Anderson bei einem Konzert im Jahr 1971

Jethro-Tull-Frontmann Ian Anderson ist 70

Donnerstag, 10. August 2017 | 11:27 Uhr

Ian Anderson ist Jethro Tull. “Die Musik ist praktisch komplett und die Texte sind zu 100 Prozent von mir geschrieben”, sagte er der Musikzeitschrift “Rolling Stone”. Für mehr als 30 verschiedene Musiker war die Band nur eine Durchlaufstation, Anderson blieb als einziger seiner Band treu. Am heutigen Donnerstag feiert der Musiker, Songwriter und Manager Geburtstag und geht danach auf Tour.

“Als ich ein Teenager war, hörte ich keine laute Rockmusik”, verrät Anderson, der in Edinburgh aufgewachsen ist, dem “Rolling Stone”. “Ich hörte Jazz und Blues und Folk.” Seine Band ist so erfolglos, dass sie sich häufig umbenennt, um mehr Gigs zu bekommen. Schließlich werden sie vom legendären Marquee Club in London ein zweites Mal gebucht und der Name Jethro Tull bleibt kleben. Damit kokettiert Anderson bis heute. “Ich bin schuld am Identitätsdiebstahl und sollte dafür wirklich ins Gefängnis gehen”, sagte er dem “Guardian”. Denn Jethro Tull ist der Name eines britischen Agrarpioniers im 17. Jahrhundert, der vor allem durch seinen Kampf gegen Unkraut bekannt wurde.

Die Band wird für ihre ungewöhnliche Mischung aus Progressive Rock, Jazz, Blues und Folk bekannt und schafft den Durchbruch 1969 mit dem Bluesalbum “Stand Up”. Im April 1972 vereinigt Jethro Tull alles, was Fans jemals an Prog-Rock liebten oder hassten in einem 44-minütigen Album, das aus einem einzigen Song besteht: “Thick as a Brick”. Für viele eine Parodie des Genres, aber ein kommerzieller Erfolg. 2012 wird Anderson mit “Thick as a Brick 2” wieder darauf zurückkommen.

Doch selbst während ihrer Blütezeit zwischen 1968 und 1972 sind Jethro Tull nie eine klassische Rock’n’Roll-Band: Nach der Show gehen die Musiker in ihre Hotelzimmer und lesen noch ein Buch vor dem Einschlafen, denn um 8.00 Uhr morgens geht es wieder los. “Jüngere Bandmitglieder lernen schnell, dass es ein Job ist, keine Party”, erklärte Anderson dem “Telegraph”. Auch privat entspricht sein Leben so gar nicht dem eines Rockstars. Er unterstützt die anglikanische Kirche, ist seit mehr als 40 Jahren mit Shona verheiratet und lebt mit ihr in einem alten Landhaus mit Aufnahmestudio im Südwesten Englands.

Anderson hasst laute Rockkonzerte, nach 20 Minuten langt es ihm meistens und er geht: “Du kannst gewaltig und dramatisch sein ohne ohrenbetäubende Dezibel”, erklärte er dem “Rolling Stone”. “Symphonieorchester schaffen das sehr gut. Beethoven konnte sich nicht auf einen 200-Watt-Verstärker verlassen.” Anderson arbeitet selbst gerne mit Klassikensembles: Ende 2016 nahm er “Jethro Tull: The String Quartets” mit dem Carducci Quartett auf, teilweise im Gewölbe der Kathedrale von Worcester. Der Klassiker “Aqualung” wird zur Fuge, “Locomotive Breath” beginnt mit einem Cellosolo nach Bach. “Das hat ziemlich viel Spaß gemacht”, gestand Anderson in einem Interview mit der Plattform Eon Music.

Seit ihrem Auftritt im Marquee Club haben Jethro Tull über 30 Alben herausgebracht und mehr als 60 Millionen Platten verkauft, zudem produzierte Anderson sechs Soloalben. Nach seinem 70. Geburtstag wird er in den USA mit “Jethro Tull” touren – österreichische Fans müssen sich indes noch gedulden. Zumindest heuer sind in der Alpenrepublik keine Auftritte geplant. Zuletzt spielte Jethro Tull in Österreich 2016 auf dem Lovely Days Festival in Eisenstadt und auf der Burg Clam.

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Von: APA/dpa