Komödiant verstarb am Freitag

Publikumsliebling Kurt Sobotka starb mit 87 Jahren

Samstag, 09. September 2017 | 18:53 Uhr

Die Karriere Kurt Sobotkas beeindruckte schon allein durch die schieren Zahlen: 35 eigene Inszenierungen, beinahe 70 Jahre auf der Bühne, Auftritte in rund 100 Josefstadt- und gut 450 Fernsehproduktionen sowie mindestens 2.500 Rundfunksendungen zählte das künstlerische Leben des Publikumslieblings. Am Freitag ist der große Komödiant und Schauspieler nun mit 87 Jahren verstorben.

“Kurt Sobotka gehörte einem Schauspielertypus an, den es heute eigentlich nicht mehr gibt”, zollte Herbert Föttinger, Direktor der Josefstadt, dem Ehrenmitglied seines Hauses in einer ersten Reaktion Respekt: “Wenn er auf der Bühne der Josefstadt stand und den kleinen Mann verkörperte, dann berührte er das Publikum vor allem durch seine Wahrhaftigkeit und seine stille Größe. Die Josefstadt betrauert den Verlust dieses großen Menschendarstellers.”

Die letzte Premiere an “seinem” Haus hatte Kurt Sobotka im Jahr 2013 gefeiert, als er in der Uraufführung von Peter Turrinis “Aus Liebe” den lieben Gott spielte – eine Entwicklung, die so noch nicht abzusehen war, als Sobotka am 9. März 1930 in Wien das Licht der Welt erblickte. So besuchte das spätere Josefstadt-Ensemblemitglied zunächst die Handelsakademie, aber auch bereits das Konservatorium Prayner für Musik und dramatische Kunst in seiner Heimatstadt.

Nach einem Kurzengagement als Eleve im Ronacher-Ausweichquartier des Burgtheaters (an der Seite von Gerhard Klingenberg und Michael Kehlmann) und seinem Profidebüt in Steyr spielte er an Wiener Kellertheatern wie dem Studio der Hochschulen, dem Theater der Courage oder dem Theater am Parkring, bevor er 1957 im Theater in der Josefstadt debütierte und einige Spielzeiten als Gastschauspieler viel beschäftigt war.

Bevor die Bindung an die Josefstadt praktisch unlöslich wurde, folgten dann aber zunächst noch mehrere Jahre am Theater am Kärntnertor, Engagements am Wiener Volkstheater, am Hansa Theater Berlin, am Hamburger Thalia Theater und Zürcher Schauspielhaus. Als Mitglied und langjähriger Leiter der legendären Institution Simpl prägte der Humorist überdies die goldene Ära des Wiener Kabaretts mit und stand mit Größen wie Karl Farkas, Helmut Qualtinger und Gerhard Bronner auf der Bühne.

Zwischendurch gastierte Sobotka aber auch immer wieder an der Josefstadt, bis ihn Direktor Franz Stoß 1979 schließlich wieder ans Haus holte. Die Position als Ensemblemitglied sollte Sobotka bis zum Jahr 2014 nicht mehr verlieren. So spielte er an seiner fixen künstlerischen Heimat in Hinkunft viele Nestroy-Rollen, gehobenen Boulevard wie “Charleys Tante”, aber auch Charakterrollen wie Jamie Cregan im O’Neills “Fast ein Poet” oder den alten Miller in Schillers “Kabale und Liebe”.

Sechs Josefstadt-Direktoren hat das Ehrenmitglied des Hauses erlebt, und besonders liebevoll erinnerte er sich stets an einen, der 1986 wenige Wochen vor Antritt seiner Josefstadt-Intendanz gestorben war: Boy Gobert hatte Sobotka durch seine Theaterauftritte im Ausland (Hamburg, Zürich, Berlin) kennen und schätzen gelernt und ihm versprochen, ihn mehr im Charakterfach einzusetzen.

Dennoch wird Kurt Sobotka dem breiten Publikum vor allem durch seine Brillanz in der vermeintlich leichten Muse in Erinnerung bleiben. Diesen ehrenwerten Ruf hat sich der Publikumsliebling nicht zuletzt mit dem “Guglhupf” verdient, jener legendären Ö1-Radiosatire, die von 1978 bis 2009 nahezu allsonntäglich “brennheiß serviert” und die letzten 21 Jahre in Sobotkas hauseigenem Tonstudio zubereitet wurde.

Aber auch nach dem Ende der Satiresendung bewies Sobotka weiterhin seine Vielseitigkeit. Dieses Engagement blieb nicht ungewürdigt, und so erhielt der Theatermensch schließlich im Jahr 2010 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. Nun ist der Vater des Ex-“Hektikers” und Regisseurs Werner Sobotka im Alter von 87 Jahren nach längerer Krankheit verstorben.

Von: apa