Dieser Tage erscheint sein Zweitwerk "Teilzeitromantik"

Josh fragt sich: “Kennen die mich nach der Pandemie noch?”

Dienstag, 22. Juni 2021 | 08:01 Uhr

Der Wiener Musiker Josh blickt auf turbulente Jahre zurück: Mit seinem Song “Cordula Grün” gelang ihm 2018 der Durchbruch, 2019 folgten eine Amadeus-Auszeichnung und sein Debütalbum “Von Mädchen und Farben”. Und dann kam im Vorjahr die coronabedingte Vollbremsung. “Das schürte schon Ängste. Es war so viel Schwung drin”, erinnert sich der Musiker. Nicht weniger als 75 Konzerte musste er absagen. “Da fragst du dich dann schon: Kennen die mich nach der Pandemie noch?”

Die Antwort liefert er dieser Tage selber, wenn sein Zweitwerk “Teilzeitromantik” erscheint. Die Tugenden, die Johannes Sumpich bisher ausgezeichnet haben – ein hemdsärmeliger Zugang zu eingängiger Popmusik sowie ein gutes Gespür für amüsant-hintergründige Texte -, sind nach wie vor vorhanden. Musikalisch geht Josh die Sache sogar noch bunter an als bisher, lässt auch elektronische Spielereien zu und hat immer Zug zum Tor, sprich: einen wirklich gut gebauten Refrain im Angebot. Dabei hat es einige Zeit gedauert, bis die Inspiration auch gekommen ist.

“Es war schon schwierig, weil ich kein Album veröffentlichen wollte, wenn ich gar niemand treffen oder spielen kann”, blickt Josh im APA-Interview auf 2020 zurück. “Eine Zeit lang war ich wirklich fertig, inklusive Existenzängste – obwohl ich die eigentlich nicht haben müsste.”

Statt unkreativ im Studio zu sitzen, ging er dann lieber Radfahren und kochte wie ein Weltmeister. “Ich habe dadurch die Ruhe im mir selbst gefunden. Da konnte ich dann auch verarbeiten, was vorher passiert ist. Es war ja unfassbar viel in einem Jahr.”

Stimmt: plötzlicher Ruhm, ausverkaufte Hallen, Gold- und Platinauszeichnungen. Und dann ist man zum Nichtstun verdammt. Bis die Inspiration schließlich doch anklopfte im Lockdown. “Ich wollte nach zweieinhalb Monaten unbedingt wieder ins Studio, einfach singen und Musik machen. Es war wieder sehr frei. Das hat sich dann auch nicht nach Arbeit angefühlt”, so Josh.

Er und sein Team hätten die Möglichkeit genutzt, um verschiedene Dinge auszuprobieren. “Die schlechten Entscheidungen braucht es ja auch”, schmunzelt er. “Wenn du immer im Stress bist, ist das viel schwieriger. Deswegen freut es mich, dass es nun nach Musik klingt, die sehr handgemacht ist, aber trotzdem frisch auf den Ohren.”

Die Unsicherheiten, die Corona mit sich brachte, mussten dafür zur Seite geschoben werden. “Man glaubt schon, dass man einfach das Pech seines Lebens hat. Da gab es wirklich Tränen und alles”, überlegt Josh. “Du hast das Gefühl, wenn du jetzt nicht am Ball bleibst… aber Gott sei Dank war das nicht so.” Als Künstler habe er einfach “Bock gehabt, Musik zu machen”. Eingerichtet hat er sich dafür sogar im Haus seiner verstorbenen Uroma. “Sehr rustikal dort”, grinst der Sänger und Gitarrist. “Aber es war vollkommen egal, was rauskommt. Hauptsache, ich habe wieder ein Instrument in der Hand. Und schwuppdiwupp, hatte ich in vier Tagen drei Songs für das neue Album. Es ging plötzlich wieder, weil die Leichtigkeit da war.”

Eine Prämisse für die Arbeit an “Teilzeitromantik” sei gewesen: “Es gibt nichts, was ich nicht darf. Ich kann machen, was ich will”, erzählt Josh mit einem Leuchten in den Augen. “Ich habe einfach gemerkt, wie toll es ist zu sagen: Es gibt nicht die Regel, dass es immer so oder so sein muss. Es gibt gar kein Müssen!” Und so ist der Opener “Desillusioniert” im 80er-Fahrwasser unterwegs, besticht “Ring in der Hand” mit markanter Rhythmik und verbindet “Kein Eis” Synthiesounds mit rockigem Gestus. Und das von einem Teilzeitromantiker? Josh grinst: “Ich bin schon Romantiker, aber nicht mit Rosen aufs Bett streuen. Für mich ist die ganz große Romantik das, was nicht kitschig ist. Und manchmal gibt es halt Tage, an denen man grantig ist. Ein bisserl ein Wiener halt.”

Dass es aber nicht immer ein Schmäh sein muss, zeigt beispielsweise “Meer im Herbst”, eine nachdenklich stimmende Nummer, in der Josh das Meer fragt, ob es auch hin und wieder depressiv ist. “Das kommt halt aus den Stimmungen heraus. Fühlt sich das Meer im Herbst so wie ich nach einem Riesenkonzert, wenn ich dann alleine im Hotelzimmer sitze? Damit muss man umgehen lernen. Du kannst unfassbar depressiv werden mit diesem Spiel, wenn es rauf und runter geht”, spricht Josh über die Schattenseiten des Erfolgs. “Und da kann man noch so oft sagen, man lässt es nicht heran an sich. So was lernt dir im Musikstudium keiner.”

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E – www.joshsmusik.at)

Von: apa