Jutta Speidel genießt ihr Leben

Jutta Speidel wird 65

Dienstag, 26. März 2019 | 13:21 Uhr

Eigentlich ging Jutta Speidel 1969 noch zur Schule. Doch das Filmset war spannender. Gerade 15 Jahre war sie alt, als sie ihren ersten Kinofilm drehte: Die Komödie “Pepe der Paukerschreck”. Am 26. März feiert Speidel, die seitdem in mehr als 150 Filmen mitspielte, ihren 65. Geburtstag.

In “Pepe der Paukerschreck” hatte Speidel noch eine Statistenrolle inne, doch weil sie direkt hinter dem damals schon berühmten Hansi Kraus saß, wurde die Filmbranche auf sie aufmerksam und aus dem Mädchen wurde eine richtige Schauspielerin. Rund 50 Jahre ist das her, “unfassbar”, findet Speidel, ist aber gleichzeitig dankbar. “Das Tolle ist, dass ich diesen Beruf so jung und in so einer Aufbruchphase kennenlernen durfte”, sagte die Münchnerin der Deutschen Presse-Agentur in München.

In mehr als 150 Filmen spielte Speidel, etwa 1979 in Rainer Erlers Thriller “Fleisch”, in der Serie “Alle meine Töchter” (ab 1995) oder 2012 in der Romanze “Wir haben gar kein Auto” mit ihrem damaligen Lebensgefährten Bruno Maccallini. Lob bekam sie auch 2016 für die Komödien “Fanny und die geheimen Väter” und “Fanny und die gestohlene Frau”. Publikumsrenner wurde 2002 die ARD-Serie “Um Himmels Willen”, bis heute Quotengarant für das Erste.

Als Klosterschwester Lotte musste sie darin den intriganten Bürgermeister Wöller (Fritz Wepper) in seine Schranken weisen. 2006 stieg Speidel aus. Die Tendenz der Serie habe sich verändert: “Ich bin angetreten, um Frauengeschichten zu erzählen, und es wurden Bürgermeistergeschichten”, sagte sie im Filmporträt aus der Reihe “Lebenslinien”.

Zum Alter hat die Schauspielerin ein entspanntes Verhältnis. “Ich finde das schön, dass ich wieder ein Jahr älter geworden bin und dass es mir so gut geht”, meint sie. An alte Zeiten denkt sie aber gerne zurück, etwa an den Dreh zur TV-Serie “Drei sind einer zuviel” von 1977. Damals kam sie mit ihrem Kollegen Herbert Hermann zusammen, bis 1982 waren sie ein Paar. “Wir haben ja geflirtet ohne Ende, heute ist es beim Film total langweilig, wann ist schon mal eine Party anschließend?”, erinnert sie sich in “Lebenslinien”. “Und logisch, du hast dich immer in irgendeinen verknallt.”

Trotz ihrer Berühmtheit und vieler Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz, ist Speidel bodenständig geblieben. Und sie hat kein Verlangen danach, sich jünger zu machen. “Heute bist du eine Ausnahmeerscheinung, wenn du Falten im Gesicht hast”, erklärt sie im BR Fernsehen. “Bei mir passt wenigstens alles von Kopf bis Fuß zusammen, weil alles altert und das ist schön.”

Was Speidel nicht gut kann: Herumsitzen und tatenlos zusehen. Sie liebe es, Dinge anzuschubsen und etwas zu bewirken. So gründete sie 1997 den Verein “Horizont für obdachlose Kinder und ihre Mütter”, der mit Spenden finanziert wird. Der damalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude hielt das erst für eine “absurde Schnapsidee”, wie er im Film “Lebenslinien” sagt. Der Aufwand. Die Zeit. Und das Geld für einen Hausbau, mitten in München. Doch er hatte nicht mit Speidels Entschlossenheit gerechnet. “Es ist vollkommen sinnlos, der Jutta etwas ausreden zu wollen”, so seine Erkenntnis.

Mittlerweile hat die Organisation zwei Häuser. Frauen und Kinder bekommen Unterkunft und Hilfen, um in ein selbstbestimmtes Leben zurückkehren zu können. “Viele der Frauen sind durch private Qualen gegangen, das ist oft der Grund, warum sie lieber Obdachlosigkeit und Flucht bevorzugen, als noch länger in so einer Hölle zu leben”, erklärt Speidel, die selbst regelmäßig mitarbeitet. Gesellschaft, Wirtschaft und Politik hätten auf diesem Gebiet weitgehend versagt. Ihr Ansatz: “Wir fördern unsere Bewohnerinnen, aber wir fordern auch und sagen, du kriegst nicht alles auf dem Silbertablett serviert.”

In ihren Geburtstag will sie reinfeiern, mit Freunden und Familie. Ein Zusammenhalt, der ihr wichtig ist, vor allem mit ihren beiden Töchtern und ihrem zweijährigen Enkel. Mit ihm könne sie die Welt neu entdecken. “Ich genieße es, wenn ich ihn mal haben darf”, schwärmt sie. “Er ist hinreißend.” Für den Geburtstag selbst hat sie noch keine Pläne. “Da werde ich die vielen Telefonate entgegennehmen!”

Ans Ausruhen denkt die Schauspielerin noch lange nicht. “Ich bin bei Gott noch nicht beim alten Eisen in diesem Beruf, ich habe ganz viele Pläne.” Sie hofft auf einen schönen Sendeplatz für den ARD-Film “Club der einsamen Herzen”, in dem sie mit Hannelore Elsner und Uschi Glas ein Freundinnen-Trio spielt. Ende April steht sie auch wieder auf der Bühne der Komödie im Bayerischen Hof in München, im turbulenten Stück “Sommerabend”. “Man soll die Dinge, die einem am Herzen liegen, jeden Tag lieben und genießen”, beschreibt Speidel ihr Lebensmotto. “Und dankbar sein, dass man sie leben darf.”

Von: APA/dpa

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