Nick Cave mit Nicholas Lens und Litaneien

Nick Cave mit “Lockdown-Oper”

Dienstag, 01. Dezember 2020 | 11:06 Uhr

Gerade erst hat Nick Cave ein Live-Album veröffentlicht: Das im November erschienene “Idiot Prayer” ist eine Art “Best of” seiner Lieder, die er coronabedingt allein im Londoner Alexandra Palace am Klavier eingespielt hatte. Nur ein Jahr alt ist das gefeierte Band-Studioalbum “Ghosteen”. Und schon ziert der Name des rastlosen Rock-Düstermanns ein weiteres Album – nach Caves eigener Aussage eine “Lockdown-Oper”.

Verehrer dieses großartigen Sängers müssen sich für “L.I.T.A.N.I.E.S. written by Nick Cave & Nicholas Lens” umstellen. Denn dies ist eine ambitionierte, gleichwohl gewöhnungsbedürftige Neoklassik-Platte, auf der diverse Vokalisten (darunter nicht Cave selbst) und ein Kammerorchester zwölf “Litaneien” des 63 Jahre alten Australiers aufführen. Der Songpoet hat die Texte speziell für ein neues Vokalwerk des gleichaltrigen Belgiers Nicholas Lens geschrieben.

Die Litaneien seien “eine reine Form der Poesie”, sagt Lens – ein “lyrischer Minimalismus, der in Trance versetzen kann”. Und auf einen so entspannten Zustand zielen auch die Kompositionen des Brüsselers.

Zu Beginn der Pandemie hatten sich die beiden so unterschiedlichen Musiker in derselben Situation wiedergefunden: Lens’ Opern waren abgesagt, Caves Nordamerika- und Europa-Konzerte mit The Bad Seeds auf 2021 verschoben worden. Lens und Cave hatten zuvor schon bei der Oper “Shell Shock” (2014) zusammengearbeitet.

Der Sänger erinnert sich: “Meine Welttournee war abgesagt, und ich trieb verloren in einem seltsamen Gefühl des Unbehagens, zugleich apokalyptisch und langweilig. Nicholas rief mich an und fragte, ob ich zwölf “Litaneien” schreiben könnte. Ich sagte sofort zu, schlug nach dem Gespräch als erstes nach, was eine Litanei ist – eine Abfolge von religiösen Bittgebeten – und erkannte, dass ich zeit meines Lebens nichts anderes geschrieben habe.”

Die Stücke, so Cave weiter, seien “Bittgebete an einen göttlichen Schöpfer um eine kosmische Antwort” und “eine einstündige tranceartige Reise, eine fantastische Fahrt, die den Zuhörer durch seltsame Regionen führt”. Erhellende Antworten und tolle Reisen – beides kann man in dieser komplizierten Zeit brauchen.

Von: APA/dpa