Elton John verabschiedet sich schön langsam von der großen Bühne

Popstar Elton John feiert seinen 72. Geburtstag

Montag, 25. März 2019 | 13:22 Uhr

Einer der ganz großen Popkünstler tritt nach mehr als 50 Jahren von der Show-Bühne ab. Im letzten Jahr hat Elton John angekündigt, sich aus dem Live-Business zurückzuziehen – allerdings noch nicht sofort. Seine bereits gestartete “Farewell Yellow Brick Road”-Tour wird immerhin bis 2021 andauern. Am 25. März feiert der Musiker seinen 72. Geburtstag.

Elton John will zwar weiterhin Songs schreiben und Alben aufnehmen, das Leben “On the Road” habe er aber satt.”Ich sitze praktisch, seit ich 16 bin, hinten in irgendeinem Bus, ich fliege 180 Mal pro Jahr. Ich kann körperlich nicht mehr so viel fliegen, ich will nicht mehr reisen, ich will zu Hause sein.” Bei seinen Kindern: “Sie brauchen mich, sie brauchen David, sie brauchen ihre Eltern. Sie vermissen mich, wenn ich unterwegs bin”, sagte John Anfang 2018 bei einer Veranstaltung in New York.

Elton John ist der geniale Mann am Piano, aber ohne seine kongenialen Texter wäre diese Karriere vielleicht anders verlaufen. Seit mehr als 50 Jahren – von einer kurzen Auszeit abgesehen – arbeitet John mit Bernie Taupin zusammen. Die beiden hatten sich 1967 über die Anzeige in einem Musikmagazin kennengelernt. Es sei die vermutlich seltsamste Beziehung in der Pop-Geschichte, meint Elton John.

“Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie diese Beziehung funktioniert”, sagte er dem “Guardian”. “In meinem ganzen Leben habe ich mich mit ihm nicht gestritten, nicht über die Arbeit, nicht über persönliche Dinge. Ich meine, er ist ein verdammter Cowboy, der Waffen mag und ich sammle Tischdecken und Porzellan. Das ist schon sehr seltsam.”

Der Durchbruch für die beiden kam mit “Your Song” (1970). Zuvor hatten sie schon mit einigen Liedern bei den Kritikern punkten können, jetzt stimmte auch das große Publikum mit ein. Den romantischen Text hatte Taupin am Küchentisch in der Wohnung von Eltons Mutter geschrieben, wo er damals wohnte. Es gab Eierspeis, Kaffee und einen genialen Song. Und aus Pinner, Middlesex ging die Ballade hinaus in die Welt.

Auch bei John Lennon sorgte sie für Begeisterung: “Das ist das erste neue Ding, seitdem wir (Beatles) aufgetaucht sind”, sagte er 1975 im Rückblick. Und Taupin und John haben die Hits nur so rausgehauen: “Crocodile Rock”, “Daniel” oder “Rocket Man”. Und natürlich “Candle In The Wind”, “Benny And The Jets” und “Saturday Night’s Alright For Fighting”, die allesamt auf seinem epochalen Meisterwerk “Goodbye Yellow Brick Road” (1973) zu finden sind.

Auch für den Künstler selbst und seinen Songwriting-Partner Taupin war diese Karrierephase “eine besonders aufregende Zeit”, wie Elton John dem “Rolling Stone” erzählte. “Das war eine Zeit, in der wir furchtlos waren. Wir waren voller Adrenalin (…) und auf der Höhe unserer kreativen Kräfte.”

Auch wenn Elton Johns ganz große Zeit in den 70er und 80er Jahren zu verorten ist, präsent ist der begnadete und schillernde Showman, der im Laufe seiner Karriere über 30 Alben veröffentlicht hat, noch immer. Und er weiß die Herzen seiner Fans zu rühren. Zuletzt gelang ihm das zu Weihnachten, als ein nostalgisches Video, das eine britische Warenhauskette auf YouTube gestellt hatte, zum Klickhit wurde.

Das Video beginnt damit, dass Elton John zu Weihnachten an seinem Klavier sitzt, und zeigt dann in nachgestellten Szenen seine Karriere rückwärts – untermalt mit dem Hit “Your Song”. Am Ende sieht man, wie der kleine Elton ein Weihnachtsgeschenk von seiner Mutter bekommt: Es ist das Klavier, an dem John zu Beginn des Clips sitzt. “Manche Geschenke sind mehr als nur ein Geschenk”, heißt es am Ende.

Sein Engagement gegen Aids, sein Drogenabsturz, sein Coming-out, die Trauerfeier für die tödlich verunglückte Prinzessin Diana (“Candle In The Wind”), die Heirat mit David Furnish und seine Kinder – das Leben von Elton John ist reich an emotionalen Tiefen und Höhen.

Einen Ausschnitt davon wird es ab Ende Mai auch in den Kinos zu sehen geben. In der Filmbiografie “Rocketman” wird Taron Egerton (“Kingsman: The Secret Service”) als Popstar Elton John am Klavier sitzen – und sogar singen. “Das ist eine ganz andere Rolle mit ganz anderen Herausforderungen”, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. “Ich wollte bestmöglich singen und Elton mit meiner Version von ihm gerecht werden. Das bedeutet, manchmal stürmisch zu sein und manchmal unberechenbar und manchmal volatil.”

Von: APA/dpa