Iglesias brauche das Singen, "um weiterleben zu können"

Julio Iglesias feierte kurz vor 75. Geburtstag ein Comeback

Montag, 24. September 2018 | 16:04 Uhr

Julio Iglesias hielt seine Fans lange in Atem. Der Spanier war nach einem Konzert im Dezember 2016 untergetaucht. Es gab große Sorgen und unzählige Gerüchte. Der Gesundheitszustand von Iglesias sei “besorgniserregend”, berichtete der TV-Sender “Telemadrid” Ende August. Kurz vor seinem 75. Geburtstag am Sonntag, den 23. September, feierte Iglesias vergangene Woche aber ein Comeback.

Vor rund 5.000 Menschen in der ausverkauften Istiqlol Palace Concert Hall in Taschkent (Usbekistan) startete der Sänger am 10. September eine Welttournee anlässlich seines 50-jährigen Karrierejubiläums. “Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie es ist, nach zwei Jahren wieder auf der Bühne zu sein”, schrieb der Superstar auf seiner Webpage. Es sei “wundervoll”. “Dank der Stärke meines Herzens und meines Geistes.”

Das Mikrofon will der Inbegriff des Latin Lovers auch im Pensionsalter nicht an den Nagel hängen. “Ich habe beschlossen zu singen, bis ich 90 bin”, sagte er mehrfach. Er brauche das Singen, “um weiterleben zu können”. Live-Konzerte bezeichnete er als “eine Sucht, für die es kein Gegenmittel gibt”. Nach dem Konzert in Taschkent, bei dem Hits wie “Hey!”, “Me va, me va” oder “Careless Whisper” nicht fehlen durften, wird Iglesias seiner Sucht zunächst im Oktober bei Auftritten in Dubai (1. und 2.), in Tel Aviv (6.) und Moskau (17.) frönen. Eintrittskarten gibt es trotz deftiger Preise zwischen 100 und 600 Euro kaum noch.

Der erfolgreichste spanischsprachige Sänger aller Zeiten, der aber auch auf Deutsch, Englisch, Portugiesisch und in vielen anderen Sprachen sang, hat weltweit an die 300 Millionen Alben verkauft und ist im Guinness-Buch der Rekorde. Er erhielt laut Sony Music mehr als 2.600 Platin- und Gold-Auszeichnungen und hat einen eigenen Stern auf dem legendären “Walk Of Fame” in Hollywood. Neben vielen anderen Auszeichnungen wurde er 2007 zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt. Er sang mit Musiklegenden aller Couleur wie Frank Sinatra, Placido Domingo, Stevie Wonder, den Beach Boys, Diana Ross, Willie Nelson und Sting.

Dabei hatte der am 23. September 1943 als Sohn eines Gynäkologen geborene Madrilene Julio José Iglesias de La Cueva mit der Musik lange Zeit überhaupt nichts am Hut. Er träumte als Teenager von einer großen Karriere als Fußballtormann. Das Zeug dazu hatte er: Er glänzte in den Jugendmannschaften von Real Madrid und war kurz vor seinem 20. Geburtstag auf dem Sprung ins Profiteam, als ein schwerer Autounfall seine Fußballkarriere beendete – und sein weiteres Leben entscheidend prägen sollte.

Iglesias war nach dem Unfall 20 Monate lang halb gelähmt. Er brachte sich in dieser Zeit selbst das Gitarrespielen bei, schrieb erste Lieder. “Die Musik hat mir geholfen, wieder gesund zu werden.” Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus hatte er die Tormannhandschuhe und das Jus-Studium längst vergessen. Er tingelte zunächst lange in Madrid und London von Lokal zu Lokal. Der große Durchbruch gelang ihm nach drei Jahren, als er als unbekannter Newcomer 1968 beim Festival von Benidorm im Süden Spaniens gewann. Nach einem 4. Platz beim Eurovision Song Contest 1970 in Amsterdam ging es steil bergauf.

Heute ist Iglesias allerdings in Ländern wie Russland, Mexiko und China viel beliebter als in seiner spanischen Heimat, wo er nur noch sehr selten auftritt und von vielen als Schnulzensänger belächelt wird. Er fühlt sich daheim zu Unrecht verkannt, betont aber: “Die Kritik macht mich stärker, genauso wie (Fußballstar) Ronaldo.”

Aus der Ehe mit der philippinischen Diplomatentochter Isabel Preysler (1971-1979) stammen die Kinder Chabeli, Julio José und Enrique. Letzterer hat als Herzensbrecher und Dance-Pop-Weltstar (“Bailando”) wohl die Gene seines Vaters geerbt. Mit dem 22 Jahre jüngeren niederländischen Ex-Model Miranda Rijnsburger, mit dem Iglesias seit 1992 zusammenlebt und seit 2010 verheiratet ist, hat der ständig braungebrannte Sänger fünf weitere Kinder.

Temperament und Sinnlichkeit sind immer noch die Markenzeichen des Frauenhelden – aber als mehrfacher Großvater lässt es Iglesias inzwischen deutlich ruhiger angehen. “Früher hatte ich auf Flügen mit der Stewardess geflirtet, aber jetzt achte ich eher auf die Wetterlage, denn ich habe große Angst vor Turbulenzen”, sagte er vor einigen Jahren. Er verbringt in seinem Haus in Miami im US-Staat Florida nach eigenen Angaben viel Zeit mit der Familie und schwimmt wegen seiner Rückenprobleme jeden Tag.

Für neue Spekulationen sorgte der Spanier jüngst selbst: Er arbeite an Memoiren, bei denen er “vieles enthüllen” werde, “was niemand weiß”, sagte er im vergangenen Jahr der Zeitung “El Periódico”. “Das wird ein starkes Buch”, versprach er.

Von: APA/dpa

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