Fendrich findet Angstmache vor Ausländern kurzsichtig

Rainhard Fendrich gibt sich auf neuem Album nachdenklich

Freitag, 23. September 2016 | 10:29 Uhr

Krieg, Terror, Rassismus, Altwerden: Rainhard Fendrich hat auf seinem Album “Schwarzoderweiss” den Humor zurückgefahren und über weite Strecken nachdenkliche Lieder platziert. “Ich erhebe nicht den Zeigefinger, sondern nur meine Stimme”, sagte der Musiker im APA-Interview. Über die aktuelle politische Situation meinte er: “Es wird ein böses Erwachen geben, wenn man populistischen Stimmen glaubt.”

Die am 7. Oktober erscheinende CD erweckt den Eindruck, dem 61-Jährigen sei es ein dringendes Anliegen gewesen, das Zeitgeschehen zu kommentieren. “Der Grundimpetus bei mir ist immer, ein gutes Lied zu schreiben”, betonte Fendrich. “Und mein Verständnis von Kunst ist, dass diese sich mit irgendwas auseinandersetzt. Auch in meinen humorvollen Liedern steckt ein kritischer Kern. Es kommen mir Gedanken und wenn mich diese nicht mehr loslassen, versuche ich daraus ein Lied zu machen.”

Er erhebe allerdings nicht den Anspruch, mit allem, was er sage, recht zu haben, fügte Fendrich hinzu. “Ich finde – wie so viele andere Menschen – viele Dinge nicht in Ordnung. Nur habe ich die Möglichkeit, über diese Dinge zu schreiben. Und das tue ich auch. Und ich glaube, dass ich das Richtige mache.”

Die Sehnsucht nach Frieden und der heilen Welt (“die es nie gegeben hat”) thematisiert der Sänger und Liedermacher auf “Schwarzoderweiss” in zum Teil sehr zarten Pianoballaden. Der Titelsong richtet sich klar gegen Vorurteile, Hetze und Rassismus. “Ohne Ausländer hätten wie dieses Land nicht aufgebaut”, sagte der Wiener im Interview und warnte vor “dieser Angstmache, die jetzt passiert, vor allem in Österreich”. Denn diese sei “übertrieben”.

“Österreich ist ein neutrales Land, das vielleicht einmal ein Kanonenrohr in die falsche Richtung verschickt hat, aber wir sind kein wirkliches Angriffsziel für den IS.” In Frankreich etwa sei die Situation eine andere, meinte Fendrich. “Die haben Kolonien gehabt, Länder unterdrückt und ausgebeutet. Menschen, die aus diesen Kolonien stammen, werden dort in Ghettos vernachlässigt. Die lassen sich leicht radikalisieren. Österreich hat das nicht. Ich fühle mich hier sicher. Ich finde diese ganze Angstmache vor Ausländern sehr kurzsichtig.”

Auch zum Flüchtlingsthema nahm Fendrich Stellung: “Ja, es ist vieles schiefgegangen. Ich will auch Belästigungen am Welser Volksfest nicht herunterspielen, aber man darf nicht vergessen, dass wir aufgrund der europäischen Gesetzgebung verpflichtet sind, Hilfsbedürftige aufzunehmen. Es kann nicht sein, nur weil in einer Schulklasse einer den Papierkorb angezündet hat, dass die anderen Schüler aus der Schule geworfen werden. Dagegen singe ich. Wir müssen mit der Situation irgendwie umgehen.”

Gerade in Zeiten der Hasspostings erntet man für kritische Äußerungen “nicht nur Jubelrufe”, weiß Fendrich. “Da gibt’s welche, die haben ein Tourette, das sind die, die meist auch sehr viele Rechtschreibfehler machen. Dann gibt’s welche, besonders die, die auf ‘Schwarzoderweiss’ reagieren, die haben studiert, die Herrschaften vom Akademikerball, die mit Rassenideologien kommen und Cicero zitieren, der ‘damals ja auch schon gesagt habe…’ Die vergessen dabei aber, dass Cicero aus einer Zeit stammt, in der Menschen von Löwen gefressen und ans Kreuz genagelt wurden.”

Zurück zum 17. Studioalbum Fendrichs: Nach einem launigen Anfang (“Wenn du was willst” nimmt ironisch den Online-Wahn aufs Korn) folgen in einem Block sehr ernste Lieder, ehe es gegen Ende mit “Sugar Daddies” und “Lieselotte” doch noch heiter wird. “Es ist für mich ein ganz wichtiges Element, den Humor nicht zu verlieren”, sagte Fendrich. “Aber zum Terror fallen mir keine Witze ein.” Die zeitkritischen Themen gibt es bewusst auf der CD am Stück: “Ich will ja keinen bunten Abend machen.”

“Schwarzoderweiss” endet mit “Wie Honig”, einem Lied über die Zeit, die zum Ende eines Lebens hin immer kostbarer wird und schneller zu rasen scheint. Dazu Fendrich: “Die Zeit ist eine Konstante, mit der man sich aussöhnen muss. Sonst geht man daran zugrunde.”

Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA

INFO: 2017 geht Rainhard Fendrich auf Österreich-Tournee. Die Termine: 17.02. Stadthalle D Wien, 2.3. Salzburgarena Salzburg, 3.3. TipsArena Linz, 4.3. Stadthalle Graz, 7.3. Olympiahalle Innsbruck, www.fendrich.at

Von: apa

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