Starke Bühnenpräsenz des Rag 'n' Bone Man

Rag ‘n’ Bone Man in Wien: Blues und Gospel mit voller Wucht

Sonntag, 04. März 2018 | 11:30 Uhr

Der Mann ist die volle Wucht: Rag ‘n’ Bone Man Rory Graham hat Samstagabend die ausverkaufte Bank Austria Halle im Wiener Gasometer in jeder Hinsicht gerockt. Der britische Bluessänger, der im Vorjahr mit dem Mega-Hit “Human” praktisch aus dem Nichts die Charts stürmte, bewies: Live kann er noch viel mehr. Und die Bühnenpräsenz des mächtigen, aber sanften Hünen ist ohnedies kaum zu toppen.

Wuchtig ist nicht nur der 32-Jährige selbst, wuchtig ist auch der Sound seiner exzellenten Band – samt zwei knackigen Bläsern -, und wuchtig ist vor allem die Stimme des Rag ‘n’ Bone Man. Und so gaben alle nach dem stimmungsvollen Entree der – übrigens großartigen – Newcomerin Grace Carter als Support Vollgas.

Manchmal erinnern Sound und Songs des Rag ‘n’ Bone Man etwas an Joe Cocker – aber man kann Stars sicher weit Schlechteres nachsagen. Und der Vergleich stimmt auch insofern nicht, als Graham das deutlich weitere Stimmspektrum besitzt. Natürlich wurde er mit dem bass-betonten Ton von “Human” berühmt, aber er kann auch kraftvoll gesangliche Höhen erklimmen. Und der 130-Kilo-Mann kann sogar sehr lässig rappen – wohl eine kleine Reminiszenz an seine Teenagerzeit, als er bei einer Hip Hop-Band mitmachte.

So zog der Brite permanent alle Register zwischen Blues, Rock und recht souligen Anklängen. Live ganz großartig: “Lay Your Body Down” vom “Human”-Album und seine zweite erfolgreiche Single “Skin”. Und genau da zeigte sich die musikalische Reife des Rory Graham: Der Song ist auf dem Album ziemlich spekulativ in Richtung Radio-Tauglichkeit produziert – live ist das Lied komplett downgesized, da steht einfach die beeindruckende Stimme des Sängers im Mittelpunkt.

Und überhaupt ist der Rag ‘n’ Bone Man auf der Bühne für Überraschungen abseits des Mainstreams gut: Natürlich gönnte er gegen Ende des Konzerts den Fans auch “Human”, dieses aber gegenüber der bekannten Version deutlich flotter – und im zweiten Teil mit einer coolen Rap-Passage veredelt. Und plötzlich stand Rory Graham dann ganz allein auf der Bühne, erzählte irgendetwas von einem “alten” Song, den seine damalige Band wegen eines Stromausfalls a cappella singen musste – und intonierte völlig allein und überwältigend “Die Easy”, ein Lied, das er auf der 2012 quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit erschienenen EP “Bluestown” verewigt hat. Da war er 26 und klang bereits wie ein uralter, gerade noch überlebender Blues-Haudegen – und heute klingt er sogar noch um eine Nuance beeindruckender.

Von: apa