Schilderungen aus dem "echten" Polizisten-Leben

Kieberer-Erinnerungen: “Es war nicht wie im Fernsehen”

Donnerstag, 10. Dezember 2020 | 15:18 Uhr

Das Leben eines “Kriminesers”, wie Kriminalbeamte zumindest in Wien und Umgebung genannt werden, ist nicht unbedingt mit jenem zu vergleichen, das man von den “Tatorten” der TV-Krimis zu kennen glaubt. Das heißt freilich nicht, dass es langweilig wäre, wie der Kriminalpolizist Fritz Kumhofer in seinem Buch “Es war nicht wie im Fernsehen” klar macht. Im Gegenteil: In rund viereinhalb Jahrzehnten als “Kieberer” sammelt sich so einiges an Episoden und Erlebnissen an.

In dem im Wiener Dachbuch-Verlag erschienenen Buch erzählt der 59-jährige Kumhofer aus dem Nähkästchen – von “Giftlern”, “Rotlicht-Baronen”, “Hendeldieben” und vielen weiteren “Helden” der Wiener Unterwelt. Und auch davon, dass man als Polizist so manchen “Deal” mit einigen dieser Kleinganoven aushandeln muss(te). Der “Kieberer” selbst war in Wien-Leopoldstadt, Floridsdorf, aber eine Zeitlang auch in Traiskirchen im Einsatz, weshalb er auch über einige Erfahrungen mit dem Asylwesen berichten kann. Aktuell ist Kumhofer in der Personen- und Sachfahndung des Schengenraums tätig.

Schlichte Fakten, wie man sie womöglich aus den Zeitungen kennt, erhalten in seiner Darstellung Authentizität und Lokalkolorit. Verbotene Kartenspiele und der Umgang mit diesen gehören ebenso zum auf knapp 160 Seiten Geschilderten wie etwa fehlgeleitete Schüsse aus Luftdruckgewehren von experimentierenden Jugendlichen oder das Schicksal eines “Burenhäutelstrizzis”. Wer mit letzterem Begriff nichts anfangen kann, wird in einem Glossar am Ende des Buchs aufgeklärt. Dort erfährt man auch, was ein Zund ist, dass “die Liesel” auch etwas anderes sein kann als nur die Koseform von Elisabeth und dass eine “Puffen” eine Faustfeuerwaffe ist. Das ähnlich klingende Wort “Puff” wird übrigens in dem Buch auch einige Male erwähnt, aber offenbar als bekannt vorausgesetzt – es findet sich nicht im Glossar.

Anzumerken ist noch, dass der Text fürs Buch nicht von Kumhofer selbst abgefasst wurde, sondern von der Germanistin Lies Kató. “Schriftlich beherrsche ich nur den Jargon von Polizeiprotokollen. Glauben Sie mir: Das will niemand lesen”, vertraute der “Kieberer” jüngst der APA an. Daher hat Kató für die “Verschriftung” seiner beruflichen Memoiren gesorgt. Auch das ist übrigens ein typisches Polizei-Wort – noch dazu eines, das einen weiteren großen Unterschied zu den TV-Kommissaren zum Ausdruck bringt. Denn diese haben, wie Kumhofer schon auf der ersten Seite des Texts ausführt, “nichts wie eine Äktschn, und schreiben tun sie keine Zeile, oder nur ganz wenig, so gut wie gar nichts. Dabei ist das Schreiben die Haupttätigkeit von jedem Polizisten.”

Fritz Kumhofer/Lies Kató: “Es war nicht wie im Fernsehen. Ein Wiener Kieberer erzählt, wie es wirklich war.”, Dachbuch-Verlag, 160 Seiten, 12,90 Euro.

Von: apa

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