Orsolics (m.) - vom Leben gezeichnet

Leben mit Höhen und Tiefen: Boxlegende Hans Orsolics wird 70

Freitag, 12. Mai 2017 | 11:12 Uhr

Seine Karriere ist so außergewöhnlich wie sein Leben. Hans Orsolics hat viel hinter sich – Höhen und Tiefen. Einst jüngster Europameister, hatte Österreichs gefeierter Box-Held danach auch mit schweren Alkoholproblemen, Schlägereien und insgesamt 14 Gefängnisaufenthalten zu kämpfen. Seine Popularität bei den Fans hat “Hansee” aber nie eingebüßt. Am 14. Mai wird er 70 Jahre alt.

Orsolics-Kämpfe in der Wiener Stadthalle waren einst gesellschaftliche Pflichttermine. Bis zu 15.000 Menschen jubelten dem Lokalhelden zu. 42 seiner 53 Profikämpfe hat der gebürtige Burgenländer von 1965 bis 1974 gewonnen. Geblieben ist ihm von seinen EM-Titeln in zwei Gewichtsklassen wenig. Sein Geld war Orsolics schnell los, nach der Eröffnung eines Gasthauses in Wien und Auseinandersetzungen mit Gästen stand er wiederholt vor Gericht.

Mittlerweile lebt Orsolics mit seiner Frau Roswitha in einer kleinen Wohnung in Wien-Meidling. Bei seiner Resozialisierung wurde er auch von ORF-Reporterlegende und Boxexperte Sigi Bergmann unterstützt. “Er war eines der größten Talente, die es zu seiner Zeit gegeben hat im Boxsport”, sagte Bergmann der APA – Austria Presse Agentur über seinen langjährigen Freund.

Orsolics war mehr, er war ein Phänomen. In ärmsten Verhältnissen aufgewachsen, war er noch bis zu seinem ersten EM-Titelgewinn 1967 in Kaisermühlen als Rauchfangkehrer tätig. Nach getaner Arbeit lief der Kämpfer täglich in die Innenstadt, um dort noch drei Stunden zu trainieren. Niemand habe sich im Training so verausgabt, schilderte Bergmann. “Aufgeben hat er nicht gekannt.”

Mit 20 Jahren wurde Orsolics zum jüngsten Europameister im Superleichtgewicht, nach seinem Aufstieg ins Weltergewicht holte er sich auch dort den EM-Gürtel. 1970 war bereits ein WM-Kampf unterschrieben, ein vom Management aus wirtschaftlichen Überlegungen davor angesetzter, eigentlich unnötiger Testkampf gegen den gefürchteten US-Amerikaner Eddie Perkins endete mit einem folgenschweren K.o. – der Anfang vom Ende.

“Glück hat er auf dem Gebiet nicht gehabt”, meinte Bergmann über die Beratung von Österreichs einst größtem Box-Star. Sein Geld gab Orsolics mit beiden Händen aus, lud oft ganze Kaffeehaus-Runden ein. Er war überall gerne gesehen, am Ende saß er auf einem Schuldenberg. Diesen abzutragen half auch der Hit “Mei’ potschertes Leben”, der ihn 1986 sogar an die Spitze der Hitparade brachte.

Die Marke Orsolics wirkt nach wie vor. “Er war in seiner Boxerzeit in Österreich ein absoluter Superstar”, erklärte Bergmann, der auch für die 2007 erschienene Biografie “Orsolics Hansi k.o. Triumphe und Leiden eines Boxers” verantwortlich zeichnet. An seinem Geburtstag widmet der ORF dem einstigen Idol im Spartensender ORF Sport + ab 20.15 Uhr zudem einen Schwerpunktabend.

Sein Leben meistert Orsolics mittlerweile mit Bravour. Der Alkoholentzug vor 30 Jahren war erfolgreich, Krankheiten als Spätfolgen der Karriere, wie sie auch andere Box-Größen ertragen mussten, bedingen aber nur noch spärliche öffentliche Auftritte. Bei seiner Geburtstagsfeier diese Woche im Marchfelderhof machten ihm allerdings unter anderem Sportgrößen wie Karl Schranz die Aufwartung.

Auch wenn seine Wohnung mit 36 Quadratmetern kurioserweise genau die Größe eines Ringes aufweist – mit Boxen beschäftigt sich Orsolics nur noch am Rande. Der Schwergewichtskampf zwischen Weltmeister Anthony Joshua und Wladimir Klitschko vergangenes Wochenende war aber auch auf seiner Feier Topthema. Orsolics freute sich über die lange nicht gesehene Qualität des Duells. Bergmann: “Das hat dem Boxsport gutgetan.”

Von: apa

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