Mittlerweile hat Seagal sogar einen russischen Pass

Prügelknabe mit der ruhigen Stimme: Steven Seagal wird 65

Dienstag, 11. April 2017 | 10:52 Uhr

Stets gelassen schob Steven Seagal seinen bulligen Körper durch die Kampfszenen, trotzdem machte er alle platt. Aus der Fassung bringen ließ der Held des US-Actionfilms der 90er-Jahre sich anscheinend nie – auch dann nicht, als ihm die ganz große Kino-Karriere verwehrt blieb. Am 10. April wurde der Schauspieler aus Lansing im US-Bundesstaat Michigan 65 Jahre alt.

Plötzlich kippt die Stimmung: “Willst Du mit mir spielen?”, fragt Steven Seagal, als er im Action-Thriller “Auf brennendem Eis” von 1994 einem Kraftprotz namens Big Mike gegenübertritt. “Oh, Du willst ein Stück von mir?”, gibt der zurück. In der Bar im fernen Alaska wird es still, Frauen gehen in Deckung. Keine zwei Minuten später hat der 1,93-Meter-Mann Seagal in dem Film reichlich Kneipenmobiliar zertrümmert und ein Dutzend Öl-Arbeiter vermöbelt. Es waren stets solch wilde Schlägereien alter Schule, in denen sich der Kampfkunst-König mit dem schwarzen Samurai-Zopf in die Herzen der Fans prügelte. Bis auf “Alarmstufe: Rot” kam Seagal damit nie wirklich groß raus, aber Kennern des amerikanischen Action-Kinos dürfte das bis heute ziemlich egal sein.

“Stevens bescheidene Kindheit wurde von einer Faszination für die Kampfkunst und Blues unterstrichen”, heißt es auf seiner Website. “Einige würden behaupten, das sei eine seltsame Mischung, aber fragt jeden Kampfkunst-Experten oder jede Blues-Legende und sie werden euch sagen, dass es der tief in die Seele reichende Geist ist, der das Künstlertum antreibt.” Der nach außen stählern wirkende Kämpfer Seagal schien in seinen Filmen tatsächlich eine innere, Blues-artige Ruhe zu verspüren – und Gitarre spielte er auch.

Irgendwie passt das dann auch mit dem Zen-Buddhismus zusammen, den er in Japan studierte. Vor allem perfektionierte er dort sein Aikido: In dem defensiven Kampfsport erreichte er den Meistergrad des 7. Dan. Seine Kenntnisse passten beim Umzug nach Los Angeles in den Action-Stil der Zeit, wo er ein Kampfsport-Studio eröffnete, als dessen Trainer er Sean Connery bei Dreharbeiten einmal versehentlich ein Handgelenk gebrochen haben soll.

“Zum Töten freigegeben” (1990), “Deadly Revenge: Das Brooklyn Massaker” (1991), “Fire Down Below” (1997) – die großen Kassenknaller waren es nicht, wenn der breitschultrige Seagal mit ruhiger Stimme und eiserner Faust mal wieder zum Schlag oder Wurf ansetzte. Auch die Plots um bewaffnete Umweltaktivisten und Macho-Polizisten zählten nicht zu den Glanzleistungen der Drehbuchschreiber von Hollywood. Aber Seagal konnte seine Gegner einfach verdammt gut fertig machen, für Freunde einer anständigen Keilerei war das wohl genug.

“Alarmstufe: Rot” über einen äußerst wehrhaften Koch, der im Alleingang ein von Terroristen besetztes US-Kriegsschiff befreit, blieb sein größter Erfolg. Sein Gegenspieler damals war Tommy Lee Jones, der erst danach seinen Durchbruch mit “Auf der Flucht” (mit Harrison Ford) schaffte. Die Fortsetzung “Alarmstufe: Rot 2”, selbst produzierte B-Movies und Auftritte in der Reality-Serie “Steven Seagal: Lawman” als Hilfssheriff in Louisiana erreichten vor allem die Fanbasis. Das hielt Seagal nicht davon ab, sich auf seiner Website als “Hollywood-Legende” zu beschreiben und als “einen der größten und kultigsten Filmstars, die die große Leinwand in deren gesamten Geschichte jemals schmückten”.

2016 sorgte Seagal in den Medien für Aufsehen, als er sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin öfters fotografieren ließ – und sogar den russischen Pass bekam. Sieben Kinder aus vier Ehen und einer Affäre hat Seagal. Heute lebt er in Arizona. “Das ist Medizin für die Seele”, beschrieb er die karge Landschaft der dortigen Sonora-Wüste vergangenes Jahr in einem TV-Interview. Der Satz klang nach einem Mann, der noch nie in seinem Leben beziehungsweise im Film in eine Schlägerei verwickelt war.

Von: APA/dpa