Uecker fühlt sich topfit - trotz HIV

“Lindenstraßen”-Star Georg Uecker outet sich als HIV-positiv

Freitag, 29. Juli 2016 | 16:15 Uhr

Georg Uecker ist ein Urgestein der “Lindenstraße”: Seit den Anfängen der Serie spielt er den Carsten Flöter. Nun hat der Schauspieler seine HIV-Infektion publik gemacht – und sorgt damit für Gesprächsstoff.

Ob man ihn nun mag oder nicht: Der ARD-Seriendauerbrenner “Lindenstraße” hat in den gut 30 Jahren seines Bestehens immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt – und auch viele der Schauspieler finden sich regelmäßig in den Schlagzeilen. Sei es nun Marie-Luise Marjan (“Helga Beimer”), die sich gewandt auf dem Charity-Parkett bewegt, Til Schweiger, für den die “Lindenstraße” das Sprungbrett zur Karriere war, oder Willi Herren (“Olli Klatt”), der mit verschiedenen Eskapaden auf sich aufmerksam machte. Jetzt hat Georg Uecker (“Dr. Flöter”) die Öffentlichkeit gesucht, um ein Geheimnis zu lüften: Er ist HIV-positiv.

Gerüchte um den Gesundheitszustand des 53-Jährigen, der seit den Anfängen den Arzt Carsten Flöter spielt, gibt es schon lange. “Was ist mit Georg Uecker los, ist der krank?”, fragten sich bekennende Serien-Fans in Gesprächen und sozialen Netzwerken immer wieder. Denn vor etwa zehn Jahren nahm seine Präsenz in der Kultserie plötzlich ab, und auch sein Aussehen veränderte sich: Er magerte ab, die Sprache wurde undeutlich, Bewegungen wirkten fahrig. Die Gerüchteküche brodelte. Doch Uecker wollte selbst den Zeitpunkt bestimmen, zu dem seine Infizierung mit dem HI-Virus bekannt wird.

“Ich bin vermutlich weit über 30 Jahre HIV-positiv und weiß es definitiv seit 25 Jahren”, erzählt der offen schwul lebende Schauspieler in einem Interview des Magazins “Schwulissimo”, über das die “Bild-Zeitung” berichtete. “Meine Familie und enge Freunde wissen, dass ich HIV-positiv bin, aber ich hatte nie Lust oder das Bedürfnis, mich öffentlich erklären zu müssen”, sagt er in einem Interview, das am Freitag auf der Seite der Produktionsfirma gff veröffentlicht wurde.

Es geschieht immer noch eher selten, dass Prominente ihre HIV-Infektion publik machen – im vergangenen Jahr etwa Charlie Sheen. Wie der Hollywood-Schauspieler ist auch Uecker nach eigenen Angaben nicht an Aids erkrankt: “Ich fühle mich topfit und bin voller Lebenslust und Energie, obwohl ich vielleicht nicht immer so aussehe.”

Auch in der “Lindenstraße” haben Aids und HIV mehrfach eine Rolle gespielt. So adoptierten Carsten Flöter und sein Partner “Käthe” (Claus Vinçon) 2003 den HIV-positiven Buben Felix. Und bereits 1988 starb Benno Zimmermann (Bernd Tauber) an Aids, er hatte sich durch eine Bluttransfusion infiziert. Damals war die “Lindenstraße” die erste TV-Serie, die die Erkrankung thematisierte.

Mit solchen Tabu-Brüchen hat die “Lindenstraße” vor allem in ihren Anfängen immer wieder Diskussionen entfacht. Gleich an mehreren davon war Ueckers Rolle Carsten Flöter beteiligt. Der “Skandal-Kuss” zweier schwuler Männer ging genauso in die TV-Geschichte ein wie die erste Schwulen-Hochzeit.

Wirkliche Tabu-Brüche gelingen der Serie angesichts der vielen Reality-Formate heute zwar kaum noch. Aber nach wie vor sei es erklärtes Ziel, aktuelle gesellschaftliche und politische Ereignisse zu thematisieren und dadurch möglichst auch zu provozieren, sagte Regisseur Hans W. Geißendörfer noch kürzlich der dpa. So ist es zum Beispiel erst wenige Folgen her, dass Carsten Flöter dem an Parkinson erkrankten Hans Beimer (Joachim Hermann Luger) ein Päckchen Cannabis zuschob.

Am kommenden Sonntag steht wahrscheinlich erneut ein Aufreger an: Das Outing des transsexuellen Marek (Martin Walde). Weil die Folge in der vergangenen Woche wegen der Tour de France ausgefallen war, gibt es die “Lindenstraße” dann sogar im Doppelpack.

Von: apa