Musikpreis scheiterte an Kontroverse um Gangsta-Rapper

Musikpreis Echo wird nach Skandal abgeschafft

Mittwoch, 25. April 2018 | 21:23 Uhr

Das war es für den Echo: Der deutsche Musikpreis wird nach dem Eklat um die Ehrung für die Rapper Kollegah und Farid Bang abgeschafft. Den Preis mit diesem Namen werde es nicht mehr geben, teilte der Bundesverband Musikindustrie am Mittwoch in Berlin mit. Er reagierte damit auf die Empörung über die Preisvergabe an das als antisemitisch kritisierte Rap-Album “Jung, Brutal, Gutaussehend 3”.

Bereits vor der Echo-Gala hatte eine Holocaust-Überlebende eine Textzeile in einem Song der Rapper als judenfeindlich kritisiert. Nach der Verleihung vor zwei Wochen hatten zahlreiche Künstler aus Protest ihre Echos zurückgegeben.

Die Marke Echo sei so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei, heißt es in der Mitteilung des Verbandes. Das ziehe auch eine Neuaufstellung beim Echo Klassik und beim Echo Jazz nach sich. Die bevorstehenden Jazz-Preise sollen am 31. Mai in Hamburg in kleinerem Kreis ohne TV-Inszenierung verliehen werden.

Deutschland brauche als drittgrößter Musikmarkt der Welt “zur genre- und generationsübergreifenden Auszeichnung von Künstlerinnen und Künstlern” weiterhin “Musikpreise mit Leuchtturm-Charakter”. Man wolle jedoch keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen werde.

Das um die Echo-Verleihung herum Geschehene, wofür der Vorstand sich entschuldigt habe, könne zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden, man werde aber dafür sorgen, dass sich ein solcher Fehler in Zukunft nicht wiederhole, heißt es in der Mitteilung des Verbandes.

Nach der umstrittenen Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang hatten zahlreiche Musiker ihre Echos zurückgegeben – darunter Stardirigent Daniel Barenboim und Sänger Marius Müller-Westernhagen. Das Album der Rapper enthält Textzeilen wie “Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen” und “Mache wieder mal ‘nen Holocaust”. Bei der Echo-Gala in Berlin hatte Sänger Campino von den Toten Hosen auf der Bühne angeprangert, dass eine Grenze überschritten worden sei. Ein Echo-Sponsor sprang ab.

Die Bertelsmann Music Group (BMG) hat sich inzwischen von den Rappern Farid Bang und Kollegah getrennt. Das geht aus einer Erklärung der Bertelsmann-Tochter hervor, die der Deutschen Presse-Agentur seit Mittwoch vorliegt. “BMG hat die Zusammenarbeit mit den Künstlern Kollegah und Farid Bang beendet”, heißt es in der Stellungnahme. Zum genauen Zeitpunkt der Trennung wollte sich ein Sprecher nicht äußern. Zuvor hatten das “Westfalen-Blatt” in Bielefeld und “Die Glocke” (Oelde) über das Vertragsende berichtet. In der vergangenen Woche hatte BMG angekündigt, die Zusammenarbeit mit den Rappern vorerst ruhen zu lassen.

Der Deutsche Musikpreis Echo wurde seit dem Jahr 1992 verliehen. Die Gewinner wurden überwiegend auf Grundlage ihrer verkauften Alben ermittelt. Der Bundesverband Musikindustrie erklärte, für einen Neuanfang habe der Vorstand bereits erste konkrete Schritte benannt. Er werde die drei Preise in eine eigene Struktur überführen.

“Im Zuge dessen werden auch die bisher involvierten Gremien ihre Tätigkeit einstellen. Die Kriterien der Nominierung und Preisvergabe werden dabei vollständig verändert.” Wie beim Echo Klassik und Echo Jazz, die von Beginn an reine Jury-Preise gewesen seien, solle beim neuen Musikpreis auch für den Pop-Bereich die Jury stärker in den Vordergrund rücken.

“Für die Konkretisierung der Änderungen wird sich der Vorstand die erforderliche Zeit nehmen. Mit dem erklärten Ziel, den neuen Preis im Sinne aller Künstler sowie der gesamten Branche zu gestalten, soll es im Juni einen Workshop geben, um möglichst viele Ideen und Erwartungen aus der Branche beim Prozess der Neugestaltung einzubeziehen.” Der Verband sei zudem bereits “an Institutionen herangetreten, um die gesellschaftlich notwendige Debatte über die Kunstfreiheit und ihre Grenzen mitzugestalten.”

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, sagte den ARD-“Tagesthemen”, das Aus für den Musikpreis sei eine “Entscheidung, die man nur begrüßen kann”. Sie komme spät, “aber besser spät als nie”.

Im Netz gab es Spott und Schadenfreude: Musiker Thomas D. twitterte: “Der Echo wird abgeschafft?!?!?! Hahahahahahahahahahahahah”. Der Musiker und “Tatort”-Star Jan Josef Liefers schrieb bei Facebook: “2 Rapper und eine hirn- und gefühllose Zeile schicken ECHO ins kühle Grab.” In Anspielung auf einen eigenen Hit twitterte Andreas Bourani: “Ein Hoch auf das was vor uns liegt 🙂 #ECHO #Veränderung”

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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18 Kommentare auf "Musikpreis Echo wird nach Skandal abgeschafft"


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Calimero
Calimero
Superredner
26 Tage 11 h

Ha,ha, ha…..bravo Kollegah….
Dem Schmierentheater ein Ende bereitet.

Etschi
Etschi
Tratscher
26 Tage 9 h

Bravo, mit Hass und Antisemitismus Musik zerstören…

super
super
Grünschnabel
26 Tage 6 h

@Etschi Der liebe Echo hat nicht mit Musik zu tun sondern nur mit Kommerz. Und zuerst informierst du dich lieber über das Genre Rap…

Tabernakel
25 Tage 3 h

@Etschi

Wer hat freiwild nominiert…?

PuggaNagga
PuggaNagga
Universalgelehrter
26 Tage 8 h

Was tun jetzt alle so schlutzig? Wäre es nicht besser gewesen von vorne herein solche Musik zu boykottieren und von jeder Verleihung eines Preises auszuschliessen? Keine Preise, Lorbeeren und Huldigungen für solche menschenverachtende Musik!

super
super
Grünschnabel
26 Tage 6 h
Ist halt nicht Menschenverachtend, sondern es war eben eine Zeile welche man auch falsch verstehen kann. Bei Rap geht es um Image also Selbstdarstellung und die Zeile war halt etwas gewagt. Soll aber einfach aufzeigen das die beiden Rapper “breit”=”Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen” sind, dass ihnen nicht mal der Holocaust etwas anhaben kann. Und wie es scheint ist dem so, der Preis hat sich ja schließlich selbst vernichtet, da die beiden Rapper anscheinend so krass sind. Aber das Lied wurde nicht mal als Jugendgefärdent eingestuft. Einzig paar Promis haben sich darüber aufgeregt. Die Deutschen wissen halt nicht wie… Weiterlesen »
Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
26 Tage 2 h

@super 
die dummmenschen hängen sich immer an einer zeile auf. ich kannte diese rapper gar nicht. habe mir dann einige interviews von ihnen angesehen. ihre aussage zum thema wird nie in den medien gebracht. immer nur zwei zeilen ihrer x lieder. übrigens sie haben reportern 25000 euro versprochen wenn sie über ein gewisses thema berichten.

Blitz
Blitz
Superredner
26 Tage 9 h

Wer braucht schun an Echo !!

TF2
TF2
Grünschnabel
26 Tage 6 h

Alle Musikpreise abschaffen! Allen voran den Eurovisionscontest!

PuggaNagga
PuggaNagga
Universalgelehrter
25 Tage 13 h

Nein bitte nicht den Eurovisionscontest abschaffen. Der wirkt besser als eine ganze Schachtel Schlaftabletten!

enkedu
enkedu
Kinig
26 Tage 8 h

Sagte ich doch. Und umgebracht hat ihn die Jury.

Staenkerer
26 Tage 9 h

na also, heat jo
a kasperletheater sein auflößbar ….

stief
stief
Tratscher
26 Tage 9 h

😱😂😂😂

Paul
Paul
Superredner
26 Tage 6 h

guat aweck..

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Superredner
26 Tage 9 Min

kann mit dieser art von musik gar nichts anfangen und verachte solche „künstler“ vollkommen.
traurig das solch eine musik einen preis bekommt, noch trauriger das sich solche musik verkauft

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
25 Tage 18 h

die Echos kommen und gehen, die Rapper aber bleiben. Heuchelei und Doppelmoral, armes Deutschland.

fanalone
fanalone
Tratscher
25 Tage 20 h

Viele interessante Fragen kommen mir in diesem Zusammenhang, bspw. wie konnte es bis zur Preisverleihung kommen? Oder anders, hätte ein Eingeborener “Künstler” der diese Texte zum besten gibt eine Nominierung für einen Musikpreis erhalten? Wie kommt es das man vor Jahren um Freiwild einen Riesenzirkus im Vorfeld veranstaltet hat und hier nicht? Und überhaupt, aber das ist jedem selbst überlassen, was ist an dieser ebenso brutalen wie primitiven Ausdrucksform preisverdächtig.

Tabernakel
25 Tage 3 h

Von Freiwild hört man nichts, nichts, nichts,…

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