Steinbergers Weg zum Ruhm war ein steiniger

Kabarettlegende Emil Steinberger ist 85

Samstag, 06. Januar 2018 | 10:03 Uhr

Die Schweizer Kabarettlegende Emil Steinberger ist 85: Am Samstag feiert der Humorist Geburtstag, der mit seiner zeitlosen Figur des “Emil” im gesamten deutschsprachigen Raum zu Lachtränen rührte, seit er 1964 mit “Emil und die 40 Räuber” das erste erfolgreiche Soloprogramm auf die Bühne stellte. Zuletzt war Emil Steinberger bis November 2017 mit “Emil – No Einisch!” unterwegs.

Er habe nicht lange überlegen müssen, dass “Emil” der richtige Name sei für komische Charaktere, schreibt der Kabarettist auf seiner Homepage. Neben “Emil und die 40 Räuber” erarbeitete er mit seinem Schulfreund Armin Beeler auch die beiden Folgeprogramme “Emils Neid-Club” und “Onkel Emils Hütte”. Steinberger trat in den Anfangsjahren in Luzern im Speisesaal des Hotel des Balances auf. 1967 gründete er mit seiner ersten Frau Maya die Kleinkunstbühne Kleintheater. Den Durchbruch feierte er dort mit “Geschichten, die das Leben schrieb” und “E wie Emil”.

Einfach war der Karrierestart für Steinberger nicht, obwohl in seiner Familie viel gelacht worden war. Die Eltern fanden die Berufswahl Kabarettist nicht lustig. Es habe traurige Monate gegeben, weil seine Eltern kein Sensorium gehabt hätten dafür, dass er auf der Bühne spiele, sagte er im Radiointerview. Steinberger hatte zunächst neun Jahre bei der Post gearbeitet. In jenen Jahren entdeckte er seine Liebe für die Bühne. Dann gab er seine Beamtenstelle auf, um Grafiker zu werden. Für die Eltern sei es ein Schock gewesen, dass er fünf Jahre die Schule besuchen wollte mit Leuten, die lange Haare und Bärte trugen, erinnerte er sich später.

Unterstützung erhielt Steinberger in den Anfangsjahren vor allem von Franz Hohler. Der drehte 1972 mit Steinberger “Emil auf der Post”. Steinberger spielte auch später in mehreren Filmen mit, der bekannteste ist Rolf Lyssys “Die Schweizermacher” von 1978, einer der erfolgreichsten Schweizer Filme überhaupt.

Am populärsten blieb allerdings Steinbergers “Emil”, den es auf Schallplatte, im Radio, im Fernsehen gab. Jugendliche spielten an Familienfeiern bekannte Sketches nach. 1977 tourte “Emil” mit dem Zirkus Knie durch die Schweiz, war aber auch in Deutschland und Österreich erfolgreich und gewann in der Romandie auf Französisch sein Publikum.

1980 startete er mit “Feuerabend” sein letztes “Emil”-Programm. 1987 stoppte er seine “Emil”-Karriere: Im Theater von Meziere gab er – ohne dass es jemand wusste – seine “letzte” Vorstellung. Steinberger war damals 54 Jahre alt. 1989 kam es zur Scheidung zwischen Steinberger und seiner Frau Maya. Von 1993 bis 1999 lebte er in New York. In der Anonymität wollte der Schweizer Prominente als Nobody leben. Dort heiratete er seine zweite Frau Niccel Kristuf.

1999 kehrte Steinberger mit “Drei Engel” auf die Bühne zurück, ein Bühnenprogramm, das ursprünglich nur eine Lesung sein sollte. 2013 beschenkte er zu seinem 80. Geburtstag seine Fans in Luzern mit dem “Emil”-Klassiker-Programm “Lachzig”: Der größte Saal der Stadt mit 1.700 Sitzplätzen war in 45 Minuten ausverkauft.

2015 folgte mit “Emil – No einisch!” ein “Emil”-Programm mit alten und neuen Nummern. Mit “Emil – Encore une fois!” brachte der Luzerner, wie die Tageszeitung “Le Temps” Anfang 2017 berichtete, auch die Säle der Romandie noch einmal zur Eruption. Aber auch in der “Emil”-losen Zeit blieb Steinberger präsent. Er publizierte Bücher sowie Werbespots für Marken, die genauso typisch schweizerisch waren wie er selbst.

Von: APA/ag.