Cher wurde nur durch Zufall Fan von ABBA

Mamma mia – Cher singt Abba

Dienstag, 25. September 2018 | 10:44 Uhr

Abba-Lieder verleiten zu Wortspielen: Ist dieses neue Album mit dem Titel “Dancing Queen” das Waterloo von Cher? Unerschütterliche Fans der 72-Jährigen werden natürlich “Gimme! Gimme! Gimme!” kreischen und den Tonträger mit zehn Tracks unbedingt haben wollen. Aber ganz ehrlich: Eigentlich können überzeugte Abba-Fans bei diesem Album mit Coverversionen nur “SOS!” schreien. Oder: “Mamma mia!”

Die Geschichte des Werks ist schnell erzählt. Die Oscar-, Emmy- und Grammy-ausgezeichnete Ikone Cher sagt, sie sei schon seit Jahren Fan der vier Schweden, die 1974 in Brighton mit dem Titel “Waterloo” den Eurovision Song Contest gewannen. “Ich habe Abba schon immer gemocht und das ursprüngliche Mamma-Mia-Musical dreimal am Broadway gesehen.”

Bei den Dreharbeiten zum Film “Mamma Mia! Here We Go Again”, in dem Cher die Oma von Hauptfigur Sophie (Amanda Seyfried) mimt, sei ihr dann erneut bewusst geworden, was für “großartige Songs” die Band geschrieben habe. Sie habe die Hits selbst vortragen wollen. Immerhin gibt Cher zu: “Das Singen der Songs war schwieriger, als ich gedacht hätte.” Sie fügt hinzu, sie sei “unglaublich happy mit dem Ergebnis”.

Das Album wurde in London und Los Angeles aufgenommen. An Chers Seite: der Soundtüftler Mark Taylor. Er gehört zu denjenigen, die für den sogenannten Cher-Effekt verantwortlich sind, der vor 20 Jahren beim Hit “Believe” noch innovativ und cool war, aber inzwischen ziemlich nerven kann, zumal er im Hip-Hop Massenware geworden ist.

Es ist dieser Vocoder-Klang, bei dem Chers Stimme mit einer speziellen Software gefiltert wird. “Man limitiert den Sound, nimmt Höhen und Tiefen weg, als ob es aus dem Telefon kommt”, beschrieb das Taylor mal. Er sagte, das sei alles Chers Idee gewesen. Die Amerikanerin verliebte sich jedenfalls allzusehr in diesen Sound.

Und so kommt es, dass man zum Beispiel beim Hit “Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)”, dessen eingängige Hookline schon vor 13 Jahren von Madonna recycelt wurde und ihr den Hit “Hung Up” bescherte, sich die ganze Zeit in einer schlechten Karaoke-Show wähnen kann. Nichts dürfte sich ein echter Abba-Fan sehnlicher bei diesem Album wünschen, als endlich wieder die Originale zu hören – mit den klaren Stimmen von Agnetha Fältskog und Anni-Frid Lyngstad.

Nichtsdestotrotz wird das Album natürlich ein Erfolg werden. Wahrscheinlich erschafft es sogar eine neue Generation von Abba-Fans. Bestimmt bestücken die Lieder demnächst viele Dragqueen-Shows. Aber die Originale von Evergreens wie “Chiquitita”, “One Of Us”, “Fernando” und “The Winner Takes It All” bleiben unübertroffen.

Zurzeit tourt Cher durch Australien und Neuseeland. Im November hat sie wieder Shows in Las Vegas. Am 2. Dezember soll sie in Washington den Kennedy-Preis verliehen bekommen. Einen Tag später, am 3. Dezember, feiert das Musical “The Cher Show” am Broadway in New York Premiere. Cher ist als Koproduzentin beteiligt. Money, Money, Money.

Der vielsagende Abba-Titel “Money, Money, Money” fehlt übrigens auf Chers Album.

Von: APA/dpa

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