Oase. Im Jahr 2016 machte ihn seine Tochter Jessica zudem zum “Opa Hansi”. Das Leben des Hansi Hinterseer – es bleibt, wie er es formulieren würde, einfach “bärig”.

Von: apa

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