Lena teilt gegen die Journaille aus

Lena singt in “Only Love, L” über Klatschmeldungen

Dienstag, 09. April 2019 | 16:47 Uhr

Wer den Namen Lena Meyer-Landrut googelt, taucht tief ein in die Welt von Klatsch und Tratsch. Die Sängerin sei magersüchtig oder unglücklich, ist immer wieder zu lesen. Fast jedes Foto, das sie postet, sorgt angeblich für “Mega-Wirbel”. Die 27-Jährige antwortet auf ihrem neuen Album “Only Love, L”.

“Das ist kein Journalismus, sondern Klatschpresse und ein Schlag für alle seriösen Journalisten, die Dinge recherchieren und tolle Texte schreiben”, erzählt die gebürtige Hannoveranerin im dpa-Interview. Früher habe sie sich den Tratsch, der über sie verbreitet wurde, sehr zu Herzen genommen. Er habe sogar ihr Verhalten verändert.

“Wenn ich mir heute Interviews angucke aus der Zeit, merke ich das. Das muss ein Schutzmechanismus gewesen sein. Ich war schneller gereizt und angreifbar, was sich wiederum in der Berichterstattung widergespiegelt hat. Dann war ich angeblich arrogant und eingebildet, was mich noch mehr verletzt hat, weil ich so einfach nicht bin.”

Bestes Beispiel dürfte ein Gespräch mit Moderator Frank Elstner vor dem Eurovision Song Contest 2011 sein, in dem der damalige Teenager zickig wirkte und Elstner immer wieder verbesserte. Wer die Sängerin heute erlebt, merkt: Mit der öffentlichen Lena von damals hat sie nicht viel zu tun.

Auch musikalisch distanziert sich Meyer-Landrut mittlerweile von den Anfängen ihrer Karriere, die mit Stefan Raabs Castingshow zum ESC 2010 begann und ihr wenig später den Sieg mit “Satellite” bescherte. “Ich muss gestehen, dass ich die ersten beiden Alben nicht komplett als meine ansehe, weil ich so wenig damit zu tun hatte. Sie wurden wegen des ESC schnellschussmäßig produziert.” Ihre oft verspottete Aussprache des Englischen kam gekünstelt daher, heute wirkt sie routiniert und beiläufig. Auf den 13 Songs macht Meyer-Landrut auch aus ihren Emotionen keinen Hehl und wird persönlicher denn je.

In “Skinny Bitch” wendet sich die 27-Jährige verärgert an die Klatschpresse. “Redest du über mich? Interessiert es dich, wie ich mich fühle? Hast du das gerade erfunden? Weißt du, ob das wahr ist?”, heißt es zu Beginn. “Eine magere Zicke mit Problemen. Lass sie reden, sie kennen dich nicht.”

Auf ihrer Single “Thank You” singt Meyer-Landrut auch über Hassbotschaften im Internet, die sie immer wieder erreichen. Die Influencerin hat 2,6 Millionen Abonnenten auf Instagram, einige stoßen sich an nahezu jedem Beitrag von ihr. “Früher hat mich das schon berührt. Ich habe darüber nachgedacht, was passiert, wenn ich bestimmte Dinge poste, und es lieber sein lassen. Mittlerweile teile ich das mit, was ich gut und schön finde”, sagt sie.

Auf ihr fünftes Album mussten die Fans länger warten als geplant. Meyer-Landrut verschob den Termin und die Tour, sprach von einer “kreativen Krise”. Anfang des Jahres machte sie dann die Trennung von ihrem langjährigen Freund Max öffentlich. Auch darüber singt sie nun auf der Ballade “Love”. “Ich hätte wissen müssen, dass die Liebe nicht immer dieselbe ist”, singt die frühere ESC-Gewinnerin in Ariana-Grande-Manier. “Ich will nicht gehen, aber ich kann die Liebe nicht mehr spüren.”

“Ich habe natürlich tierisch Angst davor, so etwas zu veröffentlichen”, erzählt Meyer-Landrut. “Auf der anderen Seite bin ich dankbar darüber, meine Gefühle und Gedanken in solchen Liedern verarbeiten zu können.” Auch Themen wie Mitgefühl (“Note To Myself”) und Ängste (“Scared”) packt die Sängerin an.

“Only Love, L” ist eine gelungene Pop-Platte mit Jamaika-Sound und R&B-Einflüssen und macht trotz nachdenklicher Note gute Laune. Bleibt zu hoffen, dass die Schlagzeilen über das Album den “Mega-Wirbel” um ein neues Instagram-Foto eine Zeitlang überstrahlen können.

Von: APA/dpa

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