Heitere bis ernste Schilderung des Heranwachsens

Jugend in Osttirol: Moser-Sollmanns “Ohne Wham! und Abba”

Mittwoch, 02. Dezember 2020 | 06:19 Uhr

“Ohne Wham! und Abba” ist der dritte Roman des Wiener Autors Christian Moser-Sollmann. Der gebürtige Osttiroler zeichnet dabei Erlebnisse und Eindrücke eines in den frühen 1990ern in Lienz und Umgebung heranwachsenden Jugendlichen nach, was insgesamt sein wohl bisher bestes Werk ergibt – in jedem Fall aber das flotteste und witzigste, dem es dennoch nicht am nötigen Ernst und Tiefgang mangelt.

Die Hauptfigur des Romans ist ein junger Mann namens Romed – ein Vorname, der wohl nur aufmerksamen Verfolgern des Ski-Weltcups bekannt ist -, der Leserinnen und Leser als Ich-Erzähler auf eine abenteuerliche Reise durch sein schulisches Abschlussjahr samt Matura sowie die anschließenden Sommerferien mit Ferialjob beim Lienzer Wasserwerk und schließlich den Zivildienst mitnimmt. Das sind freilich nur die “beruflichen” Eckdaten in der beschriebenen Teilbiografie, denn vordergründig geht es um Partys, Alkohol und Mädchen – sowie um Musik, wie ja der Titel schon nahelegt. Dinge also, die im Leben von jungen Männern meist die Hauptrolle spielen und dabei häufig ineinandergreifen – oft zum Leidwesen der Eltern, die sich mehr Fokussierung auf den anzustrebenden weiteren Ausbildungs- und Berufsweg wünschen.

Die Beschreibungen so mancher Exzesse und der verbissenen Jagd Romeds nach dem “ersten Mal” sind unterhaltsam formuliert und evozieren bei der Lektüre eigene Jugend-Erinnerungen. Wenn Romed, der mit seinen Freunden Musik abseits des Mainstreams hört, mit ebendiesen abends loslegt, ist der Ausgang und der Zustand am nächsten Vormittag höchst ungewiss. Nach und nach entsteht dabei aber eine für das beschauliche Osttirol ungewöhnliche Subkultur, denn neben musikalischen setzen Romed und Co. auch modische Akzente.

Mit seinen Interessen steht der junge Mann dann aber beim Zivildienst alleine da. Völlig entgegen seiner angegebenen Wünsche wird er der Rettungs-Station in Kitzbühel zugewiesen, wobei es ihm als “Entwicklungshilfe” verkauft wird, dass er als provinzieller Osttiroler in einem Nordtiroler Nobelskiort zu Werke gehen “darf”. Probleme sind da vorprogrammiert und bleiben auch nicht aus. In diesem Teil des Romans wird es hintergründiger – der herablassende und präpotente Umgang der Nordtiroler mit dem “Anhängsel” zwischen Kärnten und Italien, das ja diese Provinz nicht einmal gewollt habe, ist ebenso ein wiederkehrendes Thema wie die konservative Grundhaltung so mancher Vertreter der Erwachsenengeneration, die sich mit den Interessen und Vorlieben eines umtriebigen Heranwachsenden so gar nicht vertragen will. Exemplarisch wird das in folgendem Zitat ausgeführt, in dem der Ich-Erzähler seine Gedanken zusammenfasst, nachdem er von einer Bekannten seiner Mutter beim ausufernden nächtlichen “Abbauen überschüssiger Energien” beobachtet und zur Rede gestellt wurde: “Nicht einmal beim Rumpöbeln hat man seine Ruhe! Immer und überall wird man überwacht, von Eltern, von Lehrern, von selbsternannten Tugendwächtern, von Aktivisten des Alpenvereins, nirgendwo kann man ungestört seinen destruktiven Energien freien Lauf lassen.”

Dass gegen Ende der Erzählung ein Studium in Wien am Horizont erscheint, von dem sich der Jüngling nicht zuletzt ein Entkommen aus der Provinzialität verspricht, lässt auch den Schluss zu, dass der Autor autobiografische Erinnerungen eingearbeitet hat. Immerhin ist er in der beschriebenen Region aufgewachsen, war Zivildiener und lebt seit den frühen Neunzigern, als er sein Studium begann, in Wien.

Von: apa

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