Der Sänger hat sich musikalisch nicht an seinem Vater orientiert

John Lee Hooker Junior: Auftritt in Spielberg “war surreal”

Dienstag, 19. September 2017 | 12:08 Uhr

Im Leben von John Lee Hooker Junior schloss sich in Österreich ein Kreis – und die Rolling Stones waren dabei. Vor 35 Jahren habe Keith Richards, Leadgitarrist der Kultrockband, einmal seinen Vater zu Hause besucht, erzählt Hooker Jr. – diesen Moment habe er damals festgehalten – und einen Schnappschuss vom berühmten Hausherrn und dem nicht weniger namhaften Gast gemacht.

35 Jahre später habe er, Hooker Jr. (65), sein Foto Richards gezeigt. Und dann hätten sie für die Kamera posiert. “Und so wurde Geschichte geschrieben”, sagt John Lee Hooker Jr. Den Sohn von Blues-Legende John Lee Hooker holten die Stones für ihr einziges Konzert in Österreich am vergangenen Samstag als Supporting-Act – als musikalischen Einheizer. Seinen Auftritt auf dem Red Bull Ring in Spielberg beschreibt der Sänger mit Superlativen. “Es war surreal. Es war phänomenal. Es war intensiv, auf dieser riesigen Bühne vor 90.000 Menschen aufzutreten.”

Am Mittwoch (20.9.) startet seine eigene Deutschlandtour mit einem Konzert in Fürth. Im Gepäck hat John Lee Hooker Jr. sein neues Album “That’s What The Blues is All About”, das er mit seiner Band vorstellt. Ist der Mann mit dem großen Namen wenig mehr als eine Klang gewordene Reinkarnation seines schon zu Lebzeiten gefeierten Vaters? Wohl kaum, stellt Hooker Jr. selbstbewusst im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur klar. “Ich bin ein Original.” Seine Eigenständigkeit habe auch sein 2001 gestorbener Vater zu schätzen gewusst. Jazz, der Soul eines Marvin Gaye, Johnny “Guitar” Watson, Gospelmusik und natürlich Blues – all diese Einflüsse verwebe er zu einem eigenen Stil.

Und überhaupt: “Die Grammy-Akademie nimmt keine Nachahmer”, sagt Hooker Jr. mit Verweis auf zwei Grammy-Nominierungen für sein Debütalbum “Blues with a Vengeance” von 2004 und die dritte Platte “All Odds against me” aus dem Jahr 2008 an.

Der Weg zu den Achtungserfolgen war lang und steinig. Schon im Alter von acht Jahren hat der Junior zwar Live-Auftritte im Radio und tourt später mit seinem Vater durch die USA. Doch gleitet er in seiner Jugendzeit in die Drogensucht ab, reißt von zu Hause aus. Über 20 Jahre hinweg habe er auf der Straße gelebt, sagt Hooker Jr. – mal habe er in Autos geschlafen, mal unter Brücken. “Und ich wurde zweimal angeschossen. Ich wurde niedergestochen. Mehrmals war ich im Gefängnis – auch in Kanada war ich mal in Haft.”

Sein Absturz sei ein Prozess gewesen. “Man wacht nicht eines Morgens auf, und sagt sich: “Ich glaube, heute werd ich mein Leben ruinieren und anfangen, Drogen zu nehmen.”” Allerdings hätten sich seine Eltern kurz nach seinem 15. Geburtstag getrennt. Sein Vater sei damals immer unterwegs gewesen. Zwar habe er später versucht, ihm zu helfen – etwa indem er ihn auf Drogenentzug geschickt habe, erzählt Hooker Jr. Doch habe er ihm “das Herz gebrochen”, indem er immer wieder rückfällig geworden sei. Irgendwann habe es zwischen ihm und seinem Vater kein Vertrauen mehr gegeben. “Ich mache ihm keine Vorwürfe, weil ich ein Monster war.”

Die Wende, erzählt Hooker Jr., habe schließlich seine Hinwendung zum christlichen Glauben im Gefängnis gebracht. Seitdem versteht sich Hooker Jr. nicht nur als Geschichtenerzähler in bester Blues-Manier wie einst sein Vater, sondern als singender Prediger. Die besten Geschichten schreibt dabei immer noch das Leben. “Der Blues ist ein Gefühl. Der Blues ist eine Erfahrung im Leben. Und nachdem man diese mit Tränen und Emotionen durchgemacht hat, bannt der Künstler sie auf eine Platte. Daher nennt man es Blues”, sagt John Lee Hooker Jr.

Von: APA/dpa

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