Songs mit Hand und Fuß

Jugo Ürdens überzeugt auf Debütalbum

Dienstag, 02. Oktober 2018 | 09:21 Uhr

Nicht selten wird er als “schönster Mann von Wien” bezeichnet, doch eigentlich will Jugo Ürdens ja nur rappen. Klar, der junge Musiker spielt mit der medialen Aufmerksamkeit, mit Klicks und Likes im Social-Media-Universum. Vor allem aber haben seine Songs Hand und Fuß, wie nun das Debütalbum “Yugo” bestätigt. Dabei kommen die Ideen, ganz klassisch, “unter der Dusche oder am Klo”.

Bei diesem Satz muss Jugo herzhaft lachen. “Aber da kommen nun mal die einzelnen Fetzen daher”, erklärt er im APA-Interview die ersten Schritte seines Kreativprozesses. “Dann entsteht der erste Part, der ganz gut geht. Aber beim zweiten Part sitzen wir dann immer gemeinsam.” Dabei zeigt er auf seinen Kollegen Einfachso, der ihn im Gespräch wie auch auf der Bühne gut und gerne unterstützt. “Da muss ich immer nachhelfen”, wirft er grinsend ein. Und Jugo nickt: “Voll, aber das ist auch umgekehrt so.”

Entstanden ist “Yugo” nun im Verlauf von mehreren Monaten. Gewartet haben die Fans aber schon sehnsüchtig, spätestens seit vor gut zwei Jahren der Track “Österreicher” mit viel Wortwitz und einem knackigen Beat daher kam, so ganz nebenbei mit einigen Klischees aufräumend. Auf dem Album sucht man danach vergeblich, dafür drängen sich potenzielle Hits wie “Allein”, “Yugo” oder “Ich versteh’s nicht” nach vorn. “Es gibt treibende Sachen, ein paar ruhigere und melancholische Stücke”, bilanziert Jugo die Bandbreite. “Aber es sind auch Songs drauf, die nicht so ein geiles Gefühl vermitteln, dabei trotzdem auf etwas Treibendem funktionieren.”

Soundtechnisch reiht er sich ein in die Riege neuer Rapstars, mit einer Fokussierung auf das Wesentliche und oft sehr minimalistischer Produktion, ohne aber direkt ins höchst aktuelle Fach Cloudrap abzudriften. “Wo ich mich sehe, das kann ich gar nicht sagen. Eh schon ein bisschen in der neuen Generation von Leuten, aber auch nicht genau das. Ich glaube, ich mache schon etwas komplett anderes als ein Yung Hurn oder ein Rin. Aber es geht natürlich in diese New-Wave-Richtung. Trotzdem ist das Album sehr Sample-basiert, es ist sehr viel Hip-Hop drin.”

Textlich gebe es natürlich “ein paar Representer”, wird das eigene Leben stilisiert und in die Auslage gestellt. Aber auch persönliche Dinge finden sich, etwa im Song “Vater”. “Vielleicht kommen diese Tracks sogar ein bisschen zu früh”, überlegt Jugo, “aber sie lagen mir auf der Seele und mussten raus. Es ist einfach viel drin, was im eigenen Kopf und der näheren Umgebung passiert.” Natürlich überlege er, wie viel er preisgibt. “Aber ich wollte einfach greifbarer werden, ich möchte mich im Spiegel anschauen können”, beschreibt Jugo sein künstlerisches Selbstverständnis. “Natürlich werden diese Dinge überspitzt, aber den Kern muss man wahren. Von daher waren keine Grenzen da, was zu persönlich ist und was nicht.”

Die Platte soll außerdem das “Ausländer-Klischee” – der Musiker wurde in Mazedonien geboren und lebt seit seinem siebenten Lebensjahr in Wien -, das er gewissermaßen mit “Österreicher” selbst aufs Tapet gebracht hat, beenden. Zu oft werde er darauf reduziert. “Dann heißt es: Du bist Ausländer, wie ist das mit der FPÖ, was hältst du von der Politik? Da versuche ich immer so diplomatisch es geht zu antworten. Aber ganz ehrlich: Ist doch scheißegal, was ich davon halte! Ich mache etwas anderes, ich mache nicht Politik. Aber gut, ich habe das losgetreten mit dem Österreicher-Ding, jetzt muss ich damit leben.”

Spätestens mit dem Album sollte jedenfalls das Festlegen auf diesen einen Track endgültig ad acta gelegt werden können. Druck, dass es schneller kommen hätte sollen, hat Jugo nicht wirklich verspürt. “So kann man außerdem mitwachsen”, spricht er über die Erfolge, die er in den vergangenen Monaten eingefahren hat. “Aber ich will nicht lügen, natürlich wäre ich gerne auf einem Yung-Hurn-Level. Es ist echt bedingungslos, was der macht. Man selber ist zufrieden, aber dann auch wieder nie zufrieden.”

Der Anspruch, an sich selbst zu arbeiten, an den Songs zu basteln und zu tüfteln, sich stetig zu verbessern: das hat Jugo Ürdens zuletzt stets ausgezeichnet. Auch er selbst glaubt, dass die Qualität der Songs im Vergleich zu seinen ersten musikalischen Gehversuchen mittlerweile eine andere ist. “Ich will mein Album ja nicht groß reden, aber da sind schon ein paar coole Sachen dabei. Man wird raushören, was gerade so passiert in der Welt.” Dem habe er seinen “eigenen Schliff” verpasst.

Und um heutzutage als Musiker zu reüssieren, braucht es natürlich auch das Streaming. Während andere ganz bewusst dafür produzieren, wollte sich Jugo darüber nicht wirklich Gedanken machen. “Das Management redet dann davon, und ich denke mir nur: Halt’s Maul”, lacht er. “Hör dir diese Deutsch-Rap-Playlists an, da läuft doch quer durch die Bank ein Beat und ein Refrain durch. Das Anbiedern muss nicht sein aus meiner Sicht. Natürlich, man ist am Zahn der Zeit, und dadurch hört sich einiges wohl ähnlich an. Aber all das nur für die Streams? Da habe ich lieber wenig Streams, aber dafür etwas Organisches.” Mit “Yugo” hat er nach dem Hype jedenfalls abgeliefert – und das ist schon ziemlich ordentlich.

Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA

INFO: Albumrelease-Konzert am 11. Oktober im Wiener Werk, auf Tour am 5.12. in Salzburg, 13.12. in Wien und 16.12. in Graz; www.facebook.com/jugouerdens

Von: apa