Casey Affleck bleibt den Oscars wegen Belästigungsvorwürfen fern

Oscar-Verleihung findet im Schatten der MeToo-Debatte statt

Donnerstag, 22. Februar 2018 | 17:40 Uhr

In politisch bewegten Zeiten, scheinen auch die Oscars nicht ohne politische Debatte auszukommen. Nachdem 2016 die Diskussion unter dem Hashtag “OscarsSoWhite” über das Ignorieren von Afroamerikanern die Preisverleihung beherrschte und sich im Vorjahr der Unmut über den neuen US-Präsidenten Donald Trump inklusive seines frisch ausgesprochenen Reisebanns Bahn brach, ist es heuer die MeToo-Debatte.

Die Aufwallungen gegen sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch in Hollywood – ausgelöst durch die Fälle Harvey Weinstein und Kevin Spacey – werden in den Reden bei der Gala am 4. März mit Sicherheit einen zentralen Stellenwert einnehmen. Aber bereits im Vorfeld hatten die MeToo- respektive das Derivat der Time’sUp-Kampagne ihre Schatten vorausgeworfen. Casey Affleck, Vorjahresgewinner der Hauptdarsteller-Kategorie, hat nach Belästigungsvorwürfen seine Teilnahme abgesagt. James Franco, mit ähnlichen Beschuldigungen konfrontiert, wurde für seine hochgelobte Interpretation in “The Disaster Artist” nicht einmal nominiert – was ebenso für Woody Allens aktuelles Werk “Wonder Wheel” gilt. Jüngst hatte Allens Tochter Dylan Farrow ihre Missbrauchsanklage gegen den Vater erneuert.

Eine gute Nachricht an der Geschlechterfront kommt immerhin von der Sparte der besten Kamera. Hier ist mit Rachel Morrison für ihre Bilder zu Dee Rees “Mudbound” erstmals in der Oscar-Geschichte eine Frau nominiert – wenngleich ihr auch von den Wettbüros geringe Chancen auf den Sieg eingeräumt werden. Und dank der Debatte zu den Oscars geschafft hat es Christopher Plummer. Der 88-Jährige ist als bester Nebendarsteller für seine Leistung in “Alles Geld der Welt” von Ridley Scott nominiert – jenen Part, den ursprünglich Kevin Spacey spielte, der aber nach den Missbrauchsvorwürfen mit dem Kanadier ersetzt wurde. Damit ist Plummer der älteste Schauspieler, der bisher für einen Oscar nominiert wurde. Überhaupt ist heuer ein gutes Jahr für die älteren Semester, stellt die 89-jährige Veteranin Agnes Varda doch den Rekord als ältester nominierter Mensch aller Zeiten auf – für ihren Dokumentarfilm “Faces Places”. Und James Ivory, lediglich eine Woche jünger als seine französische Kollegin, darf sich für sein adaptiertes Drehbuch zu “Call Me by Your Name” nun der älteste je Oscar-nominierte Mann nennen.

Beim allgemeinen Blick auf die Favoritenrolle, fokussiert sich die Aufmerksamkeit mittlerweile sehr auf “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” des Iren Martin McDonagh, der zuletzt bei den britischen Filmpreisen und den Golden Globes erfolgreich war. In der Königskategorie Bester Film gilt das insgesamt siebenfach nominierte Rachedrama neben “The Shape of Water” von Guillermo del Toro, der auf 13 Nominierungen kommt, als Topfavorit.

Als fix gesetzt gilt indes in den Augen von Branchenkennern und Wettbüros “Three Billboards”-Hauptdarstellerin Frances McDormand, die unter anderen gegen Rekordhalterin Meryl Streep ins Rennen geht, die mit ihrer Rolle in Steven Spielbergs “Die Verlegerin” die mittlerweile 21. Nominierung erhielt. Ebenfalls als relativ klarer Anwärter auf die Goldstatuette bei den Herren gilt auch Gary Oldman als Winston Churchill im Naziabwehrkampf im Drama “Die dunkelste Stunde”.

Fix einen anderen Sieger als “Three Billboards” wird es in der Regiesparte geben, ist McDonagh dafür doch nicht einmal nominiert. Hier werden die größten Chancen Guillermo Del Toro für “Shape of Water” eingeräumt, wobei unter anderen auch Greta Gerwig für “Lady Bird” genannt ist – als erste Frau seit Kathryn Bigelow 2010. Bleibt noch der Blick auf die für Europäer meist noch interessante Sparte des besten fremdsprachigen Films, in der es Fatih Akins “Aus dem Nichts” trotz Golden-Globes-Triumphs nicht einmal auf die Shortlist schaffte. Hier wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Transgenderdrama “Eine fantastische Frau” aus Chile und der schwedischen Kunstkritiksatire “The Square” prognostiziert.

Aber so sicher ist ja letztlich nie, wie die rund 7.000 Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences in den 24 Preiskategorien entscheiden. Und so kann es ja doch noch die eine oder andere Überraschung geben, wenn am 4. März – dank der Olympischen Spiele später als sonst – Moderator Jimmy Kimmel die Bühne des Dolby Theatre in Los Angeles betritt. Der Late-Night-Talker hat die Rolle zum zweiten Mal in Folge über, konnte er im Vorjahr doch mit seiner bissigen Performance überzeugen.

Und wem eine Wette auf die Sieger zu wenig spannend ist, für den halten die Wettbüros auch noch andere Möglichkeiten in petto. Wer etwa darauf wetten möchte, dass die beste Schauspielerin ihren Oscar auf offener Bühne fallen lässt, der kann beim britischen Anbieter Sportingbet setzen. Allzu hoch fiele der Gewinn jedoch nicht aus, wenn man auf Nein tippt – dann erwarten den Gewinner derzeit lediglich 1,02 Euro für 1 Euro Einsatz.

Von: apa