Manche legen Sean Penn Rückbesinnung auf Qualitäten nahe

Kritiker zerreißen Buch von Hollywood-Star Sean Penn

Dienstag, 01. Mai 2018 | 14:48 Uhr

Als Schauspieler hat Sean Penn weltweit Erfolge gefeiert und Dutzende Preise eingesammelt, darunter zwei Oscars. Sein Debüt als Roman-Autor läuft dagegen weniger erfolgreich an: “Bob Honey Who Just Do Stuff” wird von US-Kritikern zerrissen. Aber Penn will weiterschreiben.

Was macht ein Verlag, wenn die Kritiken für eines seiner Bücher absolut vernichtend ausgefallen sind? Simon&Schuster entschied sich für die Offensive und kaufte eine ganze Anzeigenseite in der “New York Times”. “Die Kritiker sind sich einig” steht in großen Buchstaben ganz oben – und dann werden die Fußtritte zitiert. “Ernsthaft, halt die Klappe Sean Penn”, schrieb die Zeitschrift “Marie Claire”. “Ignoriert Penn”, die “Chicago Tribune”. Die “USA Today” beschreibt das Buch als “ärgerlich”, der britische “Guardian” als “dumm” und die “Washington Post” fordert schlicht: “Sean Penn als Autor muss aufhören”.

Eine ungewöhnliche Vermarktungstaktik des Verlags, aber es geht ja auch um ein ungewöhnliches Buch: “Bob Honey Who Just Do Stuff”, der Debüt-Roman von Hollywood-Star Sean Penn, der wohl vor allem aufgrund des bekannten Autors trotz aller vernichtenden Kritiken kurz nach Erscheinen in den USA in die Bestsellerlisten schoss. Und – wie der Verlag Simon&Schuster in seiner “New York Times”-Anzeige natürlich auch betont – es gibt auch Menschen, die das Buch mögen. Schriftsteller Salman Rushdie etwa lässt sich auf der Rückseite des Romans zitieren: “Es scheint falsch zu sagen, dass es riesigen Spaß macht, so ein dystopisches Buch zu lesen, aber es stimmt.”

Die Schauspiel-Talente des 1960 in Kalifornien geborenen Penn sind unbestritten. Er gilt als einer der bedeutendsten Charakterdarsteller Hollywoods, feierte mit Filmen wie “Dead Man Walking” oder “Ich bin Sam” Welterfolge, gewann zweimal den Oscar und Dutzende andere Preise. Aber Penn galt auch schon immer als Querkopf, der macht, was er will, ohne Rücksicht auf sein Image. So interviewte und feierte er vor einigen Jahren den mexikanischen Drogenboss “El Chapo”, was ihm viel Kritik einbrachte. Auch seine Beziehungen sorgten immer wieder für Schlagzeilen: Ehen mit Musik-Diva Madonna und Schauspielerin Robin Wright scheiterten ebenso wie eine Beziehung mit der Schauspielerin Charlize Theron.

Jetzt also ein Buch – und bei dem einen soll es nicht bleiben. Die Schauspielerei sei er gerade ziemlich leid, sagte Penn der Zeitschrift “Vogue”. “Es ist Zeit anzuerkennen, dass ich es nicht mehr besonders gemocht habe, mit anderen zusammenzuspielen, und dass ich viel im Kopf hatte, dass ich machen wollte ohne kreative Zusammenarbeit oder finanzielle Unterstützung. (…) Es macht mir viel mehr Spaß, Bücher zu schreiben, und das wird meine kreative Energie wohl auf absehbare Zeit dominieren.” Und trotz aller vernichtenden Kritik: “Ich mag es, etwas zu haben, das ganz meins ist, wofür ich mich nicht entschuldigen muss und mich erfüllt fühle.”

Viele bekannte Schauspieler haben sich vor Penn bereits als Autoren versucht, mit unterschiedlichem Erfolg. Das Erstlingswerk von Penns Kollege Tom Hanks – die Kurzgeschichtensammlung “Schräge Typen” – war von Kritikern vor kurzem weitgehend positiv besprochen worden.

Penns Roman handelt von einem Mann – Bob Honey – der mit anderen Menschen nichts anfangen kann, seit seiner Scheidung schon gar nicht mehr. Er lebt in seiner eigenen Gedankenwelt und schlägt sich mit schrägen Jobs und als Auftragskiller durch. Das alles schreibt Neu-Autor Penn auf rund 160 Seiten in Wortmonster-Sätzen so schräg auf, dass es den Leser eher abstößt als in die Geschichte hereinzieht. Trotzdem bietet das Buch hin und wieder auch einprägsame und lustige Momente, etwa als Bob Honeys Ex-Frau sich einen Eiswagen kauft und damit tagtäglich laut klingelnd durch die Nachbarschaft fährt und Eis-Waffeln verkauft. Ob das Buch einen deutschen Verlag findet, ist derzeit noch unklar.

An Penn scheinen die schlechten Kritiken abzuprallen, er plant schon das nächste Buch. “Da gibt es etwas. Lasst mich nur sagen, ich habe da etwas im Köcher.”

Von: APA/dpa

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