Paul Weller war 2015 beim Jazzfest Wien

Paul Wellers “Fat Pop” mit Songs als Karriere-Streifzug

Donnerstag, 13. Mai 2021 | 08:24 Uhr

Seine Fans nennen Paul Weller liebevoll “Modfather” oder “Godfather of Britpop”. Zumindest auf der Insel ist der gertenschlanke, stets elegant gekleidete Engländer eine lebende Legende. Zum Ikonenstatus des fast 63-Jährigen wird auch sein neues, nach offizieller Zählung 16. Soloalbum wieder beitragen. Diesmal mischt Weller typische Stilelemente einer gut 40-jährigen Laufbahn zu einem kompakten Werk voller Dreiminüter, das seinen Titel “Fat Pop (Volume 1)” zu Recht trägt.

Dabei bietet das neue Album gar nichts grundlegend Neues – im Gegensatz etwa zum schnittigen Mod-Punkpop im Youngster-Trio The Jam (bis 1982), zur eigenen Neuerfindung mit seidigem Jazz und Soul im Projekt The Style Council (bis 1989) oder zum erhabenen Folkrock von “Wild Wood” (1993). “Fetter Pop” halt, eine Platte voller potenzieller Radiohits, vergleichbar mit den Klassikern “Stanley Road” (1995) und “Wake Up The Nation” (2010).

Während “True Meanings” vor drei Jahren Wellers besinnliche Seite abbildete und das Nummer-eins-Album “On Sunset” (2020) verstärkt mit Einflüssen schwarzer Musik und langen Songs experimentierte, ist “Fat Pop” einer der buntesten Edelsteine seiner Karriere. Und damit so unterhaltsam, dass man gar nicht erst auf die Idee kommt, diesem fleißigen Musiker – wie zuletzt seinem nordirischen Kollegen Van Morrison – Überproduktion vorzuhalten.

Zumal die zwölf gewohnt sorgfältig produzierten Stücke wieder mal von Wellers phänomenaler Stimme getragen werden. Wer ihn etwa im von Streichern gesäumten “That Pleasure” oder “In Better Times” hört, wird sich bestätigt fühlen: Dieser Sänger aus der nihilistischen Punkgeneration zählt zu den größten der britischen Pophistorie.

Dass Weller nun erneut eine so starke Platte herausbringt, ist dennoch keine Selbstverständlichkeit. Längst könnte der Ü60-Mann es sich mit Ehefrau Hannah und drei kleinen Kindern (von insgesamt acht) im Süden Englands gemütlich machen, statt Songs über Vaterschaft und Familie wie “Failed” oder “Glad Times” zu schreiben. Doch lieber beherzigt er den Rat seiner Mutter, wie er jüngst dem “Guardian” sagte: “Immer arbeiten. Daran habe ich mich gehalten.” Seine Fans hören es gerne – und freuen sich schon auf “Fat Pop (Volume 2)”.

(S E R V I C E – www.paulweller.com)

Von: APA/dpa