Kevin Hart sagte als Oscar-Moderator ab

Kein Moderator, aber ein großer Favorit bei Oscar-Verleihung

Freitag, 22. Februar 2019 | 11:33 Uhr

Die Diskriminierung von Schwarzen in der Filmbranche und die #MeToo-Debatte hatten die Oscar-Verleihungen der letzten Jahre überschattet – und auch dieses Jahr kommt die Preisverleihung nicht zur Ruhe. Der Moderator für die Gala am 24. Februar fiel nach einem Proteststurm wegen homophober Äußerungen aus, auch gab es Streit über Pläne, die Preisverleihungen in vier Kategorien auszulagern.

Zudem beschäftigt die Filmbranche der Kulturwandel durch Streamingdienste wie Netflix. Dessen Produktion “Roma” ist Top-Favorit der diesjährigen Oscar-Verleihung.

Eigentlich sollte der US-Komiker Kevin Hart durch die diesjährige Gala führen. Nach dem Entrüstungssturm, den seine früheren Twitter-Äußerungen gegen Homosexuelle ausgelöst hatten, machte er Anfang Dezember aber einen Rückzieher.

Die Oscar-Verleihung hat damit erstmals seit drei Jahrzehnten keinen Moderator. Doch der Sender ABC, der die Gala ausstrahlt, sieht darin eine Chance. Bei der 91. Verleihung der begehrten Filmpreise sollen nun verschiedene Hollywood-Stars in die einzelnen Show-Abschnitte einführen. Die Gala solle dadurch “mehr Tempo” gewinnen und nicht mehr den Rahmen von drei Stunden sprengen, erklärte der Sender.

ABC macht Druck, weil die Zuschauerzahlen bei der Oscar-Gala in den vergangenen Jahren drastisch gesunken sind. Damit hing auch die Ankündigung der Oscar-Akademie zusammen, die Verleihung der Preise in den Kategorien Beste Kamera, Bester Schnitt, Beste Maske und Frisuren sowie Bester Kurzfilm nicht live im Fernsehen zu übertragen.

Dagegen wandten sich in einem offenen Brief an Academy-Präsident John Bailey mehr als 40 Top-Kameraleute und Regisseure, darunter Quentin Tarantino und Spike Lee. Sie empfanden es als “Beleidigung” der Betroffenen, dass ihre “wesentlichen” Bereiche des Kino-Handwerks ausgelagert werden sollten. Die Oscar-Akademie machte die Entscheidung schließlich rückgängig und erklärte, die Preisverleihung in den betreffenden Kategorien werde “in unserem traditionellen Format” gezeigt.

Auch der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón hatte sich dafür stark gemacht. Sein Wort hat Gewicht, denn mit zehn Nominierungen – darunter für den besten Film und die beste Regie – gilt sein autobiografisch geprägtes Drama als Top-Favorit der diesjährigen Verleihung.

In dem Schwarz-Weiß-Film geht es um eine mexikanische Mittelschichtfamilie in den siebziger Jahren und ihre Hausangestellte Cleo. Sie wird von der Mexikanerin Yalitza Aparicio verkörpert, die sich für ihre schauspielerische Leistung Hoffnungen auf einen Oscar als beste Hauptdarstellerin machen darf.

Bereits Anfang Januar wurde “Roma” bei den Golden Globes für den besten fremdsprachigen Film und die beste Regie ausgezeichnet. Diesen Monat gewann “Roma” bei den britischen Bafta-Filmpreisen erneut in mehreren Kategorien, darunter überraschend auch in den Königskategorien bester Film und beste Regie.

Für Netflix ist “Roma” schon jetzt ein enormer Achtungserfolg. Denn die Filmbranche ringt noch mit sich, wie sie mit Filmen umgehen soll, die nicht für die Kinos, sondern für Streamingdienste und damit für das Filmvergnügen daheim produziert werden. Auch an “Roma” verdienten die Kinos kaum etwas, weil der Film nur in wenigen Lichtspielhäusern gezeigt wurde.

Ebenfalls für zehn Oscars nominiert ist der Historienfilm “The Favourite – Intrigen und Irrsinn” des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos. In jeweils acht Kategorien treten der Musikfilm “A Star Is Born” mit Lady Gaga in der Hauptrolle und “Vice – Der zweite Mann” über den früheren US-Vizepräsidenten Dick Cheney an.

Der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck kann sich mit seinem Künstler-Drama “Werk ohne Autor” Hoffnung auf seinen zweiten Oscar nach der Auszeichnung 2006 für “Das Leben der Anderen” machen. Die Konkurrenz in der Kategorie bester fremdsprachiger Film ist allerdings stark. Es wird also wieder spannend in der Oscar-Nacht.

Von: APA/ag.