Shah Rukh Khan hat viele Fans weltweit

Indiens Star Shah Rukh Khan versteht seinen Erfolg nicht

Freitag, 29. Juli 2016 | 16:30 Uhr

In Indien ist Bollywood-Schauspieler Shah Rukh Khan ein Megastar – und auch in Deutschland gibt es eine treue Fangemeinde. Junge Mädchen versammeln sich in Scharen vor dem Münchner Hotel, in dem der 50-Jährige Werbung für den deutschen Bollywood-Sender Zee.One macht. Ein Phänomen, das er selbst nicht ganz versteht, wie er im Interview sagt.

Shah Rukh Khan ist der wohl berühmteste Schauspieler der indischen Traumfabrik Bollywood, die hierzulande vor allem für ihre bunten Tanz- und Liebesfilme bekannt ist. Der 50-Jährige ist auch als Filmproduzent tätig. Seit 1991 ist er mit seiner Frau Gauri verheiratet, das Paar hat drei Kinder.

Frage: Sind Sie in Ihren Filmen lieber der Liebende oder der Kämpfer?

Antwort: Ich bin ein Kämpfer. Ich habe ja eigentlich als Bösewicht angefangen, als richtig fieser Typ. Und ich mochte diese Rollen. Aber irgendwann im Laufe der Zeit wurde ich dann zum Liebhaber. Die Wahrheit ist: Frauen wollen im Endeffekt, dass Kämpfer ihre Liebhaber sind.

Frage: Sie sind nun schon eine ganze Weile im Geschäft. Wie hat Bollywood sich Ihrer Ansicht nach verändert? Hat es sich Hollywood angeglichen? Oder ist es noch einzigartig?

Antwort: Ich denke, es ist ein Mix. Die gute Sache ist: Viele Unternehmen kommen rüber zu uns, um den geschäftlichen Teil zu übernehmen. Aber die Produzenten haben immer noch die Freiheit, kreativ zu sein und ihre Filme so zu machen, wie sie wollen. Das Studio-System hat uns viel Professionalität gebracht – vor allem, wenn es darum geht, die Filme auf den Markt zu bringen. Indische Filme haben einen sehr persönlichen Ausdruck; sie sind sehr indisch, auch wenn sie inzwischen sehr groß, sehr professionell und im Hollywood-Stil gemacht werden. Die gute Sache ist auch, dass wir inzwischen Zugang zu dieser Technologie haben – dadurch werden die Filme sogar noch besser, sie sehen besser aus. Ich denke, insgesamt ist das ein positiver Effekt. Wir haben unsere Identität behalten – haben inzwischen aber mehr Möglichkeiten. Wir haben das Business gelernt – darin ist Hollywood besser als wir.

Frage: Warum treten Sie eigentlich nicht in Hollywood-Filmen auf?

Antwort: Das fordert sehr viel Engagement. Ich kann nicht in Mumbai leben und dann immer mal wieder einfliegen, um einen Film zu drehen. Das wäre respektlos dem Job gegenüber. Wenn mir mal etwas Kleines angeboten wurde, war ich bislang nicht so begeistert, dass ich acht, neun, zehn Monate damit verbringen wollte. Es ist aber auch nicht so, dass mir da wahnsinnig viel angeboten wurde – ein paar Sachen schon, die dann andere Schauspieler gemacht haben.

Frage: Sie haben also einfach keine Lust, zehn Monate in den USA zu verbringen?

Antwort: Doch, sehr sogar. Aber ich bin ziemlich eingespannt. Wenn mir jetzt eine Rolle in einem US-Film angeboten würde, könnte ich die gar nicht annehmen, weil ich bis September 2017 mit zwei indischen Filmen ausgebucht bin. Diese zehn Monate in den USA könnten also frühestens 2018 passieren. Ich brauche also eine Vorlaufzeit von zwei Jahren. Ich kann ja nicht einfach zehn Tage vor Drehstart in Indien sagen: Ich gehe jetzt, ich fliege nach Hollywood.

Frage: Was wurde Ihnen denn angeboten?

Antwort: Andere Schauspieler haben das jetzt gemacht; es wäre nicht fair, darüber zu sprechen.

Frage: Wie kommt es eigentlich, dass Sie jetzt ausgerechnet für einen deutschen Bollywood-Sender Werbung machen?

Antwort: Ich habe eine sehr lange Verbindung mit ZEEL, dem Mutterkonzern. Und auch zu Deutschland habe ich eine Verbindung. Ich weiß nicht, ob ich das sagen darf, weil es ja die Konkurrenz ist, aber zwei Damen von RTL II haben mich mal angerufen und gesagt: Wir wollen Dich in Deutschland berühmt machen, weil Du wirklich süß und nett bist. Sie waren dann die ersten, die meine Filme hier gezeigt haben. Also war Deutschland eigentlich das erste westliche Land, das mich so sehr mochte. Wenn ich in die USA oder nach England komme, dann kennen mich dort natürlich die Leute des Subkontinentes in der Diaspora, aber ich habe nicht erwartet, dass Einheimische mich mögen. Als ich in Frankfurt gelandet bin, standen dort deutsche Jungs und Mädchen mit Blumen. Ich dachte, RTL II habe sie geschickt, um mich abzuholen – aber das waren Fans. Ich war geschockt. Deutschland ist also das erste Land, in dem ich einheimische Fans gefunden habe, die noch nicht einmal meine Sprache verstehen. Es ist ein seltsamer Zufall, dass der Sender, mit dem ich ins indische Fernsehen gestartet bin, und das Land, das mich als erstes mochte, nun gemeinsame Sache machen und einen Bollywood-Sender in Deutschland starten. Für mich ist das aber vor allem eine Entschuldigung, mal wieder nach Deutschland zu kommen. Aber ich hoffe, es funktioniert. Eine Bollywoodisierung Deutschlands wäre schön. Es bringt unsere Länder zusammen.

Frage: Was passiert, wenn Sie sich selbst im Fernsehen sehen?

Antwort: Dann schalte ich um. Das finde ich wirklich seltsam. Ich bin im echten Leben ein wirklich schüchterner Mensch und sehe mich selbst nicht gerne. Ab und zu schaue ich mir meine Filme an – aber ich bin nicht verliebt in mich, sagen wir mal so. Ich schaue amerikanisches Fernsehen – und letztens habe ich einen deutschen Film gesehen, wirklich schön. Wie hieß er noch? “Der geilste Tag” von Florian David Fitz. Toller Film.

Frage: Wenn Sie nicht wirklich verliebt in sich sind – wie erklären Sie sich dann, dass es so viele Frauen auf der ganzen Welt sind?

Antwort: Ich habe versucht, das zu analysieren, aber vielleicht ist es ganz gut, dass ich es nicht herausgefunden habe. Wenn ich den Grund kennen würde, würde ich es vielleicht ruinieren. Aber ich habe überlegt, warum ich Menschen im Theater oder im Film oder einen Rockstar mag und ich glaube, sie sind entweder völlig anders und inspirierend – wie Michael Jackson – oder sie sind ganz einfach so wie man selbst. Einer der beiden Gründe muss es sein. Ich glaube, dass die Filme, die ich mache und die Dinge, die ich sage, Leuten zeigen, dass ich einer von ihnen bin – was ich ja nunmal auch bin. Es gibt da ja keine Unterschiede. Die Leute, die das von mir denken, werden auch nicht enttäuscht, wenn sie mich dann mal treffen. Enttäuscht sind nur diejenigen, die denken, dass ich wirklich beeindruckend und inspirierend bin. Die sagen dann: Du bist so klein.

Von: APA/dpa