Marco Kleebauer und Sophie Lindinger sind das Popduo "Leyya"

“Mit dem Hirn in die Sauna”: Leyya verlassen sich auf Gefühl

Mittwoch, 17. Januar 2018 | 10:51 Uhr

Bei Leyya tropft es von der Decke: Das österreichische Popduo, vor zwei Jahren mit “Spanish Disco” höchst positiv aufgefallen, setzt den eingeschlagenen Weg fort und verlässt sich in der “Sauna” auf sein Gefühl. Zugutekommt Sophie Lindinger und Marco Kleebauer, dass sie keine Berührungsängste kennen und sich nicht mit einfachen Lösungen zufriedengeben. Dementsprechend bunt klingt das neue Album.

“Wir wussten, dass wir in eine Uptempo-Richtung gehen wollen und vom Sound her positiver werden”, beschrieb Sängerin Lindinger den Zugang. Es habe zwar letztlich etwas gedauert, das zu akzeptieren. Aber spätestens mit dem Song “Zoo” war klar: “Ja, das passt wirklich. Wir lassen das so und ändern nichts daran. Was sich andere dabei denken, ist uns egal.” In erster Linie denkt man bei dem Song wohl: Das ist ein ziemlicher Ohrwurm. Und zum Glück für die beiden Musiker keineswegs der einzige, der seinen Weg auf die am 26. Jänner erscheinende Platte gefunden hat.

“Oh Wow” etwa ist eine leicht unterkühlte Trip-Hop-Großtat, das verspielte “Drumsolo” macht seinem Namen alle Ehre und “In Your Head” darf zum Ende gar den Postrock bedienen. “Wichtig ist, dass es uns Spaß macht”, so Lindinger. “Sind es immer nur die gleichen Songs, dann wird es irgendwann langweilig.” Dabei hat sich das Duo durchaus selbst hinterfragt, auch wie weit man in Popgefilde eintauchen könne. “Aber am Ende haben wir uns gedacht: Scheiß drauf, was die anderen sagen”, lachte Kleebauer. “Das haben wir dann sogar als Text im Refrain von ‘Zoo’ eingebaut.”

Für ihn sei es wichtig, den Bezugspunkt nicht aus den Augen zu verlieren. “Es ist ja nur Musik und nicht das Allerwichtigste der Welt”, erteilte er einem zu eng gesetzten Korsett eine Abfuhr. “Kein Testament, das ich unterschreibe, wem ich mein Vermögen vererbe”, schmunzelte der Musiker. Davon abgesehen: “Jeder mag eingängige Melodien. Im Endeffekt ist es nur die Frage, wie man sie verpackt. Wir machen das extrem gern, dass man das simpelste Kinderlied so verpackt, als wäre mehr dahinter. Die einfachsten Akkorde können Emotionen auslösen, obwohl man sie schon zigfach gehört hat.”

Im Fokus stand jedenfalls der Song. “Der muss funktionieren, unabhängig davon, was vielleicht später dazukommt”, meinte Lindinger über die oft vielfältigen musikalischen Verzierungen. “Es sollte sich organisch und fließend anfühlen. So werden die Songs ein großes Ganzes.” Wobei fröhliche Lieder aus der Sicht von Leyya nicht zwingend schwieriger zu schreiben sind, “aber sie sind möglicherweise schnell mal ausgereizt für das Ohr”, meinte Kleebauer. “Daher haben wir hart daran gearbeitet, dass man sich die Melodien lange anhören kann.” Was nach zwei Wochen immer noch funktionierte, wurde für in Ordnung befunden.

Wie aber entscheiden die Musiker, woran sie weiter tüfteln und was in den Müllkorb wandert? “Es ist ein Gefühl”, betonte Lindinger. “Es kommt ganz plötzlich, und dann entsteht eine Euphorie. Der Song ist dann meist relativ schnell fertig. Aber der Weg dahin kann ziemlich lang sein.” Wobei ihr Kollege ihr beipflichtete: “Irgendwann kommt der Punkt, an dem es Klick im Hirn macht. Etwas berührt dich, gefällt dir, und schon fällst du in diese Naivität rein, mit der du zum Musikmachen angefangen hast. Da wusste man nicht, wie alles funktioniert, sondern ging nur nach Gefühl.”

Bleibt noch die Frage nach dem Albumtitel, der aus einer “lustigen Idee” entstanden sei, wie Kleebauer erklärte. Letztlich habe sich aber ein Bild gefestigt: “Es ist ein schöner Überbegriff. Die Sauna ist ja ein Ort, wo verschiedene Menschen zusammenkommen, nackt entgiften und schwitzen. Jeder ist hier gleich. Wir haben bei diesem Album auch versucht, verschiedene Sounds befreit von jeglichem Kontext gleichwertig zu behandeln.” Das ist Leyya definitiv gelungen. Die Musiker selbst wird man mit Handtuch bewaffnet aber eher nicht in einer Schwitzhütte antreffen. “Wir waren noch nie in einer Sauna”, lachte Kleebauer. “Es ist einfach der romantische Gedanke, wie wir sie uns vorstellen. Wahrscheinlich sind wir nicht so die Sauna-Typen. Wir gehen mit dem Hirn in die Sauna.”

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E – Leyya live am 20. Jänner beim FM4-Geburtstagsfest in der Ottakringer Brauerei in Wien; Album-Releaseshow am 31. Jänner im Linzer Posthof, Konzert am 19. April im Treibhaus Innsbruck; http://leyya-music.com)

Von: apa