Regisseur Wolfgang Murnberger und Schauspieler Andreas Lust

Murnbergers “Achterbahn”: “Nur Schießerei bringt es nicht”

Montag, 10. Dezember 2018 | 08:51 Uhr

Wolfgang Murnberger schickt Tobias Moretti auf die “Achterbahn”: Im zweiten ORF-“Landkrimi”, der in Wien über die Bühne geht, gibt der Schauspieler einen korrupten Polizisten, dem pünktlich zu den Weihnachtsfeiertagen sein zwölfjähriger Sohn vor die Tür gesetzt wird, was ihm gar nicht passt. Für den Regisseur lag gerade in der Mischung aus Rotlichtmilieu und Vater-Sohn-Thema der Reiz.

“Wir überlegten uns, wie man dem eine emotionale Ebene geben kann”, so Murnberger im APA-Interview. “Nur Schießerei bringt es auch nicht.” Der Stoff, aus dem Rupert Henning nun das Drehbuch gemacht hat, geht eigentlich zurück auf eine Geschichte aus den 90ern. “Die Grundannahme ‘Korrupter Polizist im Rotlichtmilieu’ kannte ich schon. Aber es war ein ‘Bad Lieutenant’-Film”, erinnerte sich Murnberger. Mehrmals gab es Anläufe für das Projekt, bis schließlich nun unter dem Dach der “Landkrimis” Platz dafür war.

Nur dass die Handlung eben einen persönlicheren Touch bekommen hat. “Es entstand die Idee, diesen Vater-Sohn-Konflikt in diese Geschichte hineinzutragen. Es war spannend, ihm dieses Kind hinzustellen, das er nicht will. Es gibt ja Eltern, die einfach nicht können – und das muss man auch eingestehen.” In dieser Hinsicht arbeitet sich der oft sehr explizite Krimi, wenn auch nur am Rande, an einem Tabuthema ab. “Man muss ja auch einen Film über eine Mutter machen können, die ihr Kind nicht liebt. Da wird immer gesagt: Das gibt es nicht”, so Murnberger. “Aber das gibt es! Es wird nur nicht darüber geredet.”

In Sachen Zuneigung macht die Figur des Josef “Seff” Vilser (Moretti) ohnedies einen Wandel durch, wenn auch zunächst seine Verstrickungen in die Unterwelt im Vordergrund stehen, während ein junger und kritischer Kollege (Stefan Pohl) ihm zusehends auf die Nerven geht. Und der Sohnemann (Sandro Eder)? Der wird kurzerhand mit in den Dienst genommen. “Er wollte ja den Papa bei der Arbeit sehen”, entfährt es Vilser schroff, als sein Partner ihn darauf anspricht. Naturgemäß bringt das aber nicht nur Vilser, sondern auch den Bub in die Bredouille.

“Das ist dann die Kulmination der Geschichte, der Showdown, wo er es vielleicht schafft, über sein Funktionieren als Polizist sozusagen seinem Sohn helfen zu müssen – was er vorher einfach nicht geschafft hätte”, umriss Murnberger die Situation. Im Film sei man zwar “bigger-than-life, aber wir haben trotzdem versucht, es so authentisch und realistisch wie möglich zu gestalten. Die Frage ist ja immer: Wie sehr kann man die Wirklichkeit verdichten, damit es interessant wird und nicht völlig aufgesetzt wirkt?”

Seinen Teil dazubeitragen kann auch Christopher Schärf, der als Zuhälter Rabitsch einen parademäßigen Wiener Strizzi gibt. Und Andreas Lust gefällt als rechte Hand des Unterwelt-Capos. Insgesamt sei Murnberger jedenfalls diese Art der Handlung näher als die klassischen Whodunit-Krimis. “Es ist dankbarer, so etwas zu erzählen. Und ehrlich gesagt: Die interessanteren Figuren sind ja immer die Mörder, nicht die Ermittler. Der Mörder hat ja ein Problem, der macht einen Fehler. Die Ermittler sind Beamte, die in der Früh zum Tatort gehen und ihre Arbeit machen. Natürlich haben sie filmisch die interessantere Arbeit als ein Bankangestellter – wenn er nicht gerade überfallen wird. Aber wie oft wird schon eine Bank überfallen?”, lachte Murnberger.

Spannend war der Dreh des Landkrimis, der am Mittwoch um 20.15 Uhr auf ORF eins zu sehen ist, sicherlich auch für Moretti. Immerhin führt die Handlung den Polizisten Vilser und seinen Sohn mehrmals in den Prater. “Den kennt er, da ist er dienstlich unterwegs. Was soll er sonst mit dem Buben machen? Vom Kindertheater im Museumsquartier weiß er ja nichts”, schmunzelte Murnberger. “Dazu kommt, dass Tobias für uns erst das zweite Mal in seinem Leben Achterbahn gefahren ist. Der hat wirklich mehr Angst als der Bub! Es war gar nicht so einfach, ihn zu überreden, da einzusteigen.”

Von: apa