Kreiml & Samurai geben sich direkt und dreckig

Kreiml & Samurai melden sich mit “Auf olle 4re” zurück

Mittwoch, 19. Februar 2020 | 10:08 Uhr

Und stets grüßt der Schweinehund: Das Wiener Rapduo Kreiml & Samurai, zuletzt mit dem Album “Wuff Oink” und der Single “Wiener” höchst erfolgreich, meldet sich im Sinne seines selbst gewählten Wappentiers zurück. “Auf olle 4re” ist direkt und dreckig, klingt aber erfrischend neu. Ein Grund dafür ist nicht zuletzt Produzent Brenk Sinatra, der den Songs den richtigen Sound verpasste.

“Für uns war relativ bald klar, dass wir etwas Neues machen wollen”, sagte Rapper Kreiml im APA-Interview. Nach drei erfolgreichen Platten in ihrem sehr typischen Stil sei es für die Musiker nicht um Erwartungshaltungen gegangen. “Wir müssen einfach das machen, was uns taugt.” Im Sound von Brenk, dank dem die zwölf Stücke durchaus synthielastig daherkommen, fand man eine neue Herausforderung. “Er ist definitiv sehr zeitgemäß unterwegs gerade”, stimmte Samurai zu. “Wir wollten diese neue Würze in das Schweinehundgulasch bringen. Es ist wie eine Brücke von alt zu neu, von Oldschool zu Newschool.”

Wirklich einordnen lassen sich Kreiml & Samurai aber auch jetzt nicht – ein Umstand, der den Musikern durchaus passt. “Wir wollen ja weder das eine noch das andere sein, sondern einfach wir selber”, so Samurai. “Wir haben eben den Schweinehund drinnen, der Ranz und das Wienerische sind auch jetzt am Album. Es ging eher um einen neuen Anstrich.” Den merkt man schon beim titelgebenden Opener, der ein kräftiges Rufzeichen setzt, während “Hakuna Matata” die vom Duo geliebte Kunst des Tachinierens mit einem entsprechend entschleunigten Beat kreuzt.

Ohnehin: Der Teufel liegt ja im Detail, und der Schmäh rennt bei Kreiml & Samurai eigentlich in jeder einzelnen Punchline. Vor allem verstehen es die Rapper aber, in ihren Tracks packende Stimmungen zu erzeugen und eindringliche Bilder zu malen. Etwa beim “Würstlstand”: Da spritzt es aus der Eitrigen und zischt das Bier, ist der Dresscode egal und wird die Nacht zum Tag. Die Themen geht das Duo “nicht rezeptmäßig” an, unterstrich Kreiml. “Sicher gibt es Konstanten bei uns wie beispielsweise Wien. Wir leben in dieser Stadt, also ist sie ein täglicher Einfluss.” Aber ansonsten hantle man sich eher von Wort zu Wort, von Zeile zu Zeile. “Das ist kein wirklich strukturiertes oder planmäßiges Vorgehen”, meinte sein Kollege nickend.

Wie bunt das Ergebnis oft ausfällt, lässt sich nicht nur auf dem neuen Album nachhören. Auch die im Vorjahr veröffentlichte Kollaboration mit Liedermacher Voodoo Jürgens ist ein gutes Beispiel dafür, klingt “3 Nagetiere” doch anders als alle bisherigen Kreiml-&-Samurai-Nummern. “Wir stehen Leuten wie dem Voodoo ja eigentlich viel näher als vielen Rapper”, gab Samurai zu bedenken. “Das Schubladendenken entspricht einfach oft nicht der Realität, daran orientieren wir uns erst gar nicht. Zum Glück kann Hip-Hop heute aber alles sein. Da gibt es keine Grenzen, die machst du dir nur selber im Kopf.”

Grenzen überschreiten, das war definitiv auch ein Ergebnis der Zusammenarbeit mit Brenk Sinatra. Neues Album, neuer Sound – wobei für Kreiml und Samurai vor allem das Zwischenmenschliche zählt. “Wir sind ja keine Zweckgemeinschaft”, betonte Kreiml. “Wir kennen uns schon so lange. Es muss also auch mit den anderen Leuten, die dabei sind, passen.” Das sei bei Brenk sofort der Fall gewesen. “Jede Seite hat gewusst, worauf es der anderen ankommt”, so Samurai. Und der Produzent hat aus den “Schweinehunden” viel rausgeholt, immer wieder Feinschliff eingefordert und sie motiviert. “Da geht es ja oft um Kleinigkeiten. Aber es darf dir einfach nicht zu deppert sein, wegen so was dann noch mal ins Studio zu gehen.”

“Auf olle 4re” gibt allen Beteiligten jedenfalls recht: Bisherige Besonderheiten bleiben bestehen, neue Aspekte kommen hinzu. Ohnehin gilt es für die zwei Kumpels, einfach dranzubleiben. “Das ist das A und O im Musikbusiness”, wusste Samurai zu erzählen. “Nie aufgeben, immer weitermachen! Oft gibt es ja einen Zeitgeist, und vielleicht passt du da gerade nicht rein. Dich deshalb aber zu verbiegen, bringt dir nichts. Du musst trotzdem bei dem bleiben, was dir Bock macht. Als wir angefangen haben, war ja nicht abzusehen, was wir bisher schon erreicht haben.”

Die Nachfrage nach Geschichten aus dem Schweinehund-Universum stimmt jedenfalls. Für die ab kommender Woche anstehende “Zruck in die Zua-kunft”-Tour mit den Labelkollegen Monotbrother und MDK geht es von Graz über Linz bis Salzburg und Lustenau. In der Wiener Heimat bespielt man gar das gar nicht so kleine Gasometer. “Die Konzerte sind ein guter Gradmesser”, sagte Kreiml. “Wenn da viele Leute wegen deiner Musik hinkommen, dann ist das der größte Erfolg, den du dir wünschen kannst. Andere Zukunftspläne schmieden wir eh nicht”, so der Rapper, der lachend nachschob: “Das passt auch nicht zum Schweinehund.”

Von: apa