Regisseurin Shrivastava (l.) wehrte sich gegen Filmzensurbehörde

Indien: Filmstart für “Lipstick Under My Burkha” nach Verbot

Freitag, 21. Juli 2017 | 12:56 Uhr

Der indische Spielfilm “Lipstick Under My Burkha” ist im eigenen Land in die Kinos gekommen – nachdem er wegen seiner Handlung aus der Perspektive von Frauen zunächst verboten worden war. Das Komödiendrama über vier Frauen, die sich heimlich gegen die einengenden Regeln ihres sozialen Umfelds wehren, lief am Freitag in zahlreichen Städten des Subkontinents an.

Der Kinostart war ursprünglich im Jänner geplant gewesen. Die staatliche Filmzensurbehörde hatte den Film aber nicht freigegeben – unter anderem mit der Begründung, er sei “lady-oriented” (Damen-orientiert) und beinhalte “ansteckende” Sexszenen.

Die Macher von “Lipstick Under My Burkha” (“Lippenstift unter meiner Burka”) um die junge Regisseurin Alankrita Shrivastava hatten Einspruch gegen diese Entscheidung eingelegt. Der Film durfte schließlich in Indiens Kinos gezeigt werden – unter einer Bedingung: Sie habe jeweils ein paar Sekunden aus mehreren Szenen schneiden müssen, in denen Sex vorkommt, sagte Shrivastava der Deutschen Presse-Agentur. Das sei ein akzeptabler Kompromiss gewesen.

Der Film beginnt mit einer Szene, in der eine junge Frau, von Plabita Borthakur gespielt, einen Lippenstift aus einem teuren Kosmetikgeschäft stiehlt, indem sie ihn in ihrem Tschador versteckt. Dann zieht sie sich um, trägt den Lippenstift auf und geht zu einem Vorsingen für eine Band an ihrer Universität. Ihre konservativen muslimischen Eltern dürfen davon nicht erfahren.

Zu den weiteren Protagonistinnen gehört eine Hindu-Frau, deren Eltern sie mit einem Mann aus der eigenen Religion verlobt haben, die aber einen muslimischen Freund hat. Es gibt außerdem eine junge Mutter, die ihrem Mann einen Job als Pestizid-Vertreterin verheimlicht, und eine ältere Frau, die heimlich erotische Romane schreibt.

Der Film wurde bereits auf vielen Festivals weltweit gezeigt und gewann einige Preise. Die Hilfsorganisation Oxfam zeichnete den Streifen beim Festival in Mumbai als besten Film über Geschlechtergleichheit aus und half seitdem, ihn zu fördern. Oxfam zufolge werden in indischen Filmen nur 25 Prozent der Sprechrollen mit Frauen besetzt. Zudem seien nur neun Prozent der Regisseure und zwölf Prozent der Drehbuchautoren Frauen.

Es gebe nicht genug Vielfalt im indischen Filmgeschäft, weil es an staatlicher Förderung mangele, erklärte Shrivastava am Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion in der Hauptstadt Neu Delhi. In den kommerziell erfolgreichen Filmen Bollywoods würden Frauen häufig nur als Objekte der Begierde dargestellt. “Wir sind es so gewohnt, diese Art von Kino zu konsumieren, dass wir gar nicht darüber nachdenken, was für ein Frauenbild wir damit aufrechterhalten”, sagte die Regisseurin und Drehbuchautorin. “In meinen Filmen werden Männer so gezeigt, wie Frauen sie wahrnehmen.”

Von: APA/dpa