Letzter Auftritt von Ewald Pfleger und Herwig Rüdisser

Opus: “Durch Musik weiterleben, die wir gemacht haben”

Mittwoch, 22. Dezember 2021 | 10:00 Uhr

Opus verabschiedeten sich am Montag und Dienstag in der Grazer Oper vor jeweils 1.400 Zusehern von ihrem Publikum. Die APA sprach mit Gitarrist Ewald Pfleger und Sänger Herwig Rüdisser vor dem allerletzten Konzert am Dienstag über ihre bemerkenswerte Karriere und deren Schlusspunkt.

APA: Was hat euch nach 48 Jahren dazu bewogen, die Band an den Nagel zu hängen?

Rüdisser: Wir wollen aufhören, wenn wir das Gefühl haben, wir sind jetzt alle gut drauf. Wir wollten auf keinen Fall die 38. Abschiedstournee spielen und, wie wir alle wissen, kann auch relativ schnell etwas passieren, wo wir dann nicht mehr in der Lage wären, etwas Derartiges abzuliefern.

APA: Ihr habt eine Reihe prominenter Austropop-Mitstreiter für das große Finale gewinnen können. Wie hat sich das ergeben?

Pfleger: Wir haben schon 1978 beim Austria Rock-Festival angefangen, österreichische Bands und Acts einzuladen. Damals haben sich die Freundschaften mit der österreichischen Szene entwickelt – von Ambros, Danzer bis Falco. Drahdiwaberl haben bei uns gespielt, Clockwork mit dem Bilgeri aus Vorarlberg ist gekommen, No Bros aus Tirol, und die STS sowieso. Alle Künstler und Musiker, die wir damals kennengelernt haben, sind uns bis heute verbunden und deshalb haben wir heute elf Gäste. Wir freuen uns sehr, dass so viele zugesagt haben, mit uns den Abschied zu feiern.

APA: Hattet ihr Angst, dass die Reunion von STS euch bei den letzten zwei Konzerten die Show stehlen könnte?

Rüdisser: Nein. STS haben ja in dem Sinn kein Konzert gespielt. Die Show war eigentlich, dass man die Drei wieder gemeinsam auf die Bühne kriegt. Das war der Kick an der ganzen Geschichte. Ewald mit seinen Überredungskünsten hat es geschafft. Die Leute haben das natürlich goutiert und sind ausgeflippt.

APA: Was war rückblickend der schönste Moment in der Geschichte von Opus?

Rüdisser: Für mich gab es so viele schöne Punkte, aber einer war sehr ausschlaggebend für unsere Karriere. Wir sind in Judendorf-Straßengel in der Küche gesessen und plötzlich rief unser Management an. Wir wurden verständigt, dass wir in Deutschland Nummer eins in den Charts sind. Da hab ich mir gedacht, das ist eigentlich arg. Für so einen Moment arbeitest du ja ein Leben lang.

Pfleger: Wir sind eine der wenigen österreichischen Bands, die eine Amerika-Tournee gemacht haben oder so um die 14 Mal in Moskau gespielt haben und das meist vor Riesen-Publikum. Zwei ganz spezielle Auftritte waren das Open-Air in Liebenau (1985, Anm.) mit schon damals vielen Freunden und ein tolles Open-Air an der Pazifikküste in Chile, wo zwei Mal 30.000 Leute versucht haben, alle Songs mit uns mitzusingen. Was nicht ganz gelungen ist, aber die Begeisterung war riesengroß.

APA: Gab es auch einen Tiefpunkt?

Rüdisser: Ein Knick in unserer Karriere war damals, als Ewald und Günther 1988 zum Bundesheer mussten. Damit hatten wir eigentlich nicht gerechnet, weil bei allen möglichen Tennisspielern, Formel-1-Fahrern und Skifahrern gab’s nie eine Diskussion. Die waren halt nicht beim Bundesheer. Wir waren damals auch international unterwegs. Da kannst du nicht einfach sagen: Super, zwei aus der Band gehen plötzlich zehn Monate zum Bundesheer. Etwas mehr Sensibilität vom Ministerium hätte ich mir da schon erwartet.

APA: Wie geht es für euch nach dem letzten Konzert weiter?

Pfleger: Wir werden die Karriere auf der Bühne beenden, aber Opus wird weiterleben, durch die Musik, die wir gemacht haben und ein neues Live-Album von den beiden Abschluss-Konzerten.

APA: Eventuell auch noch einmal eine Studio-Platte?

Pfleger: Wir haben mit dem Album “Opus Magnum” gesagt, das wird unser letztes großes Werk. Da haben wir über ein Ende zu diskutieren begonnen und gesagt, auch letzte Konzerte wären interessant. Wenn man nach 16 Alben sagt, das ist das allerletzte Opus-Album, dann ist es auch sinnvoll einen Abschied zu feiern. Deswegen wird es kein neues Studio-Album mehr geben.

APA: Obligatorische letzte Frage: Sag niemals nie?

Rüdisser: Wir sind eine Band wie nicht so viele. Wir sagen: Das war’s jetzt und das wird’s auch sein. Wenn wir etwas ankündigen, dann wird es auch so passieren.

(Das Gespräch führte Andreas Stangl/APA)

Von: apa