Left Boy weiß: "The kids want hits"

Left Boy entdeckt als “Ferdinand” die Gitarre

Freitag, 06. April 2018 | 16:51 Uhr

“The kids want hits”, hält Left Boy zum Einstieg in sein neues Album fest. Ferdinand Sarnitz weiß eben, was gewünscht wird. Und auf dem simpel “Ferdinand” betitelten Werk versucht der österreichische Musiker, dem mit allen Mitteln seiner Kunst gerecht zu werden. In seinem Fall ist das einerseits ungewohnt oft die Gitarre, andererseits ein eklektischer Mix aus allem, was derzeit unter Pop firmiert.

Was insofern nicht wundert, als bereits sein 2014 veröffentlichtes Debüt “Permanent Midnight” allerlei Einflüsse vereinte – von Hip-Hop über Electro bis Funk und 80er-Sounds war alles dabei. Nun erfindet er das musikalische Rad nicht neu, allerdings hat es Sarnitz offenbar der Rock angetan. Schon im Opener “Father of God” jaulen die Gitarren und fühlt man sich im Cabrio auf der Route 66 unterwegs. Wenn da vom Rodeo die Rede ist, dient das nicht nur als dezenter Wink mit dem Zaunpfahl, sondern trifft seine Herangehensweise ganz gut.

Denn natürlich ist “Ferdinand” kein Rockalbum im herkömmlichen Sinne geworden. In “Sweet Goodbye” surren die Electroklänge, “Got Damn” stampft rhythmisch nach vorne und in “17” wird es ordentlich kitschig, wenn in bester Popmanier “ice cream kisses” verteilt werden. Ein roter Faden? Ist wohl am ehesten Sarnitz’ gewohnt nasaler Gesang, der im Falsett gerne mal Richtung Justin Timberlake schielt, aber auch für Wiedererkennungswert sorgt. Und ansonsten sollen diese Songs wohl einfach Spaß machen, wie unschwer zu erkennen ist.

Und über weite Strecken gelingt das auch: Ähnlich einem Aaron Bruno von Awolnation versteht es Sarnitz nämlich, seine verschiedenen Zutaten zu einem bekömmlichen Cocktail zu mixen. Wo der US-Amerikaner aber auch mal den Song wirken lässt, kann Left Boy einfach nicht stillsitzen. Bei “Dance with the Devil” entführt er die Bläser auf den Dancefloor, um im nächsten Track zu seinen Rap-Wurzeln zurückzukehren (“Book Club”). Und auch in den Stücken selbst gibt es kaum eine Durchschnaufphase, keine Lücke, die nicht mit Handclaps, einem Riff oder zuckenden Beats gefüllt wird.

Wie weit diese Experimentierfreude geht, machen die 16 Bonussongs deutlich. Neben dem gitarrenlastigen “The Return of…” hält Sarnitz nämlich mehr als ein Dutzend Arbeitsversionen und alternative Herangehensweisen bereit. Wirken die “fertigen” Lieder aufgrund ihrer Sprunghaftigkeit schon teils extrem skizzenhaft, so verstärkt sich dieser Eindruck hier noch weiter. Jazz, Techno, R’n’B – alles ist möglich, und doch offenbart dieser Ausflug hinter die Kulissen wenig Bleibendes.

So sollte man sich wohl auf den eigentlichen “Ferdinand” konzentrieren. Seinen Kritikern liefert Left Boy jedenfalls auch diesmal etliche Gründe zum Naserümpfen. Den Kids, an die sich der Sohn von Andre Heller eigentlich richtet, sollte die dezente Neuausrichtung dank seinem immer noch vorhandenen Gespür für eingängige Hooks keine Probleme bereiten. Und somit wird er wohl auch beim Frequency Festival in St. Pölten (16.-19. August) bestens aufgehoben sein.

Von Christoph Griessner/APA

INFO: http://leftboy.com

Von: apa

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