42-Jährige Kasumba wird erste dunkelhäutige "Tatort"-Kommissarin

Neue “Tatort”-Ermittlerin muss mit Alltagsrassismus leben

Mittwoch, 30. Januar 2019 | 16:01 Uhr

Florence Kasumba wird am Sonntag (3. Februar) in ORF 2 Geschichte schreiben: Die 42-Jährige wird mit der NDR-Folge “Das verschwundene Kind” die erste dunkelhäutige “Tatort”-Kommissarin. Ein weiterer Karriereschritt für die gelernte Musicaldarstellerin, die auch schon in Klagenfurt, Linz und Amstetten auf der Bühne stand – und in Hollywoodproduktionen wie “Black Panther” oder “Avengers” mitspielte.

Frage: Bei der ersten Begegnung hält Charlotte Lindholm ihre neue Kollegin zunächst für eine Putzfrau – weil die als dunkelhäutige Person in einem Kittel und mit Eimerchen in der Gerichtsmedizin herumsteht. Ist das eine Form von Alltagsrassismus, den Sie kennen?

Kasumba: Ich muss tatsächlich mit Alltagsrassismus leben, aber ich gehe mit Positivität damit um. Wir sollten auch nicht vergessen, dass wir ja alle so einen Automatismus haben: Wir sehen eine bestimmte Person und haben sofort unsere Vorstellungen. Vielleicht kann die Besetzung meiner Person für diese Rolle manchen Leuten die Augen öffnen: Da ist eine dunkelhäutige Deutsche, die in ganzen Sätzen spricht, die vernünftig und gebildet ist, sich für die anspruchsvolle Aufgabe einer Kommissarin qualifiziert hat und dazu noch ihre ganz persönliche Geschichte mit sich herumträgt. Natürlich ist Charlotte bei ihr voll ins Fettnäpfchen getreten, aber wir können alle daraus lernen: Wie gehe ich auf andere Menschen zu? Im Übrigen hat auch Anais ihre Vorurteile. Keiner kann sagen, er ist davon frei.

Frage: Es ist bekannt, dass Sie sich schon vor vier Jahren laut gewünscht haben, einmal Deutschlands erste dunkelhäutige “Tatort”-Ermittlerin zu sein. Wie hat das geklappt?

Kasumba: Ich bin mit dem “Tatort” aufgewachsen, sonntagabends wurde das bei uns geguckt. Inzwischen war ich in einigen Episoden zu Gast und mag auch die Arbeit mit den Kollegen. Da habe ich mich dann umgeguckt und mir gedacht, da könnte man doch ein bisschen Farbe reinbringen. Und weil ich meine Wünsche immer sehr konkret formuliere, habe ich das auch hier getan. Dann hat es sich so gefügt.

Frage: Laut dem verantwortlichen Sender NDR sollte ihre Hautfarbe gar nicht im Mittelpunkt stehen. Vielmehr sollte das als ganz selbstverständlich rüberkommen.

Kasumba: So ist es. Ich finde es zum Beispiel eher interessant zu sehen, wie Anais agiert – teils ganz schön aggressiv und schlagkräftig. Viele meinen vielleicht, sie sei untypisch, Frauen seien doch weicher. Aber wer behauptet das? Wir sprechen hier ja auch von Frauen, die bei der Kriminalpolizei arbeiten. Da bringe ich nicht die Wärme mit, wie wenn ich zur Kita gehen würde. Da muss ich eine gewisse Härte mitbringen, um überhaupt ernst genommen zu werden.

Frage: Die Entwicklung des Films zeigt, dass Anais zwei Seiten hat – die zweite ist verletzlich und einfühlsam. Sind Sie ähnlich? Ihre eigene körperliche Fitness haben Sie bekanntermaßen durch Kampfsport gesteigert.

Kasumba: Dazu muss ich sagen, dass ich es als Glück empfinde, so erzogen zu sein, dass man mir nicht beigebracht hat, als Frau musst du so und so sein. Meine Geschwister und ich wurden gleich erzogen, unabhängig von Stereotypen. Als Mädchen hätte ich auch zum Fußballtraining gehen können und nicht zwingend zum Tanzen. Das hilft unheimlich, weil ich mich völlig ausprobieren durfte. Zum Kampfkunst-Training habe ich mal ein Schwert mitgebracht, was andere irritiert hat. Aber warum nicht? Ich habe nie darüber nachgedacht, dass ich bestimmte Sachen nicht machen sollte, weil ich eine Frau bin.

Frage: Auch wenn viele Zuschauer Sie jetzt erst näher kennenlernen, haben Sie ja schon viele Erfolge gefeiert. Nicht zuletzt in Hollywood – wie ist Ihnen das gelungen?

Kasumba: Ich bin ein sehr privater Mensch. Gezielte Medienarbeit betreibe ich nicht. Deshalb kennt mich der normale Zuschauer wohl eher nicht. Wie ich im Ausland gefunden wurde? Ich arbeite ja schon seit mehr als 20 Jahren, habe etwa bei Musicalproduktionen wie “Cats” und “Der König der Löwen” Amerikaner kennengelernt, die uns diese Shows beigebracht haben. Außerdem gibt es in London eine Agentur, die mich schon seit 2013 ins Ausland vermittelt. Das war nicht so geplant, es hat sich einfach vieles ergeben.

Von: APA/dpa

Kommentare

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14 Kommentare auf "Neue “Tatort”-Ermittlerin muss mit Alltagsrassismus leben"


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tschonwehn
tschonwehn
Grünschnabel
19 Tage 18 h

Oh nein, nicht schon wieder ein neuer Tatort. Die Tatorte sind so überflüssig wie Fußpilz. 👹

m69
m69
Kinig
19 Tage 16 h

https://www.suedtirolnews.it/user/tschonwehn/

Teile deine Meinung zu 1000% , nicht weil jetzt der/die Kommissar*in schwarz ist, sondern weil es eine schwachsinnige Serie ist, gedacht für senile Menschen!

Rechner
Rechner
Superredner
19 Tage 14 h

Aber die Zahlen stimmten. Über 20 Prozent Einschaltquote. Davon können andere nur träumen.

tschonwehn
tschonwehn
Grünschnabel
19 Tage 32 Min

@Rechner Wenn ich von etwas träume, dann ist es von einer richtigen, gehaltvolleren Sendung und nicht vom Ergebnis einer solchen flachen Serie.

tschonwehn
tschonwehn
Grünschnabel
19 Tage 28 Min

Wenn ich an Einschlafstörungen leide gucke ich Tatort.

Mutti
Mutti
Superredner
19 Tage 19 h

Wiso net, wennse ihre Rolle guat spielt…

traktor
traktor
Universalgelehrter
19 Tage 16 h

hübsches mädel…
freue mich

george
george
Tratscher
19 Tage 14 h

Du darfst eine Frau nicht auf ihr Äußere s reduzieren!

typisch
typisch
Universalgelehrter
19 Tage 15 h

Die arme, arber nur keine angst, jetzt steigen die einschaltquoten

Rechner
Rechner
Superredner
19 Tage 14 h

Tatort hat schon die höchsten Quoten in Deutschland.

tschonwehn
tschonwehn
Grünschnabel
19 Tage 26 Min

@Rechner Armes Deutschland 😭

MayerSepp
MayerSepp
Grünschnabel
19 Tage 12 h

Der “Tatort” war früher eine gute Krimiserie. Spätestens seit der illegalen Masseneinwanderung nach Europa im Jahr 2015 betreibt er aber politische Propaganda im Sinne einer ausschließlich positiven Darstellung von kultur- und raumfremder Einwanderung. Daß die Einschaltquoten weiterhin noch so hoch sein sollen wie noch vor einigen Jahren, also bevor (Einwanderungs-) Politik statt Krimi gemacht wurde, darf stark bezweifelt werden. Was kommt als nächstes? Die Oberstaatsanwältin raucht nicht mehr und hat keine rauhe Stimme mehr, sondern kommt aus der Türkei, trägt Kopftuch und geht zur Demo für “Buntheit, Tol(l)eranz und Vielfalt”?

Rechner
Rechner
Superredner
19 Tage 14 h

Daran wird man sich gewöhnen müssen. In Deutschland haben 20 Millionen Menschen einen Migrationshintergrund. In 30 Jahren werden es ca. 35 Millionen sein.
Aber ich kann die rechten Schreier hier beruhigen. Sie sind nicht alle schwarz(-;

Tabernakel
19 Tage 13 h

Mit welcher Absicht machen Medien das zum Thema?

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