Mike Oldfield hat es sich auf den Bahamas gemütlich gemacht

Mit “Tubular Bells” auf Höhenflug – Mike Oldfield wird 65

Dienstag, 15. Mai 2018 | 10:37 Uhr

Mike Oldfields Lieblingsplatz fürs Komponieren ist seine Sonnenterrasse unter Palmen mit Blick aufs Meer und eigenem Strand. Dort wird er vermutlich auch seinen 65. Geburtstag am 15. Mai feiern, mit selbstgerollten Zigaretten und seinem Rettungshund Mac. Seit 2009 lebt Oldfield auf den Bahamas.

Die klassische Rocklegende, die es sich mit den Einkommen aus früheren Hits in einer Traumwelt gemütlich gemacht hat. Doch Oldfields letztes Album “Return To Ommadawn” (2017) verarbeitete ähnlich wie sein Vorgänger von 1975 die schlimmen Schocks der vergangenen Jahre: Erst die Trennung von seiner dritten Frau Fanny Vandekerckhove, einer französischen Pferdezüchterin, mit der er zwei Söhne im Teenager-Alter hat. Dann der Tod seines 33-jährigen Sohnes Dougal. Und 2016 starb sein Vater. Die Parallelen sind frappierend: Vor 40 Jahren hatte Oldfield versucht, den plötzlichen Tod seiner Mutter in seinem Hit-Album “Ommadawn” zu bewältigen.

Seine Mutter Maureen war alkoholkrank. Keine schöne Jugend in Reading, einer Stadt westlich von London. So wurde Musik seine Rettung – der junge Mike spielte schon mit neun Jahren Gitarrensoli in Folkgruppen. Ein Naturtalent: “Ich habe alles von Hardrock bis Weltmusik gehört und nicht eingesehen, warum sie nicht in demselben Musikstück existieren konnten”, erinnerte er sich 2013 im “Guardian”. Als Teenager schloss er sich auf dem Dachboden ein und fing an zu komponieren. Er spielte alle Instrumente selbst – das macht er bis heute.

Daraus entstand sein Meisterwerk “Tubular Bells”. Abgelehnt von etablierten Plattenlabels, landete er bei Richard Branson – dem späteren Milliardär, der dafür das Label Virgin Records aus dem Boden stampfte. Oldfield war so schüchtern, dass er nur ein Live-Konzert gab, als das Album herauskam, zu stürmischem Beifall. Danach hielt es sich 279 Wochen in den Charts – in direkter Konkurrenz zu Pink Floyds “Dark Side of the Moon” – und verkaufte sich seither 16 Millionen Mal.

Der Rummel um das Album war so groß, dass es fast nicht auffiel, als Oldfield einen einjährigen Löwen namens Clyde adoptierte, der um sein Landhaus herum freien Auslauf hatte und angeblich sogar in Oldfields Bett schlief. Einmal brachte er ihn sogar ins Studio, um Branson einen Schrecken einzujagen. Da hatten sie sich schon miteinander verkracht: Denn der geschäftstüchtige Label-Inhaber strich den Löwenanteil der Gewinne aus dem Hit-Album ein. Oldfield verdiente in den ersten fünf Jahren nur rund umgerechnet 205.000 Euro daran.

Das unheimliche Klaviermotiv, mit dem “Tubular Bells” anfängt, wurde im selben Jahr zur Titelmusik für den Horrorfilm “Der Exorzist” und dadurch vor allem in den USA bekannt. Fast 40 Jahre später spielte er seinen Klassiker live bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in London 2012.

Bis heute bezieht er sich in vielen seiner Werke auf seine ersten drei Alben “Tubular Bells”, “Hergest Ridge” (1974) and “Ommadawn” (1975), in denen er Progressive Rock, Folk, klassische und Ambient-Musik mischt.

“Wir hätten nicht all diese schönen Tracks wie ‘Lucy in the Sky With Diamonds’, und wir hätten wahrscheinlich keine ‘Tubular Bells’ – viele Sachen wirklich – ohne Drogen”, kommentierte er einmal im “Guardian”. In den 60ern warf er so viele LSD-Trips ein, dass er die Nachwirkungen noch in den 70ern spürte und unter Paranoia litt. 1978 unterwarf sich Oldfield einem kontroversen Therapie-Programm und tauchte schreiend aus einer Wiedergeburt-Session auf – danach dominierte der eigentlich schüchterne Musiker für kurze Zeit mit Skandalen die Schlagzeilen.

Er landete weitere Hits, darunter “Moonlight Shadow” (1983). Doch in den 80ern machte seine Karriere einen Knick. Die Plattenfirma verlor das Interesse. Punk übernahm die Musikszene und Oldfield musste sich neu erfinden.

Seine Jugend holte er auf Ibiza nach, mit über 40 Jahren – auf Rave-Partys in einem berüchtigten Nachtclub. “Es war wild. Großartig für eine bestimmte Zeit, aber irgendwann musst du schließlich raus”, kommentierte er 20 Jahre später im “Guardian”.

Trotz seines großen Erfolgs fehlt noch die Anerkennung durch die Queen. Möglicherweise liegt das daran, dass er Prinz Charles mal auf dessen Cello-Spiel angesprochen habe, sagte er der “Daily Mail”: “Man sollte so etwas nicht tun. Ich Idiot. Damit habe ich wohl meinen Ritterstand vermasselt.”

Von: APA/dpa