US-Filmproduzent DePree inspiziert Hopwood Hall

Hopwood DePree: Von Hollywood nach “Downton Shabby”

Samstag, 17. Dezember 2022 | 12:05 Uhr

Butler Carson und Lord Grantham aus der beliebten Fernsehserie “Downton Abbey” würden vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen beim Anblick von Hopwood Hall. Die Jahre haben ihre Spuren hinterlassen auf dem Landsitz aus dem 15. Jahrhundert nahe Manchester. Aber für Hollywood-Filmproduzent Hopwood DePree geht auf dem Herrensitz ein Traum in Erfüllung. Der 52-Jährige will das heruntergekommene Schloss seiner Vorfahren zu neuem Leben erwecken.

Als Kind hörte DePree oft Geschichten über einen alten Familiensitz in England, dachte aber, dies sei nur eine Legende – bis er 2013 auf einer Website für Ahnenforschung ein altes Foto eines verfallenen Backsteingebäudes im Nordwesten Englands entdeckte: Hopwood Hall.

“Meine Güte, das muss das Haus sein, von dem mein Großvater immer gesprochen hat”, habe er damals gedacht, erzählt DePree. Dies habe auch seinen ungewöhnlichen Vornamen erklärt, der über Generationen in der Familie weitergegeben wurde und der ihm oft peinlich gewesen sei. DePrees Neugier war geweckt: Er bestieg kurz darauf ein Flugzeug nach Manchester, um sich das Haus seiner Vorfahren einmal anzuschauen.

Als er in Hopwood Hall ankam, hinterließ die allgegenwärtige Geschichte der alten Mauern einen tiefen Eindruck bei ihm: Da waren die Original-Türen und -Schornsteine, und das Zimmer, in dem seine Vorfahren auf die Welt gekommen waren. Dass ihm Ratten über den Weg liefen und das Dach teilweise eingestürzt war, spielte da keine Rolle mehr.

Die Einwohner der umliegenden Ortschaften hätten ihn gewarnt, “dass das Haus in den nächsten fünf bis zehn Jahren in sich zusammenfallen würde, wenn nichts gemacht würde”, erzählt er der Nachrichtenagentur AFP. Seit Jahrzehnten schon stand es leer. Die letzten Besitzer, entfernte Verwandte von Hopwood DePree, waren gestorben, ohne Erben zu hinterlassen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen als Produktionsstätte für Uniformen genutzt und später von Mönchen übernommen.

2017 begann Depree mit der Renovierung des Landsitzes mit seinen 60 Zimmern. Seitdem ist viel passiert auf Hopwood Hall, aber wie Downton Abbey aus der gleichnamigen Adels-Serie sieht es noch nicht aus. Depree hat ein Buch über die Renovierung geschrieben, das er in Anspielung auf Downton Abbey “Downton Shabby” (“Schäbiges Downton”) genannt hat. “Ich wusste zwar, dass es ein großes Vorhaben war, hatte aber keine Vorstellung von den vielen Hindernissen und Verzögerungen – es bleibt spannend.”

39 Schornsteine werden derzeit wieder hergerichtet, zusammen mit dem Dach. Ganz dringend müssten auch die Fenster gemacht werden, erklärt DePree. “Es ist wirklich ein Wettlauf gegen die Zeit, mit dem ganzen Regen hier” – und den Fledermäusen. Aber einige Familienschätze haben Verfall und Diebstahl überlebt, zum Beispiel das Familienwappen über dem Kamin, ziselierte Holzschnitzereien und ovale Buntglasfenster.

Hopwood Hall ist ein geschichtsträchtiger Ort: So sollen etwa der Dichter Lord Byron hier Gedichte geschrieben und der Komponist Frédéric Chopin im Festsaal Klavier gespielt haben. DePrees Traum ist es, Hopwood Hall in ein Veranstaltungszentrum umzubauen. Um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen, sucht er dringend Investoren. Umgerechnet rund 11,6 Millionen Euro werden die weiteren Arbeiten kosten.

Neben privaten Spendern tragen bisher die Stiftung Historisches England und die Gemeinde Rochdale zu dem Projekt bei. Auch von der örtlichen Bevölkerung wird DePree unterstützt, denn “viele aus der Gemeinde haben eine Verbindung zu Hopwood Hall”, erklärt er. “Ihre Vorfahren haben hier gearbeitet.”

DePree hofft, das Zentrum in fünf Jahren für Konzerte, Ausstellungen und Hochzeiten eröffnen zu können. Seinen Wechsel von der Filmindustrie ins Baugewerbe bereut er nicht, nur manchmal vermisst er das kalifornische Wetter: “Wenn meine Freunde mich vom sonnigen Strand aus anrufen, und hier schüttet es mal wieder.”

Von: APA/ag.

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz