Otto Schenk wird vom ORF mit einer neuen Doku geehrt

Neue Otto Schenk-Doku zum 70. Bühnenjubiläum auf ORF III

Mittwoch, 04. Oktober 2017 | 16:08 Uhr

Otto Schenk feiert heuer sein 70-jähriges Bühnenjubiläum. Aus diesem Anlass präsentiert ORF III am Nationalfeiertag (26. Oktober, 20.15 Uhr) die neue Dokumentation “Otto Schenk – Porträt eines Unermüdlichen”. Das erste Mal auf der Bühne stand der heute 87-Jährige 1947 als Gendarm in Karl Schönherrs “Karnerleut” im damals in der Urania beheimateten Theater an der Jugend.

Produziert von Philipp Schwinger, finden sich in dem Film Ausschnitte aus legendären Programmen sowie Gespräche mit dem “stinkfleißigen” Jubilar selbst. Darüber hinaus wurden mehr als 20 Wegbegleiter – darunter Dagmar Koller, Harald Serafin, Gregor Bloeb oder Teddy Podgorski – interviewt, die sich dem Publikumsliebling über persönliche Anekdoten annähern.

Die titelgebende Unermüdlichkeit ist dem mittlerweile 87-Jährigen nicht abzusprechen. “Ich bin nur Überarbeitung gewohnt”, hatte er schon zum 80er erklärt. Daran hält sich der Wiener Schauspieler, der sich als Theater- und Opernregisseur einen Namen gemacht, 1988 bis 1997 das Theater in der Josefstadt geleitet und sich in mehreren tausend Vorstellungen und Rezitationsabenden in die Herzen des Publikums gespielt hat, auch weiterhin.

So steht der Schauspieler derzeit wieder in den Kammerspielen der Josefstadt auf der Bühne, und zwar in Bob Larbeys “Schon wieder Sonntag”, der letzten Regiearbeit des 2015 verstorbenen Helmuth Lohner. Allein im Oktober stehen vier Termine auf dem Spielplan, bis Jahresende sind es insgesamt zehn Abende, im neuen Jahr geht es weiter. Daneben absolviert Schenk auch Auftritte mit unterschiedlichen Programmen, etwa am 12. Oktober im Theater Akzent und am 22. Oktober im Orpheum mit “Perlen des Humors”, im Stadtsaal gibt es am 29. Oktober “Sternstunden und alte Hüte”, bevor im November dann die ersten Weihnachtslesungen starten. Auch auf der Leinwand ist Otto Schenk nach wie vor präsent, zuletzt etwa in Michael Kreihsls “Liebe möglicherweise” im Jahr 2016.

Sein fortschreitendes Alter thematisiert Schenk in der Dokumentation gewohnt launig: “Inzwischen ist mein Sport der nächste Schritt, der ist schon eine Leistung. Und wenn ich mich umdrehe, ist das schon eine tänzerische Bewegung.” Über sein dem widersprechendes immenses Arbeitspensum sagte er bereits vor einigen Jahren: “Ich bin ein schwerer, träger Mühlstein, und immer wieder hat es Leute gegeben, die dieses Mühlrad bewegt haben.” Diese Leute scheint es im Laufe von 70 Jahren, in denen er auf rund 170 Inszenierungen kam, immer wieder gegeben zu haben.

Geboren wurde Otto Schenk am 12. Juni 1930 in Wien als Sohn eines Notars und einer aus Triest stammenden Mutter. Beim Vorsprechen am Max-Reinhardt-Seminar als Zettel überzeugte er u.a. die große Helene Thimig. Mit einer Gruppe gleichgesinnter Theater-Enthusiasten übernahm er in dieser Zeit auch das Parkring-Theater und landete mit Erich Neubergs Inszenierung von Becketts “Warten auf Godot” einen großen Erfolg. Aus den Kellertheatern wechselte er Mitte der 50er über das Volkstheater ans Theater in der Josefstadt.

Den Durchbruch als Regisseur feierte Schenk 1960 mit seiner Josefstadt-Inszenierung von Eugene O’Neills “O Wildnis!”. Es folgten Horvath-Inszenierungen an den Münchner Kammerspielen (“Geschichten aus dem Wiener Wienerwald”, 1966 und “Kasimir und Karoline”, 1969), Regiearbeiten am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, bei den Salzburger Festspielen – u.a. Shakespeares “Was ihr wollt” (1972) und “Wie es euch gefällt” (1980) sowie die Nestroy-Stücke “Der Talisman” (1976) und “Der Zerrissene” (1982, mit sich selbst als Gluthammer) – und an der Burg. Sein Schauspieldebüt am Burgtheater gab er erst 1996 als Hohes Alter in Raimunds Zaubermärchen “Der Bauer als Millionär”.

Als Opern-Regisseur machte Schenk Weltkarriere. Seine erste Oper inszenierte er mit Mozarts “Zauberflöte” bereits 1957 am Salzburger Landestheater. Den endgültigen Durchbruch in dieser Sparte schaffte er 1962 mit Bergs “Lulu” an der Wiener Staatsoper. Bei den Salzburger Festspielen (wo er 1986-88 Direktoriums-Mitglied war) inszenierte er u.a. die Uraufführung von Cerhas “Baal” (1981). Die New Yorker Met, wo Schenk 1970 mit “Fidelio” debütierte und 2009 noch einmal seinen “Ring des Nibelungen” (1986-88) auf die Bühne brachte, wurde seine zweite Heimat. Hier brach er für eine Zusammenarbeit mit Anna Netrebko 2006 auch seinen Eid, sich endgültig von der Regie zurückzuziehen, und inszenierte Donizettis “Don Pasquale”. 2014 folgte an der Wiener Staatsoper “Das schlaue Füchslein” von Leos Janacek.

Schenk hat sich mit unzähligen Rollen in das Gedächtnis des Publikums gespielt, etwa als “Bockerer” (1984 im Münchner Volkstheater bzw. 1993 in der Josefstadt), als Fortunatus Wurzel in “Der Bauer als Millionär” (Salzburger Festspiele, 1987), als “Volpone” (1989), als Salieri in Shaffers “Amadeus” (1991), als Zauberkönig in “Geschichten aus dem Wiener Wald” (1994), als Molieres “Der Geizige” (1995), als Rappelkopf in Raimunds “Der Alpenkönig und der Menschenfeind” (Salzburger Festspiele, 1996), in Turrinis “Josef und Maria” (1999) oder als Thomas Bernhards “Theatermacher” (2006).

Seine Popularität in Österreich verdankt Schenk auch seiner regen Bildschirm-Präsenz und seinen zahlreichen Lesungen. Mit Kabinettstücken wie “Die Sternstunde des Josef Bieder” (seit 1992) oder “Othello darf nicht platzen” (ab 1990) hat er sich vor allem als Komiker ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben. “Es war nicht immer komisch”, hat er dagegen ein Erinnerungs-Buch genannt, “Ich war nie darauf aus, dass es komisch wird. Ich war darauf aus, dass man mir glaubt”, beteuerte er damals.

Kammerschauspieler ist er ebenso längst wie Ehrenmitglied von Wiener Staatsoper und Theater in der Josefstadt, zum 80er wurde er auch “Bürger von Wien”. “Die Kunst, zum Lachen zu bringen, ist Otto Schenk wie kaum einem anderen gegeben. Weil dieses Lachen aber mit dem geheimen Erkennen menschlicher Fehlbarkeit verbunden ist, lieben ihn die Menschen”, hieß es 2000 in der Begründung für den Lebenswerk-“Nestroy”. 2016 folgte schließlich die Platin-Romy für sein Lebenswerk.

Von: apa

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