Für Moritz Bleibtreu kommen jetzt die tollen Rollen

Moritz Bleibtreu spielt gerne den gestandenen Mann

Mittwoch, 13. September 2017 | 10:34 Uhr

Moritz Bleibtreu verhilft auch weiterhin Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, zu ihrem Recht. In der zweiten ZDF-Staffel “Schuld” nach Kriminalgeschichten des Bestsellerautors Ferdinand von Schirach verkörpert er erneut den Anwalt Friedrich Kronberg.

Der Schauspielstar empfängt im Hotelzimmer mit weitem Blick über die Hamburger Außenalster. Hier kennt er sich aus, denn seit seinem zweiten Lebensjahr lebt der Sohn der unvergessenen Actrice Monica Bleibtreu (1944-2009, “Die Manns”) in der Hansestadt. “Ich bin ein Hamburger Jung’ und werde es bleiben”, erklärt der 46-jährige Vater eines Sohns im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Anlässlich der zweiten Staffel der ZDF-Serie “Schuld” nach Ferdinand von Schirach drehen sich die Antworten des Hauptdarstellers um grundlegende Entwicklungen im Fernsehen, den Sinn von Justiz und die nie aufhörende Sorge, wenn man Kinder hat.

Frage: Herr Bleibtreu, Sie hatten sich mal eine 16 Jahre währende TV-Abstinenz auferlegt, die Sie dann 2014 mit der ersten “Schuld”-Staffel gebrochen haben. Und nun wirken Sie auch in der zweiten Staffel wieder mit. Wie sind Sie denn auf den neuen Geschmack am Fernsehen gekommen?

Antwort: Das ist der Entwicklung des Kinos und des Fernsehens geschuldet. Mit dem Kino geht es seit Jahren entweder in Richtung spektakelartiges “High Concept” oder aber anspruchsvolles Arthouse. Die klassischen Genrefilme, die ich bevorzuge, haben es in Deutschland immer schwerer, überhaupt gedreht zu werden. Auf der anderen Seite interessieren sich die TV-Sender sowie die Streaming-Dienste im Netz zunehmend für komplexere Geschichten mit schauspielerisch interessanten Figuren. Solche Geschichten haben mich schon immer angesprochen – und ich gehe dahin, wo diese Geschichten sind.

Frage: Warum reizt Sie dann gerade die eher zurückhaltende Anwaltsfigur Kronberg aus Schirachs “Schuld”-Erzählungen?

Antwort: Da sind es erst einmal die unglaublichen, auf wirklichen Geschehnissen beruhenden Geschichten Schirachs, die man sich so schwer ausdenken könnte. Und darin agiert Kronberg tatsächlich eher passiv wie eine Art Conferencier. Allerdings haben die Nebenfiguren, auf die es in den einzelnen Fällen ja ankommt, dadurch sehr viel Raum und geraten umso vielschichtiger. Das ist einfach ein schlaues Konzept.

Frage: Im Gegensatz zu den Rollen, in denen man Sie sonst meist sieht, wirken Sie hier gesetzt – so als grau melierter, staatstragender Anzugträger.

Antwort: Endlich! Man lebt als Schauspieler ja von den Fächern, die einem zutraut werden. Da ist es schon schön, dass ich nun auch mal einen Anwalt oder einen Arzt mit 20-jähriger Tochter verkörpern darf. Ich stelle mit Freude fest, dass auch ich langsam in das Fach des gestandenen Mannes hineinwachse. In dem Alter kommen die wirklich spannenden Rollen. Wird ja auch Zeit!

Frage: Für die Serie haben Sie sich vermutlich mit dem Phänomen der “Justiz”, deren Möglichkeiten und Grenzen, besonders auseinander gesetzt. Was ist Ihre Einstellung dazu?

Antwort: Mir ist noch einmal überdeutlich klar geworden, wie unabdingbar unser Rechtssystem für unsere Gesellschaft ist. Eben weil es nicht moralisiert, sondern penibel nach Fakten fragt. Und alles auf Grundlage von Artikel eins des Grundgesetztes vonstatten zu gehen hat – “Die Würde des Menschen ist unantastbar”. Wäre dem nicht so, würden Hass- und Rachegefühle wohl allzu leicht die Oberhand gewinnen – etwa bei der Verurteilung eines Menschen, der vielleicht drei andere umgebracht hat. Im Moment sehe ich tatsächlich allgemein die Gefahr, dass viele Menschen so ein Bedürfnis nach übergroßer Vereinfachung à la Trump haben. Gerade weil unsere Welt so komplex ist.

Frage: Der erste Fall der neuen Staffel hat den Titel “Kinder” und es geht dabei um das Thema Kindesmissbrauch. Ist das etwas, vor dem Sie sich als Vater eines Neunjährigen im realen Leben besonders fürchten?

Antwort: Nicht direkt oder bewusst. Es ist eher grundsätzlich so, dass ich vor der Geburt meines Sohnes gar nicht wusste, was Sorgen überhaupt sind. Und dann zu akzeptieren hatte, dass ich von da ab die Sorge um das Kind quasi lebenslang mit mir herumzuschleppen habe. Selbst in diesem Moment zum Beispiel mache ich mir Sorgen darum, ob er gut betreut wird im Hotelzimmer nebenan, wohin ich ihn wegen dieses Interviewtermins mitgenommen habe. Und ob er auch noch zum Tretboot fahren auf der Alster kommt. Das Thema Kindesmissbrauch erschreckt mich dagegen genauso wie jeden anderen Menschen auch.

Frage: Wo Sie nun wieder am Fernseharbeiten Spaß haben – was steht als nächstes an?

Antwort: Gerade habe ich in Berlin und Bayern einen wieder von Oliver Berben produzierten Sechsteiler für das ZDF gemacht. Der heißt “Die Protokollantin”, hat Iris Berben in der Hauptrolle und beruht auf einer Idee des Krimiautors Friedrich Ani (“Tabor Süden”-Romane). Ein selten spannendes Ding, das wohl im nächsten Jahr ausgestrahlt werden soll.

ZUR PERSON: Moritz Bleibtreu kam 1971 in München als Abkömmling einer alten Künstlerdynastie zur Welt. Sein Vater war der österreichische Schauspieler Hans Brenner (1938-1998), seine Mutter der Bühnen-, Film- und Fernsehstar Monica Bleibtreu. Er brach die Schule ab und begann nach Aufenthalten in Paris, Italien und New York seine Karriere am Deutschen Schauspielhaus Hamburg sowie in kleineren Fernsehrollen. Kinofilme wie “Knockin’ On Heaven’s Door” oder “Lola rennt” sowie die Fatih-Akin-Erfolge “Solino” und “Soul Kitchen” machten Bleibtreu zu einem der renommiertesten deutschen Mimen. Im Jahr 2005 erhielt er die “Goldene Romy” als “Beliebtester Schauspieler”.

Von: APA/dpa

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