Eigentlich ist Eli Roth auf blutige Horrorfilme spezialisiert

Horror-Regisseur Roth über seinen ersten Familienfilm

Dienstag, 18. September 2018 | 17:05 Uhr

Der US-amerikanische Autor und Regisseur Eli Roth wurde zum Synonym für sogenannte “Folter-Porno”-Horrorfilme. Für seinen ersten familientauglichen Fantasyfilm mit Jack Black (49) und Cate Blanchett (49) gab ihm Produzent Steven Spielberg (71) einen Rat mit auf den Weg, so der 46-jährige Horrorregisseur im Gespräch mit der APA in Los Angeles: “Mach es unheimlich. Kinder wollen Angst haben.”

Eli Roth hat in Hollywood den Ruf eines “Folter-Porno”-Regisseurs. In dem Splatterfilm “The Green Inferno” (2013) werden die Augäpfel eines Hauptdarstellers herausgerissen, bevor er von Regenwald-Kannibalen lebendig gefressen wird. Seine populärsten Filme “Cabin Fever” (2002) und das “Hostel”-Franchise zeigen extreme Gewalt, die mit schwarzem Humor gespickt ist.

Jetzt hat der 46-jährige Regisseur und gelegentliche Schauspieler (in Quentin Tarantinos “Inglourious Basterds” spielt er einen Nazijäger) mit Hilfe von Produzent Spielberg seinen ersten unbeschwerten Gruselfilm gemacht. Viele Menschen werden es vielleicht schwer finden, einen Kinderfilm von Eli Roth zu akzeptieren, aber es lässt sich getrost sagen, dass “Das Haus der geheimnisvollen Uhren” ohne Blut und Eingeweide auskommt.

Darin hilft ein zehnjähriger Waisenjunge (Owen Vaccaro) seinem magischen Onkel (Jack Black) und dessen schrulliger Nachbarin (Cate Blanchett), einer Hexe, eine Uhr aufzuspüren, die das Ende der Welt heraufbeschwören könnte. In dem Haus, in dem sie wohnen, spukt immer noch der Geist des Vorbesitzers (Kyle MacLachlan), der nichts Gutes im Schilde führt.

Bereits zu Beginn wird deutlich, in welche Tradition der Film einzuordnen ist. Zuerst sieht man ein nostalgisches Logo des verantwortlichen Filmstudios Universal Pictures. Kurz danach wird das Logo von Steven Spielbergs Amblin Entertainment eingeblendet, eine Produktionsfirma, die seit 1981 so familientaugliche Kultfilme wie E.T. – Der Außerirdische”, “Gremlins” und “Zurück in die Zukunft” geschaffen hat.

Mit dieser Adaption von John Bellairs’ Jugendroman, von Drehbuchautor Eric Kripke (“Supernatural”) für die Leinwand adaptiert, verfolgen die Macher genau diese Art von Film. Denn “aus irgendeinem Grund werden solche Filme nicht mehr gemacht”, sagt Produzent James Vanderbilt, der glaubt, eine Marktnische gefunden zu haben in einer Filmlandschaft, die entweder Filme für kleine Kinder oder Filme für Erwachsene produziert. Aber man sollte, so sind sich alle einig, Kindern mehr zutrauen. “Gruselfilme helfen dir, Horror zu verarbeiten”, sagt Roth gegenüber der APA. “Gruselige Filme für Kinder sind wichtig, weil Kinder einen Raum brauchen in dem sie Horror auf eine sichere Weise erleben können.”

Für die Rolle der sanftmütigen Hexe konnten die Produzenten die zweifache Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett (“Blue Jasmine”) gewinnen. Ihr Co-Star, der immer liebenswürdige Komödiant Jack Black, erinnert sich noch gut an seine erste Begegnung mit der Australierin. “Es ist ein bisschen peinlich, wenn Sie eine Party mit einer Geschenktüte voller Cremes verlassen”, gesteht der US-Schauspieler. “Sie möchten nicht erwischt werden, wenn Sie Ihre Gucci-Tasche von einer Party wegtragen. Ich ging also zum Parkplatz, und dort war sie. Und ich hatte diese kleine Vorahnung in meinem Kopf, dass wir vielleicht eines Tages einen Film zusammen machen würden. Aber ich habe das natürlich nicht laut gesagt, weil das absurd wäre. Weil sie mit Daniel Day-Lewis und seinesgleichen zusammenarbeiten sollte.”

Denn Cate Blanchett ist bekannt dafür, dass sie mit ihren Rollen in schweres Gebiet eintaucht. “Ich war so nervös”, erinnert sich Black an den ersten Tag am Filmset, “und sie sagte zu mir ‘Wir werden Spaß haben, oder?!’ Als wäre das eine neue Sache für sie! Und ich war froh, denn sobald sie diese Frage gestellt hatte, entspannte ich mich und dachte mir: ‘Okay, sie will mit mir den Deppen spielen.”

Besonders wichtig waren Eli Roth die digitalen Effekte. Von erbrechenden Kürbissen und einem belebten Lehnstuhl bis zu gruseligen Automaten und Musikinstrumenten, die sich selbst spielen. “Wir hatten Zugang zu Steven Spielbergs Vorführraum, und dort konnten wir an den Effekten arbeiten”, erzählt der Regisseur. “Wir dachten uns: Was ist, wenn der Stuhl wie Christoph Waltz in ‘Inglourious Basterds’ mit dem Auge zuckt? Es sind die kleinen seltsamen Dinge, die das Ganze ausmachen.”

Der Film basiert auf dem schaurigen Jugendroman “The House with a Clock in Its Walls” von John Bellairs, den der US-Autor 1973 herausbrachte. In deutscher Sprache erschien das Buch 1977 zunächst unter dem Titel “Das Haus, das tickte”, bevor es 2000 als “Das Geheimnis der Zauberuhr” neu aufgelegt wurde. Die Produzenten besitzen die Rechte an allen zwölf Bänden und sollte der erste Teil ein Erfolg werden, stünde einem neuen Franchise also nichts im Wege.

Von: apa