Brian May ist auch als 70-Jähriger viel beschäftigt

Neues Buch “Queen in 3-D” von Brian May

Freitag, 06. Oktober 2017 | 13:34 Uhr

Ursprünglich als Fotobüchlein mit ein paar Erläuterungen gedacht, ist aus dem heute, Freitag, erscheinenden “Queen in 3-D” von Brian May (deutsche Edition/earBooks) ein fetter Prachtziegel von einem Bildband geworden. Noch dazu ist es die erste Printpublikation aus der Hand eines Queen-Bandmitglieds. Das Besondere sind die 3-D-Fotografien, die mittels Lesebehelf durch den Raum der Zeit führen.

Die Idee, die von Brian May angefertigten und gesammelten Schnappschüsse zu veröffentlichen, ist schon viele Jahre alt, nur mangelte es dem nach wie vor viel beschäftigten 70-Jährigen an Zeit. Schlussendlich engagierte der Gitarrist und Astrophysiker einen Stereoskopie-Historiker, der mit einem hauseigenen Experten die Archive durchstöberte. Stand am Anfang des Projekts die Befürchtung, ob überhaupt genug Material für ein Fotobuch vorhanden wäre, so waren letztendlich harte Entscheidungen zu treffen, was ob der Fülle weggelassen werden musste.

Aus den geplanten Erläuterungen wurden umfangreiche Aufsätze, die May trotz ihrer Ausführlichkeit als “mehrdimensionale Kurzfassung der Geschichte von Queen” verstanden wissen will – dennoch darf man getrost von einer zwar nicht vollständigen, aber in jeder Hinsicht vollwertigen Bandbiografie sprechen. Die von May angewandten drei Methoden des Fotografierens werden erklärt, ein kurzer historischer Abriss der Stereoskopie führt zurück in die 1830er Jahre. Besonders viel Einblick ins Innenleben der Band bietet May aber mit seinen sehr offenherzigen Erzählungen über den Studio- und Touralltag. Das Bandkonglomerat war noch ganz frisch, als May Anfang der 1970er-Jahre Stereoaufnahmen von allerersten Queen-Studiosessions anfertigte. Von damals an bis zur Gegenwart war die Kamera immer mit auf Tour.

Bevor man allerdings in einige Etappen der weitläufigen Bandgeschichte eintaucht, erschließt erst einmal eine Gebrauchsweisung die richtige Benutzung des Buches. Der von May eigens entwickelte und patentierte Sehbehelf “Owl” (Eule), eine Plastikapparatur mit verstellbarer Sehschärfenregelung, erleichtert das räumliche Wahrnehmen der Stereobilder. Geübtere schaffen das auch ohne Brille, was sich dann “freier Parallelblick” nennt, bei dem man beim Fotobetrachten mit entspannten Augen in unendliche Ferne schaut.

Mays erste Stereofotografien datieren aus dem Jahr 1959, nachdem er als Zwölfjähriger auf 3-D-Kärtchen gestoßen war, die den Zerealienpackungen der damaligen Zeit quasi als Kinderüberraschung beigelegt waren. Ohne entsprechenden Fotoapparat experimentierte er mit der zu Hause verfügbaren, primitiven Kamera und erkundete so Schritt für Schritt die Gesetzmäßigkeiten der Stereoskopie und gründete die Ein-Mann-Firma “Seethroo Ltd.”. Heute ist er Chef der “London Stereoscopic Company”, die sich ganz dieser Spezialdisziplin der Fotokunst verschrieben hat.

“Queen in 3-D” enthält mit seinen gut 350 Aufnahmen kein einziges Foto, das man zuvor schon mal zu Gesicht bekommen hat, obwohl gerade die sozialen Netzwerke nahezu täglich jeden irgendwo auf der Welt verstreuten Fotoschnipsel hochspülen. Die Motive zeigen etliche Livestationen der Band – erste Kontaktaufnahme mit den USA, die Eroberung Japans, die letzte Europatour zu Lebzeiten Freddie Mercurys 1986 bis hin zu gegenwärtigen Auftritten mit Adam Lambert -, noch bemerkenswerter sind aber die festgehaltenen Momente in der Garderobe, im Studio und die vielen privaten Augenblicke der vier Musiker. Durch die detailgetreuen Schilderungen Mays und die ungesehenen Fotografien allein ist der Bildband schon die Investition wert, die Möglichkeit aber, mittels “Eule” in die vor dem Auge lebendig werdenden Situationsräume förmlich eintreten zu können, macht diese Publikation zu einem nostalgischen Vergnügungspark, den man so schnell nicht wieder verlassen möchte.

Von Winfried Radl/APA

INFO: Brian May: “Queen in 3-D” inkl. 3-D-Brille (“Owl”), earBooks, 256 Seiten, 41,10 Euro; www.londonstereo.com; www.brianmay.com

Von: apa

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