Zemeckis kritisiert das aktuelle Hollywood

Kultregisseur Robert Zemeckis wird 65

Freitag, 12. Mai 2017 | 12:45 Uhr

Mit “Allied – Vertraute Fremde” drehte Oscar-Preisträger Robert Zemeckis, der am 14. Mai 65 Jahre alt wird, im vergangenen Jahr seine erste Thriller-Romanze. In dem Spionagefilm schickte er Hollywood-Star Brad Pitt und die Französin Marion Cotillard als Agenten mitten in die Kriegswirren der frühen 1940er Jahre nach Casablanca und London.

Der Reiz für Zemeckis war vor allem die Original-Geschichte aus der Feder des Briten Steven Knight. “Ich bin sehr darüber besorgt, dass wir keine Filme mehr drehen, die original sind”, sagte der Regisseur im November im Interview der US-Zeitschrift “The Atlantic”. Zemeckis beklagt den Trend in Hollywood, mit Fortsetzungen und Bestsellerverfilmungen Kasse zu machen, statt neue Ideen zu entwickeln.

Kein Wunder, dass er sich seit Jahren energisch gegen eine Fortsetzung oder ein Remake seiner Hit-Trilogie “Zurück in die Zukunft” wehrt. “Solange wir leben, wird es das nicht geben”, sagte Zemeckis 2015 bei einem Interview in Berlin, und sprach auch im Namen von Co-Drehbuchautor Bob Gale. “Wenn wir tot sind, machen sie vielleicht ein Remake – außer unsere Erben können das verhindern.”

Die dreiteilige Filmreihe, deren erster Teil 1985 in die Kinos kam, genießt bei ihren Fans Kultstatus. An Bord ihrer Zeitmaschine reisen die Filmhelden Marty McFly (Michael J. Fox) und Doc Brown (Christopher Lloyd) ins Jahr 2015, zurück in die 50er Jahre und ins 19. Jahrhundert.

Auch ein Kassenschlager und zudem Zemeckis Oscar-Triumph war “Forrest Gump” (1994). Tom Hanks spielt den sympathisch-naiven Titelhelden, der durch drei bewegte Jahrzehnte amerikanischer Geschichte treibt. Dank brillanter Filmtricks trifft Forrest auf historische Figuren wie Elvis Presley und John Lennon, er schüttelt Präsident Kennedy die Hand. Es gibt sechs Oscars, darunter für Regie, Hauptdarsteller, Spezialeffekte und als bester Film.

Bahnbrechende Technik setzte Zemeckis auch in dem fantastischen Weihnachtsmärchen “Der Polarexpress” (2014) ein. Mit Performance-Capture-System wird die Mimik und Gestik von Schauspielern auf digitale Filmfiguren übertragen. Tom Hanks stand real vor der Kamera, doch sämtliche Filmschauplätze entstanden im Computer.

Zuvor hatte Zemeckis aus Hanks eine weitere Meisterleistung als moderner Robinson Crusoe auf einer einsamen Insel herausgeholt. In “Cast Away – Verschollen” (2001) hofft er als einziger Überlebender eines Flugzeugabsturzes jahrelang auf Rettung. Ein angeschwemmter Volleyball, den er “Wilson” nennt, wird zu seinem besten Freund.

Die Filmkarriere wurde Zemeckis nicht in die Wiege gelegt. 1952 in einem Arbeiterviertel in Chicago geboren, habe er keinen Zugang zu Kunst, Musik, Theater oder Film gehabt. Das Fernsehen sei seine Inspiration gewesen, erzählte der Regisseur 2015 der “New York Times”: “Als Kind habe ich alles geschaut.”

Als Schüler drehte er Super-8-Filme, als junger Filmstudent in Kalifornien fiel er schnell mit Kurzfilmen auf. 1975 war er mit “A Field of Honor” unter den Gewinnern der ersten Studenten-Oscars. Steven Spielberg wurde auf den Nachwuchs aufmerksam und ließ ihn 1979 das Drehbuch für die Komödie “1941 – Wo, bitte, geht’s nach Hollywood” schreiben.

Danach standen Zemeckis die Türen in Hollywood offen. Mit Michael Douglas und Kathleen Turner drehte er “Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten” (1984), mit Jodie Foster den Science-Fiction-Film “Contact” (1997), mit Harrison Ford und Michelle Pfeiffer den Psychothriller “Schatten der Wahrheit” (2000).

Denzel Washington holte er 2013 als Crash-Pilot in “Flight” vor die Kamera, Joseph Gordon-Levitt schickte er in “The Walk” (2015) in der Rolle des französischen Hochseilartisten Philippe Petit auf einen abenteuerlichen Spaziergang. 1974 machte Petit mit einem gefährlichen Drahtseilakt in 400 Meter Höhe zwischen den “Twin Towers” des New Yorker World Trade Centers Schlagzeilen.

Zemeckis kämpfte fast zehn Jahre darum, “The Walk” zu drehen. Die meisten Studios winkten ab. “Es ist eine einzigartige Geschichte – und die sind in Hollywood jetzt sehr schwer durchzusetzen”, sagte Zemeckis vor dem Kinostart. Er drehte schließlich für verhältnismäßig geringe 35 Millionen Dollar. Dennoch gelang dem Trickkünstler dank 3D-Technik wieder etwas Außergewöhnliches: Er holt die Zuschauer auf das Dach des Wolkenkratzers und auf das Seil, lässt sie tief in die Häuserschlucht blicken und den Sonnenaufgang über New York erleben.

Von: APA/dpa